Kunst und Werke von seinen Wegen nach Santiago de Compostela im Artspace K2
Wolfgang Kutzner: „Der Langsame sieht mehr“
Remagen. Wer erinnert sich nicht an die magischen Kindheitsmomente, wenn sich, klack-klack, die Glasstücke im Kaleidoskop zu immer neuen erstaunlichen Ordnungen fügten. So hat auch der Maler Wolfgang Kutzner mit der Vielfalt der Eindrücke jongliert, die er entlang des Pilgerpfades nach Santiago de Compostela sammelte. „Mit Fragmenten aus Farbe und Form vermittelt er in meist abstrakter Ausdrucksweise den Reiz der unzähligen visuellen Impressionen, die auf den Wegen durch Spanien zu erleben sind“, kommentiert Galerist Christoph Noebel die Arbeiten des Staffeler Künstlers. Unter dem Titel „Der Langsame sieht mehr“ sind nach Skizzen und Fotos entstandene Zeichnungen, Malerei und Collagen in die Galerie Artspace K2 eingezogen, die sämtlich auf jene Orte und Gegenden verweisen, die Kutzner während der wochenlangen Fußmärsche in den Jahren 2007, 2009, 2010 und 2012 begegneten. „Es sind Bilder, die bald in tastenden Linien sich realen Eindrücken nähern, bald in strengeren Collageteilen die Oberfläche zu versiegeln scheinen, die jedes Mal also das Gleiche in einem neuen Licht erscheinen lassen“, wie Kunsthistorikerin Heidrun Wirth anlässlich der Vernissage erklärte. Eindrücke einer alten, durch das christliche Abendland geprägten Kulturlandschaft scheinen auf. Dörfer, Burgen und Kirchen, sparsam getuscht, wirken ernst, beinahe unnahbar. Vielleicht, weil der Pilger sie aus der Ferne auftauchen und entschwinden sah? In nuancierter Malerei zwischen vergehend und sich auflösend erfasst er den Steinfußboden in Bourgos: „Wir bekommen ein Gefühl für die Zeiten, die darüber hinweggegangen sind. Wir sehen Schichten und Spuren, die aber nichts vom Verfall an sich haben, sondern eher etwas Warmes Versöhnliches“, sagte Wirth. Die Werke tragen unverkennbar Kutzners Handschrift: seinen behutsam-konzentrierten Strich und Motivfenster in den Zeichnungen, das sensibel abgestimmte Kolorit, farbige Flächengliederung in der Malerei und die Einbeziehung der Collage. Aber „die Entschleunigung der Wahrnehmung“ scheinen den Mann achtsamer haben beobachten lassen. Stete Bewegung überwand nicht nur Kilometer, sie löste auch etwas in seinen Inneren, mobilisierte die Kreativkräfte. Jedenfalls kommen die Werke wunderbar belebt auf den Betrachter zu. Nachdem der Maler Galizien „so grün wie Irland“ empfand, leuchtet nicht nur sein Bild „Galicia“ in lauter Grünschattierungen. Die Farbe tönt ebenso in den Vier-Felder-Bildern des Dörfchens Calzadilla de la Cueza, des Städtchens Sarria und der gotischen Kathedrale von Leon. Sie bricht neben Orange und Rot auch durch die beige-braune Flecken-Landschaft von „Camino Francés“. Das mutmaßlich Bekannte birgt allenthalben Überraschungen. So abstrahiert das große Format „Pamplona“ die Bebauung der Stadt. Aber mitten in den geometrisch geprägten Bildraum fließen unverschlüsselte Beobachtungen aus der realen Welt: ein Stier, an Stierlauf und Stierkampf erinnernd und, gleichsam zur Milderung des Martialischen, ein Rankendekor. „Der Langsame sieht mehr“, zu dieser Einsicht gelangte Wolfgang Kutzner auf seinen Wegen durch Spanien. Dass er dabei das Staunen gelernt hat, ist nachvollziehbar. „Ich kann mir schon vorstellen, dass der Mensch hier – körperlich bis an die Grenzen gefordert - nicht nur die wunderbare Welt um ihn herum, sondern zugleich auch das eigene Innere entdeckt“, sagte Rednerin Heidrun Wirth. Sie betonte: „Der Weg zum Bild ist wie der Pilgerweg zu Fuß ein langer“. Denn auch die malerische Umsetzung gestaltet sich für den Künstler beschwerlich. Größter Kritiker seines Tuns akzeptiert er nur zwei von 20 angefertigten Arbeiten. Denen aber merkt nur ein kundiges Auge sein Ringen um die Form an. Unbelastet von Kutzners Mühe bleibt daher dem Betrachter nur eines: zu staunen. Die Ausstellung ist bis 28. August mittwochs bis samstags, 15 bis 18.30 Uhr geöffnet. Am Freitag, 26. Juli, liest um 19 Uhr Arno Ockenfels in der Galerie aus seinem Pilgertagebuch über 95 Etappen von Remagen nach Santiago de Compostela. Verbindliche Anmeldung per E-Mail unter atelier-kutzner@gmx.de oder unter Tel. (0 26 47) 32 84.
