Museum Winningen öffnet seine Pforten
Winterschlaf ist vorbei
Winningen. In einem der schönsten Gebäude des Ortes, in der 1833 nach Plänen des preußischen Baumeister Claudius von Lassaulx errichteten alten Schule, befindet sich das Museum Winningen. Besucher gelangen zunächst in den Kassenraum, wo Eintrittskarten und Publikationen zur Ortsgeschichte erworben werden können. Hier werden auch kleine Sonderausstellung präsentiert: Derzeit zeigt das Museum das Herbarium Schlickum, die umfangreiche Kollektion getrockneter Pflanzen, mit der die bekannte Apothekerfamilie Winningen vor 150 Jahren zu einem Zentrum der botanischen Forschung gemacht hat. Der Rundgang führt an Bodenfunden aus der Vorzeit und der Römerzeit sowie an einigen Modellen vorbei in einen Ausstellungsraum, der dem einstmals hochbedeutenden Winninger Weinhandel und den Weinfesten gewidmet ist. Der folgende Raum verdeutlicht, dass in der Weinbaugemeinde auch eine Reihe von Handwerksbetrieben ihren Sitz hatte. Man konnte es dabei durchaus auch zu Wohlstand bringen, wie die umfangreiche Präsentation zum Thema Wohn- und Esskultur des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck bringt. Auch das für die Gemeinde immer noch wichtige Thema des Vereinswesens wird hier thematisiert. Die Winninger Pfarrer und Lehrer bezogen einen erheblichen Teil ihres Gehalts aus Weinbergen, weshalb unter den Lehrerwohnungen der alten Schule zwei gewölbte Keller angelegt wurden. Sie liefern einen stimmungsvollen Rahmen für eine Ausstellung von Fässern verschiedener Größen und Formen. Im rechten Keller erfolgt eine Einführung in die Kunst der Küfer- und Kellermeister. Eine Vielzahl von Gerätschaften wurde im Weinbau, bei der Ernte, im Keller und beim Etikettieren der Flaschen verwendet. Über den Museumshof gelangt man in die imposante Kelterhalle. Hier veranschaulicht eine imposante Sammlung von Geräten die Entwicklung der Keltertechnik von den Baumkeltern der Spätantike bis in die Nachkriegszeit veranschaulicht. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den hydraulischen Spindelkeltern des Winningers Louis Saas. Der Nebenraum zeigt das Inventar einer Winninger Schnapsbrennerei, ehemals auch ein bedeutender Wirtschaftszweig.
Anschließend geht de Rundgang in die beiden hohen Schulsäle im Obergeschoss. Der linke ist dem berühmtesten Absolventen der Schule, dem Automobilpionier August Horch gewidmet. Neben dem bewegten Lebenslauf des Erfinders und Gründers der Firma Audi erfährt man viel über die Technik des Automobilbaus. Im rechten Schulsaal entsteht derzeit eine Ausstellung zur Ortsgeschichte. Hier spielen Kirche und Schule der ev. Mustergemeinde eine große Rolle, aber auch Patriotismus und Erfindergeist im Kaiserreich, und nicht zuletzt soll auch die inzwischen 68 Jahre umfassende Nachkriegsgeschichte dargestellt werden. Hierfür werden noch Exponate gesucht.
Das Museum Winningen ist vom 1. Mai bis zum 31. Oktober Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Gerne werden Führungen angeboten. Das Museum wird von einem Museumsverein betrieben, der zudem Studienfahrten und Vorträge organisiert. Am letzten Mittwoch im Monat treffen sich die Mitglieder zum Stammtisch in der „Hoffnung“. Gäste, Interessenten, aber auch neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Weitere Informationen unter Tel. (0 26 06) 21 26 oder im Internet unter www.museum-winningen.de.
