Eine Genossenschaft für Swisttaler Windkraft
Bürger sollen Windkraftanlage errichten und betreiben
Swisttal-Heimerzheim. Die Beteiligung an dem ersten Informationsabend im Hotel Weidenbrück der Interessengemeinschaft „Bürgerwind Swisttal“ (BWS) war überschaubar. Rd. 35 Interessierte waren gekommen, die Professor Hermann Schlagheck und Thomas Klodt begrüßen konnten. Aber vielleicht waren es ja die entscheidenden Personen, denn darunter waren einige Grundstückseigentümer sowie Vertreter der Kommunalpolitik sowie mögliche Kapitalgeber. Die Ansprache von Schlagheck richtete sich aber an alle Swisttaler Einwohner. „Wir wollen die Energieversorgung in unsere Region bringen, und dies auf der Basis einer reinen Genossenschaft, die den Bürgern gehört, nicht irgendeinem großen Investor. Jeder soll in der Genossenschaft eine Stimme haben, egal wie viel jeder als Einlage einbringt.“
Drei Vorrangzonen entlang der A 61
In der Gemeinde Swisttal sind drei Vorrangzonen für die Aufstellung von Windkrafträdern vorgesehen. Sie liegen alle drei dicht beieinander entlang der A 61 in der Schnittstelle zwischen den Ortsteilen Heimerzheim, Dünstekoven, Ollheim und Straßfeld. Die BWS will ihre Planungen auf die Zone 1 westlich der A 61 konzentrieren. Die Realisierungsmöglichkeiten hängen insbesondere auch von den Entscheidungen der zuständigen Genehmigungs- und Planungsbehörden ab. Die Bezirksregierung Köln muss letztlich dem Teil-Flächennutzungsplan Wind zustimmen, den der Swisttaler Gemeinderat am 16. Dezember 2014 bereits genehmigt hat. Die Unterlagen sollen jetzt der Bezirksregierung vorgelegt werden. Nach einer erfolgten Genehmigung werden mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes die konkreten Flächen festgelegt, auf denen Windkrafträder errichtet werden können. Aber es gibt auch noch einige andere Hürden zu überwinden. Neben den übergeordneten energiewirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten gibt es lokale Kriterien, die bei der Ausweisung von Flächen zu berücksichtigen sind, etwa die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, die Entfernung zu den Wohngebieten, die Schallemission der Rotoren, der Schattenwurf und insbesondere muss ein Naturschutzgutachten erstellt werden. Dies kann aber nur jeweils im Frühjahr in der Hauptvegetationszeit gemacht werden. Da könnte die Zeit für dieses Jahr schon wieder knapp werden, denn die Bezirksregierung hat drei Monate Zeit zu prüfen, ob sie den Swisttaler Plänen zustimmt.
Windrad mit 150 Metern Höhe für drei Millionen Euro
Die Kosten beziffern die beiden Initiatoren auf drei Millionen Euro für ein Windrad. Experten fordern eine Höhe von rd. 200 Metern, die BWS spricht sich aber für eine Höhe von 150 Metern aus. „Bei dieser Höhe ist eine Leistung von 2,5 MW zu erwarten, die Investition läge bei drei Millionen Euro. Jeder Meter darunter wäre aber eine Verringerung der Effizienz der Anlage“, so Schlagheck. 2,4 Millionen Euro müssten als Fremdkapital aufgenommen werden, 600.000 Euro soll als Eigenkapital der sich beteiligenden Investoren aufgebracht werden. Die Minimumsumme soll bei 1.000 Euro pro Genossenschaftsanteil liegen. Bei einer durchschnittlichen Beteiligungssumme von 3.000 Euro müssten sich 200 Investoren beteiligen. Ein Zuhörer fragte nach der möglichen Rendite einer Beteiligung. „Dies könne so genau niemand vorhersagen“, so Schlagheck, „da müssen wir ehrlich sein. Die Erfahrungen liegen so zwischen drei und sieben Prozent, aber auf jeden Fall höher als derzeit auf einem Sparbuch.“
Ein energetisch unabhängiges Swisttal
Als Organe einer Genossenschaft sollen Vorstand, Genossenschaftsversammlung und Aufsichtsrat gebildet werden. Mit der Einbindung der Fotovoltaiktechnik könnten die Regionen dann Schritt für Schritt zu einer regionalen Stromförderung kommen, die zu einer größtmöglichen Unabhängigkeit von den großen überregionalen Anbietern führen kann. Schlagheck: „Wir möchten Sie mit in die Zukunft nehmen. Wer keine Atomkraftwerke möchte, muss mit unternehmerischen Tätigkeiten in die erneuerbaren Energien investieren.“
Die Informationsveranstaltungen sollen je nach Stand der Entwicklungen fortgesetzt werden.
Windräder - sie sollen bald Strom für Swisttal liefern.
Thomas Klodt und Prof. Hermann Schlagheck begrüßen die Teilnehmer des Info-Abends. Fotos: -Weigert-
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