Österliches Vergnügen in Winningen
Eierwein und „Eierkibben“
Uraltes Brauchtum rund um den Weinhexbrunnen lockte zahlreiche Besucher an
Winningen. „Ber hät en Schbetz?“ und „Ber hät en Oarsch?“ war Ostersonntag immer wieder am Weinhexbrunnen zu hören. 6000 bunt gefärbte Eier warteten darauf, aufeinandergeschlagen zu werden. Beim traditionellen Ostermarkt in Winningen lag auch in diesem Jahr wieder die hauptsächliche Aktivität beim „Eierkibben“. „Schbetz“ (Spitze) und „Oarsch“ (stumpfe Seite = umgangssprachlich der „Arsch“) wurden aufeinandergeschlagen. Dessen Ei ganz blieb, ging als Sieger hervor und erhielt das Ei des Gegners. Auch wenn man heute nicht mehr ganz genau feststellen kann, wie dieser Brauch entstand, so ist doch sicher, dass sich das Eierkibben vor 170 Jahren in Winningen etabliert hat. Ort des Geschehens, wie könnte es anders sein, war die Osterstraße, wo sich die Bevölkerung nach dem Gottesdienst traf. Später „kibbte“ man in der Fährstraße. Dort spielte es sich vor dem Haus des Eierhändlers „Eier-Fritz“ ab. Nach den Kriegen war erst mal Schluss mit diesem Brauch. Er wurde dann aber wieder im kleineren Kreis zurück ins Leben gerufen. Seit 1970 hat diese Tradition wieder einen öffentlichen Rahmen und wird in jedem Jahr von einem anderen Ortsverein ausgerichtet. In diesem Jahr war dies die Winninger Winzer- und Trachtentanzgruppe. Es war ein buntes Programm für die ganze Familie, das bei strahlendem Sonnenschein Jung und Alt nach Winningen lockte. Weithin sichtbar zeigte das vier Meter große Osterei, als größtes an der Untermosel, den Weg zum sonntäglichen Vergnügen. Während die Eltern sich bei Eiberkibben und Eierwein amüsierten, waren die Kinder im Osterhasen-Kindergarten gut aufgehoben.
Dort fühlte sich der Winninger Turnverein für die Kleinen verantwortlich und beaufsichtigte und beschäftigte sie. Die Gastronomie rund um den Weinhexbrunnen lud zum Verweilen und Genießen ein. Und der Musikverein Löf sorgte für die musikalische Unterhaltung. Etwas Besonderes war der Eierwein: ein Winninger Ur-Getränk. Bisher hielt sich sein Bekanntheitsgrad noch in Grenzen, doch die Zahl der Anhänger steigt von Jahr zu Jahr. Es ist ein Gemisch aus Moselriesling, rohen Eiern und Zucker, wer es mag: zum Wohl. Romantik, Vergnügen und altes Brauchtum lockten am Ostersonntag viele Besucherinnen und Besucher in den schönen Ort an der Mosel. Die mit Menschen gefüllten Gassen verdeutlichten ihre Lust auf ein besonderes Erlebnis, bereitet von der Touristik Winningen e. V., die zu diesem österlichen Vergnügen eingeladen hatte.
„Schbetz“ oder „Oarsch“, das war die Frage beim Eierkibben.
