Eifelverein Remagen wanderte auf dem Moselsteig
Wanderer auf „schiefer Bahn“
Remagen. Da saß einem österreichischen Künstler wohl ein Schalk im Nacken, als er seinen Beitrag für einen Skulpturenpark in Nittel an der Mosel ausführte: einfach eine riesige Kalksteinplatte aus der nahen Felswand schräg auf eine Kugel gelehnt. Seitdem reizt sie die Wanderer auf dem Moselsteig zwischen Nittel und Konz zum Besteigen. Der Ort ist gut gewählt. Denn von dort reicht der Blick weit nach Süden in das sanft geschwungene Flusstal, nach Norden dagegen auf imponierende Felswände. In diesen schönen, gepflegten Weinbergen herrschte 1964 plötzlich Katastrophenalarm. Durch die Kanalisierung und den Aufstau der Mosel für die Schifffahrt war im Tal der Grundwasserspiegel gestiegen und das hatte einen gefährlichen, ausgedehnten Hangrutsch zur Folge. Bundesstraße und Bahnlinie waren wochenlang unterbrochen. Man befürchtete, ein ganzer Berg könne in die Mosel rutschen und durch Rückstau mehrere Ortschaften im Wasser versinken lassen. Doch der Berg aus Muschelkalk war gnädig und blieb an Ort und Stelle, wie schon seit 240 Millionen Jahren. Damals entstand er als eingetrockneter Rest eines Urmeeres. Der Moselsteig folgt erst unten am Fuß der hoch aufragenden Felswand, um dann nach einem Aufstieg oben entlang der Kante in einen lauschigen Pfad überzugehen, von dem man immer wieder prächtige Ausblicke in das Tal genießen kann. Dann verlässt der Moselsteig in weitem Bogen die Mosel. Saftig grüne Felder, Wiesen und knallgelb blühende Rapsfelder beherrschen das Landschaftsbild, bis der Steig wieder in artenreichen Laubwald eintaucht. Dort zog ein gewaltiger, gut einen Meter hoher, leuchtend gelbroter Baumpilz am Fuß eines abgestorbenen Baumriesen sofort alle Blicke auf sich. Sein waagrechter Teller ist groß wie ein Badetuch. Aber davon hat dieses Exemplar gleich ein volles Dutzend übereinander gestapelt, jede Etage nur durch einen schmalen Spalt von der darüber und der darunter liegenden Etage getrennt. Eifrig bestaunt und fotografiert wurde dieses ungewöhnliche Pilzhochhaus. Aber eine noch größere Sehenswürdigkeit erfreute die Wanderer schon kurz danach. Ein Abstecher in das dortige Orchideenparadies ist äußerst lohnend. 17 Orchideenarten gedeihen dort und gut die Hälfte blüht zurzeit. Keiner der Teilnehmer konnte sich erinnern, je schon derart viele verschiedene Orchideen irgendwo in freier Natur gesehen zu haben - Hummel- und Fliegenragwurz, Bocksriemenzunge, Manns- und Purpurknabenkraut und wie sie alle heißen. Die Lebensbedingungen dort scheinen ideal zu sein für diese so selten gewordenen, streng geschützten Pflanzen. Doch ohne menschliche Hilfestellung geht es nicht. Diese Wiesen müssen alljährlich von drohender Verbuschung freigehalten werden.
Bei der Löschener Kapelle, 200 Meter hoch über dem Tal, kehrt der Steig zur Mosel zurück. Auf steilem Weg geht es von diesem Wallfahrtsort hinunter nach Wasserliesch am Flussufer, kurz vor Konz.
