Lokalsport | 03.10.2013

„Trial der Nationen“ im französischen La Charte

Deutsche Mannschaft schafft den Sprung auf‘s Treppchen

Jessica Wulf, Ina Wild und Theresa Bäuml freuten sich über ihren 3. Platz. privat

La Charte/Winningen. Mitte September stand wieder einmal ein Highlight für Theresa Bäuml aus Winningen auf dem Programm. Eine Veranstaltung, auf die man das ganze Jahr schon hingearbeitet hatte: Das „Trial der Nationen“ in Frankreich. Hier findet das Aufeinandertreffen der weltweit besten Trial-Damen statt. Alle Nationen benennen ihre besten Damen in die Nationalmannschaften. Theresa Bäuml hat es auch 2013 wieder geschafft, zum zweiten Mal in Folge in die Nationalmannschaft berufen zu werden.

Nun stellte sich die Frage, was in diesem Jahr möglich sein könnte. Trat man doch gegen schier übermächtige Gegner an: Spanien, Großbritannien und Frankreich, Länder, in denen Trialsport fast denselben Stellwert hat wie in Deutschland Fußball. Dort werden die Sportlerinnen ähnlich gefördert wie in Deutschland im Fußball oder Biathlon. Für Deutschland starteten Jessica Wulf, Ina Wild und Theresa Bäuml. Alle reisten frühzeitig an, da es galt, sich beim Saisonhighlight auch für die eigenen Sponsoren zu präsentieren. Unzählige Sponsorenmeetings und Pressetermine nahm man gerne wahr. Autogrammstunden galt es zu absolvieren, und bevor es losging, war man präsent bei einer gigantischen Fahrervorstellung vor zehntausenden von Zuschauern. La Chatre hat selbst nur circa 4.500 Einwohner, aber an diesem Wochenende platzte der Ort fast auseinander. Da man sich auf einer Höhe von nur 263 Metern befand, gab es auch keine Probleme mit der Abstimmung des Vergasers oder der Einspritzanlage. Frühmorgens ging es dann endlich los. Herrliche Natursektionen, steile Wald- und Wiesenhänge und in die Natur eingebettete Steinfelder galt es in den folgenden Stunden zu bezwingen. Die Sektionen erwiesen sich schwieriger als zunächst angenommen. In den 30 Sektionen wurden immer nur die zwei besten Ergebnisse einer Nation gewertet. Die Deutschen waren von Beginn an stark unterwegs. Gegenseitig feuerte man sich an und dank der Hilfe der Wasserträger (so werden Helfer im Trialsport genannt), biss man sich auch sofort an den Französinnen fest. Diese hatten Heimspiel und wurden überall frenetisch angefeuert.

Spannendes Duell zwischen Deutschland und Frankreich

Als man merkte, dass die Deutschen die Fahrerinnen aus dem Land des Käses und der Baguette schlagen könnten, kam Neid auf und fortan waren die Zuschauer den Deutschen etwas distanzierter gegenüber. In der Spitze gab es das erwartete Duell zwischen Spanien und Großbritannien, welches die Briten letztendlich für sich entschieden. Spannender ging es zwischen Frankreich und Deutschland zu. Der dritte Platz wechselte nach fast jeder gefahrenen Sektion hin und her. Nach der ersten Runde hatten die Französinnen die Nase vorne. Ein psychologischer Vorteil, welchen man nicht außer Acht lassen durfte. Es folgte Runde zwei mit nochmals 15 Sektionen. Die deutschen Ladies kämpften sich wieder heran und nach Sektion zehn wurde eine Prognose erstellt, welche lautete: Fünf fehlerfreie Sektionen und man könnte auf den 3. Platz kommen. Dies ist gleichzusetzen mit einem Elfmeterschießen bei der Fußball WM. Das Trio war gut motiviert und selbstbewusst unterwegs, die Ladies fuhren alles fehlerfrei.

Nun begann erst das große Zittern. Als man durch die letzte Sektion durch war, musste man erst noch ins Ziel fahren. Dort wurden alle Punktekarten eingesammelt und es begann ein spannendes Warten auf die Endergebnisse. Bei den Französinnen brannte Jubel auf, als man 40 Fehler zu lesen bekam. Alle dachten, der 3. Platz sei in trockenen Tüchern. Dann schrieb man die Zahl 30 auf das Leaderbord und die Mädchen aus Deutschland konnten ihr Glück kaum fassen, hatte man sich doch mit einer grandiosen Schlussrunde an den Lokalmatadorinnen vorbeigeschoben und mit dieser jungen Mannschaft den 3. Platz bei der Mannschaftsweltmeisterschaft belegt.

Feststellen durfte man auch, dass diese junge Mannschaft großes Potenzial besitzt, denn nur sieben Punkte besser waren die Vize-Weltmeisterinnen aus Spanien. Für Theresa Bäuml, mit 16 Jahren die Jüngste im Team, geht es im Oktober bei vier Veranstaltungstagen noch um die Deutsche Jugend-Trialmeisterschaft. Dort wird allerdings nicht nach Geschlechtern getrennt. Dann muss sie sich auch gegen die Jungen beweisen.

Jessica Wulf, Ina Wild und Theresa Bäuml freuten sich über ihren 3. Platz. Foto: privat

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