In der Galerie ModernArt Showroom kürte das Publikum Sharon Cohagan zur besten Slammerin
Wettstreit um Wortkunst
Remagen. Alles war zugelassen beim dritten Remagener Poetry-Slam. Kein Thema beengte die Kandidaten. „Ihr könnt nach Eurer Lust und Laune lesen – ob Kurzgeschichte, Prosa, Lyrik, Krimi, Lustiges, Herbstliches oder Besinnliches“, hatte Gudrun Hillmann, die sich für diese moderne Art des Dichterwettstreits in der Stadt am Rhein stark macht, zur Teilnahme eingeladen. Acht Interessenten melden sich an, um mit ihren Text-Darbietungen gegeneinander anzutreten.
Ungeplant auf den „Tag der Demokratie“ fallend, passte der Poetry Slam trotzdem ins Ereigniskonzept. Denn die besten Texte werden basisdemokratisch durch das Publikum ermittelt, und der Sieger gewinnt in der Galerie ModernArt Showroom (MASH), einer bekannten Redensart zum Trotz, einen Blumentopf.
Wortakrobaten machten die Sache spannend
Gut gefüllt zeigte sich der Ausstellungsraum, als die Mitbetreiberin der Galerie inmitten ihrer Präsentation „Baumflüstern“ die Wortakrobaten willkommen hieß. Sie traten in der Reihenfolge der Anmeldungen an und machten die Sache spannend mit einem Mix an Temperamenten, Themen und Ausdrucksformen. So lud Helga Rohde romantisch-humoristisch Herkules und Loreley zum „Dinner for Two“. Dabei gelobt die Nixe, Herkules während der gefürchteten Zahnbehandlung mit Gesang zu betäuben. Elisabeth Schlief, ebenfalls aus Bonn, stellte mit „Ein bisschen vom Glück“ thematisch dicht und stilistisch gehoben womöglich zu hohe Ansprüche an die durch schnelle Wechsel ohnehin reichlich geforderten Zuhörer.
Leicht ins Ohr ging dagegen „Des Dichters Wunsch“, dem Jürgen Laue (Bad Godesberg) nachspürte. Was treibt den Verseschmieder um? „Es ist“, so Laue, neben Schaffensdrang, „des Dichters Eitelkeit und Gier“ nach Anerkennung. Blumig tauchte Karl-Peter Gerigk (Königsfeld) „An einem starken Stamme“ in Wachstumskräfte ein und kredenzte „An Bacchus Tische“ die pfälzische Spezialität Saumagen. Daraufhin skizzierte Rosel Lieverscheidt (Bad Neuenahr) in kernigen Reimen einen ganzen Lebenslauf.
Drei Kandidaten überzeugten
Doch am meisten überzeugten im ersten Durchgang drei andere Kandidaten das Publikum und gelangten so als Finalisten in die Endrunde. Brigitte Lewalter (Bad Godesberg) brachte Rose Gordon, eine schicksalsgeschlagene alte Dame, ins Rennen, die nach einem friedlich-heiteren Nachmittag mit Freundinnen an der Ampel überfallen wird. „Leg mich einfach um“, schlägt Rose dem Räuber vor. Doch der springt davon, sobald er von all ihrem Unglück erfährt. In Mundart parlierend schilderte Monika J. Mannel (Bad Godesberg) lebendig eine deftige Fopperei im Fisch- und Gemüseladen. Tiefer schürfte die Bonnerin Sharon Cohagan. Ihre Geschichte „Durch die Blume reden“ kratzt am Drama ehelicher Fehlkommunikation: Gregor findet eine Rose, will sie „einfach so“ seiner Frau verehren. Unfähig sich spontan zu freuen, forscht Hilde nach Gründen und Herkunft. Letztere will Gregor nicht preisgeben, sodass Hilde zuletzt schlechtes Gewissen und Verrat wittert.
Sharon Cohagan ist die Siegerin
Cohagan entschied auch das Dreierduell für sich. Ein kurzes, wohl akzentuiertes Kreiseln um die Frage „Wo ist das Wort?“ und die gebürtige Amerikanerin ging als Siegerin der literarischen Fehde hervor. Vermutlich sorgte auch das Thema für Sympathiepunkte. Ihr verschwundenes Muttersprachenwort, „eben war es fast auf der Zunge“, nahmen die Anwesenden wohl als Symbol für das auch ihnen nur allzu vertraute Ringen um die beste Formulierung. Zwar kommt es derart zu einer Bedeutungsverschiebung der Aussage auf eine allgemeine Ebene, aber gerade die Möglichkeit eines solchen Transfers ist ja ein Qualitätsmerkmal.
Gudrun Hillmann überreichte Sharon Cohagan als frisch gekürter bester Slammerin des Wortwettstreits eine Orchidee und gratulierte zur Auszeichnung. Die so Geehrte aber freute sich nicht allein über den Blumentopf-Preis im MASH, sondern auch über den verdienten kräftigen Applaus.
