Weinbaugemeinschaft erntete den Lohn der Mühe
Spitzenwerte bei der ersten Lese
Höchste Oechslegrade versprechen den Hochgenuss eines ganz besonderen Tropfens
Remagen. Da würde dem alten Geheimrat aus Weimar aber das Wasser im Munde zusammenlaufen und er sicherlich eine Ode auf den Wein am Rhein erdichtet haben: Bei herbstlichem Sonnenwetter konnten die Mannen der Remagener Weinbaugemeinschaft die erste Ernte einfahren. Da glänzten die Augen der Weinleser und die Trauben um die Wette, als sich Rebe um Rebe im Bottich wiederfand. Der Goldene Oktober machte seinem Namen alle Ehre, als die „Donnerstagstruppe“ um den Begründer der jungen Gemeinschaft, Eduard Krahe, in der Frühe den fachmännisch abgezäunten Weinberg im Schatten des Domes auf dem Apollinarisberg erreichte. Golden glänzten auch die Trauben an den von Winzermeister Georg Kriechel mit Liebe gepflegten rund 100 Stöcken, die auf dem Gelände des ehemaligen Martinsberges in den letzten drei Jahren herangewachsen sind. Vorsichtig wurden die Trauben von den Stöcken geschnitten und in großen Behältern gesammelt. Voller Stolz konnte vermeldet werden, 50 Kilo der edlen Rieslingtraube warten nun darauf in die Kelter zu kommen. Zur weiteren Verwertung des edlen Gutes haben sich die Weinbaufreunde der Winzergenossenschaft Dagernova versichert. Die erklärten Experten von der Ahr werden die Remagener Traube zu einem Produkt veredeln, dass Goethe sicherlich abermals Respekt abzollen würde. Dem Patenkind wurde 1820 mit einem Tropfen Scharfenberger „gebührentlich die Lippen benetzt“. Um diese Geschichten und die Tradition des Weinbaues für Remagen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, geht es der Weinbaugemeinschaft mit seinen knapp 60 Mitgliedern. Dafür wurden hunderte von Arbeitsstunden investiert, Bäume gerodet, unselige bürokratische Hürden genommen. Aber auch das betont Eduard Krahe immer wieder: „Wir haben auf dem Berg neue Freunde gewonnen, aus dem kirchlichen und weltlichen Bereich, die wir nicht mehr missen möchten“, so der Vorsitzende.
Rund 50 Flaschen erwartet
Auf ihn kommen schwere Tage zu. Denn es werden wichtige Entscheidungen anstehen. Nicht unendlich ist das Produkt, das auf den 96 Quadratmetern des Geländes von Freiherr Franz Hermann von Fürstenberg gewonnen wird. Etwa 50 Flaschen, so die vorsichtige Schätzung, wird es zu verkosten geben. Also eine Rarität, mit der überlegt umgegangen werden muss. „Es wurde ein Spitzenwert an Oechslegrad erreicht“, konnte Krahe schon wenig später nach der Lese vermelden. Doch auch die Namensgebung treibt die Hobbywinzer um. Der Scharfenberg liegt links daneben, der Hundsberg ebenfalls. Allerdings ist die Gemeinschaft in den Besitz eines uralten Etiketts vom „Hundsberg“ gekommen. Marc Langen fand dieses in den Schubladen aus Großvaters Zeiten. In Anlehnung an diese Erinnerung wird der neue Wein wohl seinen Ausdruck finden. Ein Produkt vom Apollinarisberg konnten die Winzerfreunde schon genießen: Marmelade und Likör vom Weinbergpfirsich hatte Alexander Krahe in seiner Küche schon gebrodelt. „Edel, edel, edel,“ ging der Dank in Richtung des leidenschaftlichen Hobbykochs. Immerhin 70 Kilogramm konnten bereits in diesem Jahr geerntet werden. Nach diesem Erfolg strebt die Weinbaugemeinschaft natürlich nach „Mehr“. Erste Verhandlungen hat Eduard Krahe bereits aufgenommen. Da gibt es noch ein Stück vom „Hundsberg“, das ruft förmlich danach, wieder mit Stöcken bepflanzt zu werden. Und die Helfer stehen nach der herrlichen Lese auf dem Apollinarisberg bereit, die Lesezange mit der Schaufel zu tauschen.
