Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul
Vierzig Jahre Filialkirche St. Martin
Feierlicher Gottesdienst am Sonntag, 10. November um 11 Uhr
Remagen. Jeden Sonntag um 8.15 Uhr versammeln sich die Frühaufsteher zur Heiligen Messe in St. Martin. Die Filialkirche ist ein schlichter sakraler Raum mit fast schmucklosen Wänden, einem Altartisch, Kreuz, Ambo und Gestühl aus Holz. Dennoch kommen die Menschen gerne nach St. Martin. Vielleicht wegen der Stille des Morgens, der je nach Jahreszeit unterschiedliches Licht durch die schmalen Wandfenster wirft; oder die Einfachheit der Liturgie zieht sie an, zentriert auf das Wesentliche: Verkündigung des Evangeliums und Danksagung in der Eucharistie.
Die meisten Gottesdienstbesucher kennen sich. Sie kommen aus den umliegenden Straßen, einige aber auch aus anderen Ortsteilen. Gerne besuchen sie nach der Frühmesse die Gräber ihrer Angehörigen auf dem gegenüberliegenden Friedhof. Der Friedhof und das Gotteshaus gehören zusammen. St. Martin ist auch eine Kirche des Abschieds. Rund ums Jahr werden dort viele Trauergottesdienste gefeiert.
Am 10. November begeht die Gemeinde mit einem festlichen Gottesdienst um 11 Uhr das 40-jährige Jubiläum der kleinen Kirche. Als sich die Bebauung immer weiter Richtung Kripp ausdehnte und die Bevölkerung der Stadt zunahm, entschloss sich Pfarrer Friedhelm Hammes zum Bau einer Filialkirche. 1973 wurde sie vom damaligen Regionaldekan dem Heiligen Martinus geweiht. Der Heilige, der einst am Stadttor von Amiens seinen Mantel mit einem Bettler teilte, steht für Wesentliches im Christentum: Dem Menschen, der Hilfe braucht, in die Augen schauen. Da sein für ihn. Mit den Mitteln helfen, die man hat. Die Wahl des Patroziniums war aber auch historisch kein Zufall. Zum einen erinnert es an die uralte Martinskirche aus fränkischer Zeit auf dem heutigen Apollinarisberg, die 1110 in einer Urkunde schon als sehr alt bezeichnet wurde (beati Martini ecclesia antiquissima). Sie wurde im 13. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt, 1405 dem Heiligen Apollinaris geweiht und 1838 abgerissen.
Die Patronatswahl erinnerte aber auch daran, dass Remagen einst ein fränkischer Fiskalbezirk gewesen sein muss, da Martinskirchen zu dieser Zeit nur in Orten mit Königs- und Reichsgütern anzutreffen waren. Und so wurde rund 600 Jahre nach der Verdrängung des Martinspatroziniums 1973 bewusst die Tradition dieses Patroziniums erneut aufgenommen. Martin von Tours passt zu Remagen und dem Rheinland, da sich rund um seine Verehrung ein reiches Brauchtum entwickelt hat, dass auch heutzutage hochgehalten wird. Mit dem kleinen Jubiläum dankt die Gemeinde den Seelsorgern, die in den vierzig Jahren die gottesdienstliche Gemeinde in allen Lebenssituationen begleitet haben, und allen, die sich um die Kirche und die Gestaltung der Gottesdienste kümmerten. Auch in Zukunft soll St. Martin lebendig bleiben: Ein Ort der Spiritualität, der Musik und des Gebets. Und ein „Symbolraum“, der auffordert, an dem Heiligen Martin Maß zu nehmen, der Vorbild und Führung sein kann.
