Allgemeine Berichte | 06.10.2014

Vernissage in der Synagoge Ahrweiler

„Vier Künstlerinnen - Gegensätze und Überschneidungen.“

Evelyn Fuhrmann, Cornelia Harss, Evelyn Klein und Martine Seibert-Raken stellen aus

Duo Divisions

Ahrweiler. Mit Evelyn Fuhrmann, Cornelia Harss, Evelyn Klein und Martine Seibert-Raken präsentierten vier Künstlerinnen in der Ehemaligen Synagoge in Ahrweiler am Tag der Deutschen Einheit ihre gemeinsame Ausstellung „Vier Künstlerinnen - Gegensätze und Überschneidungen.“ Bundeslandübergreifend zeigen die aus Sinzig, Remagen und Bonn - Bad Godesberg stammenden Künstlerinnen unterschiedliche Techniken wie Tusche, Karikaturmalerei, Betonestricharbeiten und Malerei auf Steinoberflächen. Mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe „Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht“ erklären die Künstlerinnen die Intention ihrer gemeinsamen Kunstausstellung.

„Der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht“

Ob es, unter anderem, der (scheinbare) Widerspruch von Funktionalität und Schönheit ist, wie im Bauhausprinzip verankert, und von Martine Seibert-Raken in kunstvollen Objekten und abstrakten Bildern zum Ausdruck gebracht - oder der malerische Mikro-Makro-Kosmos von Evelyn Fuhrmann, der ebenso eine visuelle, als auch eine haptisch reizvolle künstlerische Darstellung ihrer Naturauffassung und Sehgewohnheiten bietet. Die beinahe sophisticated anmutenden Karikatur-Malereien - Bild im Bild - Betrachtungen von Museumsbesuchern, denen quasi der Spiegel vorgehalten wird von Cornelia Harss, sowie die scheinbar harmonisch dahin gleitenden Wellenformationen von Eve Klein, zu Wasser und zu Lande. Diese zeigen letztlich, als Pendant zum Außen, die sich ständig bewegenden Energien in uns, die sich von spielerisch bis gefährlich auftürmend, bewegen können. Einen kleinen Teil eines auf einer Kuhwiese installierten Kaninchendrahtobjektes zeigt Martine Seibert-Raken auf der ehemaligen Frauenempore der Synagoge.

Malerische Makroaufnahmen

Evelyn Fuhrmann zeigt mit ihren „Satelliten-Bildern“ keine abstrakte, sondern eine vergrößerte Darstellung der Wirklichkeit: „Vielleicht denkt manch einer an Weltall oder an eine Tiefseelandschaft…Es ist jedoch eine malerische Makroaufnahme jener kleinen und unscheinbaren „Wesen“: Der Flechten“, so Evelyn Fuhrmann. Die Malerin arbeitet mit Naturpigmenten auf haptisch erfahrbarem Kunststein und auf Malerfilz. Fasziniert von der Flechtenwelt sind sie für die Malerin ein Symbol von Werden und Vergehen, sind sie doch die ersten Besiedler und zugleich auch am fortschreitenden Verfall beteiligt. „Bei all meinen Motiven kommt es mir darauf an, das Schöne im Vergänglichen und Verfallenen zu zeigen.“ Die Erfahrbarkeit/Erfühlbarkeit (Haptik) spielt in ihren Bilder immer eine große Rolle, verbunden mit beruhigenden grafischen Elementen.

Faszination durch grafische Klarheit

Die Tuschezeichnungen der Sinziger Künstlerin Eve Klein faszinieren durch ihre grafische Klarheit: „Bei der künstlerischen Umsetzung geht es mir um eine abstrakte Formgebung, durch die der „Wellengang“ in eine Lebensebene des Werdens und Vergehens in vielen Variationen transportiert wird. Mit gestischen Zeichen, Abstufungen von Schwarz-, Weiß- und Grautönen, manchmal einem Schleier von kühlem Hellblau, mache ich auf diverse innere Kräfte im Leben von uns Menschen aufmerksam, auf den Wellengang in uns“.

Der Raum als Gesamtkunstwerk

Martine Seibert-Raken fokussierte sich in ihrem Innenarchitekturstudium zunehmend auf die Wirkung von Raum und Kunst und die damit eng verbundene Auswahl von Farbe und Material: “Immer mehr verstand ich den Raum als ganzheitlich, vor allem aber geprägt durch seine Nutzung und den darin lebenden oder arbeitenden Menschen. Der Raum als Gesamtkunstwerk. Der sprechende Raum. Der Raum als Bühne. Der Raum als Möglichkeit, Material, Farbe, Form und Design in ein spannungsreiches Gesamtkonzept zu fassen. Und so seine ganz eigene Wirkung zu zeigen, die Bedeutungen verteilt. Der lebendige Raum als Raum für lebendige Menschen.... Gemäß der Auffassung, dass Gegensätze sich anziehen, verstehe ich die Kombination von Materialien, Farben und Formen als Möglichkeit eine mögliche Sicht der Dinge und Blickwinkel zu schaffen. Thematisch beschäftige ich mich zunehmend mit Licht und Schatten, Beziehungen und Kommunikation und arbeite mit handgeschöpften Papieren, Holz, verrosteten und patinierten Oberflächen. Die Objekte, die entstehen, sind immer von Aufbrüchen und Umbrüchen gekennzeichnet und verändern ihr Erscheinungsbild ständig, denn der Lichteinfall ist das Wesentliche hierbei.“

Menschen im Museum

„Ist das Kunst, oder kann das weg? - Menschen im Museum“ heißt die Karikatur-Mal-Serie von Cornelia Harss. Angeregt zu dieser Serie wurde sie schon in der Mitte der Neunziger bei dem ersten Besuch der damals neuen Bonner Kunstmuseen. Seit der Zeit setze sie sie kontinuierlich fort: „Mit diebischem Vergnügen brachte ich die Kunstliebhaberavantgarde auf Leinwände, die interessiert, fasziniert abgestoßen oder einfach überfordert vor der modernen meist gegenstandslosen Museumskunst stehen. Nach dem Motto „Was im Museum hängt muss auch gute Kunst sein“, vertrauen sie mehr den Etiketten als ihrem eigenem Urteilvermögen. Kunst darf nicht zu direkt, sondern sollte möglichst kryptisch, unverständlich und schon gar nicht lustig sein. Dafür gibt es den Karneval. Man will dazugehören zu der intellektuellen Avantgarde. Manche der meist nicht mehr ganz jungen Museumsbesucher führen ihre Garderobe aus, schmücken sich mit ihrem Wissen und ihrem Trendbewusstsein. Oder sie kriechen in das Bild hinein, um das vom Künstler Gesagte besser zu verstehen. Die Langeweile zeigen nur die Kinder .Oder die Besucher, die in die Landschaft außerhalb des Museums zum Fenster hinaus sehen .Man wird ja wohl mal frische Luft schnappen dürfen. Sehen und gesehen werden. Im wahrsten Sinne des Wortes.“ Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Duo Divisions (Johannes Morschhausen - Gitarre und Irmgard Morschhausen - Flöte). Die Ausstellung ist bis zum 17. Oktober von Mittwoch bis Freitag in der Zeit von 14-17 Uhr sowie Samstags und Sonntags von 12 -17 Uhr geöffnet, oder nach Vereinbarung unter Te. (01 77) 47 34 76 oder Tel. (01 77) 88 05 479.

Duo Divisions

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