„Brücken in Remagen“ - interkulturelle, biografische Theaterarbeit mit Laien in elf Bildern
Projekt, brachte wahre Begebenheiten auf die Bühne
14 Laienschauspieler aus sechs Ländern erzählten ihre Geschichten von Flucht, der Sehnsucht nach Freiheit und Verständnis füreinander
Remagen. Gleich zwei Aufführungen einer interkulturellen, biografischen Theaterarbeit mit Laien in elf Bildern unter dem Titel „Brücken in Remagen“ galt es am Samstag- und Sonntagabend auf der Bühne des Rheinhallenfoyers zu erleben. War die Aufführung am Samstag ausverkauft, so kamen auch am Sonntag noch rund 80 Gäste, um die „Brücken in Remagen“ zu sehen. Ein knappes Jahr hatte Sibylle Drenker-Seredszus dieses Projekt geleitet und Regie geführt, das Darstellen und auch das Improvisieren geübt. Gefördert wurde die Theaterarbeit mit Laien aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken“. Träger des Projektes war der Förderverein der Grundschule Sankt Martin Remagen. Vor rund einem Jahr hatten sich 35 Menschen aus zehn Nationen im Alter von 14 bis 76 Jahren zu diesem Theaterprojekt zusammengefunden. 14 Menschen aus dem Kosovo, Iran, Brasilien, Belgien, Litauen und Deutschland hatten letztlich am Wochenende ihre Geschichten auf die Bühne gebracht.
In dem Projekt „Brücken in Remagen“ wurden bei der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen entstandene Erlebnisse gesammelt und für die Bühne aufbereitet. Diese kurzen persönlichen Geschichten, die kaleidoskopisch zusammengefügt worden waren und zum Schluss, als eine gemeinsame neue Geschichte ergab, luden an beiden Aufführungsabenden zum Nachdenken ein. Sie berührten das Publikum und erlaubten einen Blick in die Welt des anderen. Die einzelnen Geschichten wurden unter der Leitung von Sibylle Denker-Seredszus in eine Reihenfolge gebracht. Zwischen den einzelnen Geschichten gab es kurze Sequenzen mit Einheimischen und Touristen auf der Rheinpromenade. Die emotionale Wirkung mancher Szenen in den Geschichten wurde verstärkt durch Livemusik und vorgelesene Nachrichtentexte und literarische Texte. Die Geschichten selbst erzählten von beispielsweise der Flucht aus dem Kosovo, von der „ewigen“ Kohlsuppe nach harter getaner Arbeit und der Sehnsucht nach Deutschland, nach Freiheit und selbstbestimmten Leben. Immer wieder zum Vorschein kam auch die Voreingenommenheit gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund. Eine Frau wollte der Armut und dem Elend entkommen. Die jeweiligen, teils tragischen Geschichten, teils Geschichten von Hoffnung auf ein besseres Leben, zogen die Zuschauer in ihren Bann.
„Der Weg nach Ostfriesland“
„Wie wir miteinander umgehen und hinzusehen, wie die Welt des anderen eigentlich aussieht“, war ein Anliegen von Sibylle Drenker-Seredszus, wie sie zu Beginn der Aufführung deutlich macht. Absolute Stille herrschte im Foyer, als die erste Geschichte „Der Weg nach Ostfriesland“ begann. Ein Mann saß auf der Bühne auf einem Stuhl und erzählte seine Geschichte, wie er im Flugzeug saß und Angst hatte, wie er seinen Pass zerriss, weil er hörte, was einem Ausländer am Zielort droht. In Ostberlin kam er an und wurde von Volkspolizisten buchstäblich in den Westen geworfen. Dort staunte er über die große Stadt und die fremde Welt. Von Berlin kam der damals 17-jährige nach Ostfriesland, wo er sich zuerst einen Garten anlegt, denn da wo er einen Garten hat, empfindet er ein Stück Heimat. Inzwischen sind 29 Jahre vergangen und er hat in Remagen seine Heimat gefunden und mit dem Theaterprojekt seine Geschichte auf die Bühne gebracht, ebenso wie die 13 anderen Laiendarsteller.
Zu den Darstellern gehörten Anne-Kristin von Jasienicki, Marie Monique Hoppa, Christa Karlein, Martin Karlein, Houshang Sani, Sussanne Boulay, Andreas Siedler, Sabine Jüttner, Leonarda Parduzi, Gani Parduzi, Sandra Stoß, Alfreda Schmickler, Guido Kirst und Fabian Seredszus.
Im Anschluss an die Aufführungen gab es viel Applaus und Begegnung zwischen den Laiendarstellern und dem Publikum.
