Förderverein Kirchenmusik Oberwinter
Oberwinter feierte Jazztrio
Aufeinandertreffen von Moderne und Antike sorgte für musikalische Höhepunkte
Oberwinter. In ihrer Begrüßung im Namen des Fördervereins Kirchenmusik Oberwinter hob Christiane von Essen mit lächelndem Auge den „Ehrenbürger“ Robert Landfermann hervor. Aufgewachsen in Oberwinter gehört er mittlerweile in der deutschen Jazzszene zu einem der gefragtesten Kontrabassisten.
Die Harfenistin Kathrin Pechlof ist bereits 2011 in Oberwinter mit einem klassischen Programm aufgetreten. Sie praktiziert den Spagat zum Jazz mit seinen offenen Improvisationen. Mit dem vielfach ausgezeichneten Saxofonisten Christian Weidner aus Berlin hat sie die am Sonntagabend gespielten Werke komponiert. Sie können auf der gerade beim Münchener Label Pirouet erscheinenden CD „Imaginarium“ nachgehört werden.
Die Werke orientieren sich thematisch an gregorianischen Chorälen, Überlieferungen von Hildegard von Bingen und selbst Musik der griechischen Antike, denen das Trio in seiner eigenen, zeitgemäßen Sprache des Jazz begegnet. Um die Kompositionen werden nach Kathrin Pechlof vielfältige Bilder und Gefühle assoziiert. So sagte sie einleitend: „Schließen Sie die Augen und hören Sie einfach zu.“ Durch das Zusammenspiel von ausnotierten Themen und den darauf aufbauenden Improvisationen entstand eine sich ständig verändernde Bewegung.
Dies brachte insbesondere der Kontrabassist Robert Landfermann in seiner höchst experimentellen Spielweise zum Ausdruck.
In der musikalischen Kommunikation mit Harfe und Saxofon wurde eine frappierende Vielfalt von Klängen erzeugt.
In den ersten, hier bewusst nicht betitelten Stücken mussten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer auf ungewohnt ruhige Klangfolgen meditativen Charakters einstellen, bevor sie in einer virtuosen Session von beschleunigten Klangkaskaden mitgenommen wurden.
Zu der nunmehr bis zum Ende des Konzertes sich verdichtenden Spannung leistete die besondere Akustik in der gut besuchten Evangelischen Kirche Oberwinter einen nicht zu unterschätzenden Beitrag.
Dies wurde von dem Trio im Nachhinein ausdrücklich gewürdigt, die ihr Konzert vor ein paar Wochen in der Gedächtniskirche in Berlin aufgeführt hatten.
Angesichts des lang anhaltenden Beifalls spielte das Trio abschließend „Les Cloches“ von Debussy und am Ende Improvisationen um das erste erhaltene Musikstück aus der griechischen Antike.
