Winninger Kunsttage zum vierten Mal in der Moselgemeinde
„Lotterweiber“, Nebel und vieles mehr
Winningen. „Wie eine Kunstmeile wird sich der Weg von Osten nach Westen durch das Unterdorf ziehen und Ihnen die Suche nach den einzelnen Orten leicht machen“, so informierte Birgitt Schaaf im Vorfeld die Besucher der Winninger Kunsttage. Sie ist der „Motor“ und die Ideengeberin dieser Aktion. An drei aufeinanderfolgenden Tagen präsentierte der Ort „Kunst in heiterer Atmosphäre“, installiert von zehn Künstlern. Es begann mit der Eröffnung in der evangelischen Kirche, an der auch zur Freude der Organisatoren die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer gekommen war. „Die vierten Kunsttage Winningen passen hervorragend zum diesjährigen Motto des Kultursommers „Mit allen Sinnen“. Es regt an, darüber nach zu denken, dass wir Menschen zu allererst Sinneswesen sind und dass es in erster Linie die Sinne sind, mit denen wir uns die Welt erschließen,“ sagte Malu Dreyer in ihrer Eröffnungsrede. Sie dankte allen, die zum Gelingen der Kunsttage beigetragen haben, insbesondere Frank Hoffbauer und Birgitt Schaaf. Als Anerkennung für das große bürgerschaftliche Engagement und die hohe künstlerische Qualität, erhielten die Kunsttage eine Förderung in Höhe von 7000 Euro.
Detailliert und mit großer fachlicher Kompetenz ging Prof. Dr. Beate Reifenscheid vom Ludwig Museum Koblenz in ihrer Rede auf jedes einzelne künstlerische Projekt ein. Zum Abschluss erklärte Birgitt Schaaf die Kunsttage für eröffnet. Schon während der Eröffnungsveranstaltung hatten die Gäste die Gelegenheit, eines der Werke zu erleben.
Die „Lotterweiber“ von Dorothee Rothbrust, aus Holz gemacht und mitten in der Kirche installiert, animierten zu Diskussionen. Denn unter „lotter“ versteht man zunächst lässig und leichtfertig. Und das in der Kirche? Aber für die in der Eifel geborene Künstlerin steht „lotter“ für stark, so wie in ihrer Mayener Heimat eigenständige Frauen beschrieben werden. Gleich nebenan im evangelischen Gemeindezentrum stellte Heidi Gerullis ihre metallenen Kunstwerke aus. In der Nähe, nämlich in der Kirchstraße bei Hannappel, gestaltete die aus Hannover stammende Künstlerin Anne Nissen drei Kellerräume mit einer Videoinstallation. Dabei wurde über Spiegel auf Gazebahnen, auf die Kellerwand selbst und in Nebel, der in einem durchgeschnittenen Weinfass waberte, projiziert. Für die einwandfreie Technik brachte Anne Nissen ihren eigenen Nebeltechniker mit: Jörg Pöhler. Das Besondere: Jörg Pöhler ist Oscar-Preisträger und erhielt 2009 den Technik Oscar der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Weitere Ausstellungsorte waren das Museum Winningen mit Werken von Llaura Sünner, in der Gutsschänke Schaaf stellte Margarete Hesse ihre Kunst vor, Massimo Danielis in der Vinothek im Winninger Spital, Sonja Edle von Hoessle im Rathaus und Herbert Mehler am Rathaus. Beim Weingut Heymann-Löwenstein stellten sich gleich zwei Künstler vor: Antonio Marra und Thomas Röthel. Die geführten Rundgänge wurden von den Musikern der Gruppe „Pentaphonic Brass“ begleitet.
Bei der Kunsttage-Party im Weingut Fries sorgte das „Jazz Point Trio“ und Carolin Hild (Saxophon) für Stimmung. Es fiel leicht, an allen Tagen die Sinne mit Kunst zu verwöhnen. Mit ihrem Projekt, Kunst im öffentlichen Raum, haben die Organisatoren schon zum vierten Mal Erfolg gehabt. Das lässt darauf schließen, dass dies auch in der Zukunft gelingen wird.
Birgitt Schaaf freute sich über den besonderen Gast: Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
