Weinfreunde „Königinnenwingert“ Oberfell e .V.
Winzer und ihre Heiligen
Weinprobe mit Theologe Kalle Grundmann & zahlreichen Teilnehmern in Oberfell
Oberfell.Zur Freude der Weinfreunde hatte sich der bekannte Koblenzer Theologe Kalle Grundmann nach der erfolgreichen biblischen Weinprobe 2010 (Weinscheune Birnbach) erneut bereit erklärt, nach Oberfell zu kommen. Das neue Thema „Winzer und ihre Heiligen“ stieß auf großes Interesse, Christ´s Weinhäusje war voll ausgebucht. Kurzweilig und humorvoll verknüpfte Kalle Grundmann Winzerregeln, Wettersprüche und Rebenpatronate mit der Präsentation anspruchsvoller Mosel-Weine.
Zur Probe kamen acht ausgesuchte Weine von Winzern aus Güls, Trier, Alken und Oberfell, darunter auch der Jungfernwein aus dem Königinnenwingert im Oberfeller Rosenberg. Kalle Grundmann spazierte mit den Weinheiligen und den Weinfreunden durchs Winzerjahr, ehrte zu jeder Jahreszeit klug gewählte Weinheilige mit einem passenden Wein und wusste zu jedem Heiligen Interessantes zu erzählen. Zuvor hatte er erläutert, dass es circa 70 Weinheilige gibt, manche allerdings nur mit lokaler Bedeutung. „Wie aber wird man Weinheiliger?“: Vielmals wurden Märtyrer zu Weinheiligen, denn sie gaben ihr „Blut“ für den Glauben, wie die Traube ihr „Blut“ gibt für den Wein. Aber auch die besondere Lage des Gedenktages im Winzerjahr (Wettersprüche) oder die Vita des Heiligen (zum Beispiel der heilige Urban, der sich vor seinen Verfolgern hinter einer Weinrebe versteckte) oder schlicht der Name des Heiligen (zum Beispiel „St. Vit - Veit - wegen vitis, die Rebe“) haben eine Rolle gespielt.
„Das Wetter, das St. Urban hat (25. Mai ), auch in der Lese findet statt.“ Mit diesem Frühjahrs-Wetterspruch kredenzte Kalle Grundmann zum Beispiel den Jungfernwein aus dem Königinnenwingert.
Er wusste auch zu erzählen, dass zwischen dem heiligen Urban, Bischof von Langres und dem Königinnenwingert eine besondere Beziehung besteht.
So hat Pfarrer Peter Vogt erst kürzlich beim Wingertsfest (28. April) einen von den Weinfreunden gemauerten Bildstock mit dem Weinheiligen St. Urban feierlich eingesegnet. Der Wingert ist den Oberfeller Weinmajestäten gewidmet, soll aber auch die Verbundenheit mit der christlichen Kultur aufzeigen. Daher hatten sich die Weinfreunde schon früh vorgenommen, im Wingert ein Heiligenhäuschen als dauerhaftes christliches Symbol zu errichten.
Im Herbst darf, als weiteres Beispiel, ab dem Michaelistag (29. September) bei der Heimarbeit erstmals wieder die Kerzen anmacht werden. „Es holt herbei St. Michael die Lampe wieder und das Öl“. Oder es wird gesagt: „Donnert der Michel, hat viel Arbeit die Sichel.“ Als Wetter- und Lostag war der Michaelistag vielerorts Anlass für Märkte und Feste (Ende des Vierteljahres). Am Martinstag (11. November, Martin von Tours) wurde erstmals der „diesjährige“ Wein ausgeschenkt; Eine Zeit also, in der gefeiert wurde. Es war der Tag, an dem das neue Wirtschaftsjahr begann und Löhne und Pacht gezahlt wurden. Folglich, es gab ja noch kein Lastschriftverfahren, auch ein Tag der „Begegnung“ in den Gasthäusern und Zehnthöfen. Oft wurde dem Grundherrn als Zinsbeigabe eine Gans gegeben; die Helfer bei der Weinlese erhielten eine „Lesgans“. Um den Martinstag herum wurde auch das feiste (fette) Vieh geschlachtet, welches nicht über den Winter gefüttert werden konnte, auch Gänse. Aus alledem entstammt der bis heute volkstümliche Brauch der Martinsgans. „Auf Martini schlacht man feiste Schwein und wird der Most zu Wein.“
Nach dem sehr gelungenen, fesselnden und zugleich lehrreichen Vortrag erhielt Kalle Grundmann viel Applaus. Natürlich hatte sich Herr Grundmann auch nach „seinem“ Weinstock im Königinnenwingert erkundigt, der, geschmückt mit seinem Namenstäfelchen, wie alle anderen Reben prächtig wächst und gedeiht.
Friedel Christ nutzte die Gelegenheit, für die Anliegen und Ziele der Weinfreunde zu werben und die nächsten Projekte zu beschreiben. Natürlich würde sich der Verein „Königinnenwingert“ über weitere Unterstützung sehr freuen. Interessenten an einer aktiven oder passiven Mitgliedschaft oder an einer Patenschaft können sich bei Friedel Christ, Tel. (0 26 05) 83 11, Gaby Christ, Tel. (0 26 05) 8 45 03 und bei der Gemeinde Oberfell, Tel. (0 26 05) 44 84 informieren.
