Wanderausstellung des Hilfswerkes Renovabis in St. Sebastianus
„25 Jahre - 25 Köpfe“ - der Wende ein Gesicht geben
Der Fall des Eisernen Vorhangs - noch bis 6. Juli
Bad Bodendorf. Die neue Wanderausstellung "25 Jahre - 25 Köpfe" des Hilfswerks Renovabis macht bis zum 6. Juli Station in der Pfarrkirche St. Sebastianus in Bad Bodendorf. Die Ausstellung thematisiert anhand von Portraits und persönlichen Zeugnissen den Fall des Eisernen Vorhangs vor 25 Jahren. Mit einem Gottesdienst mit Pfarrer Achim Thieser und dem Arbeitskreis Kroatienhilfe „Gospa Mira“ der Pfarrei St. Peter Sinzig wurde die Ausstellung am 25. Juni eröffnet. Für die 45-jährige Angela Mosneag bedeutete die Wende vor allem: „Atmen können!“. Die große schöne Frau mit dem stolzen Blick ist als lebensgroße Figur aus Pappe ein Teil der Ausstellung, einer der 25 „Köpfe“. Per Knopfdruck erzählt eine Stimme aus dem Leben der Lehrerin aus Rumänien, die vor dem Fall des Eisernen Vorhangs in einem kleinen abgelegenen Bergdorf in den Karpaten Grundschüler unterrichtete. Die kommunistische Propaganda, erzählt sie, sei beklemmend gewesen, der Diktator Ceausescu überall präsent - in den Schulbüchern, an den Wänden, in den Lobliedern der Dichter. Auf ihren Reisen nach der Wende habe sie gefühlt, wie sie das Gedankengefängnis langsam verlassen konnte. Die 25-jährige Ausstellungsbesucherin Anna Klein war von der Idee der teilweise lebensgroßen Figuren begeistert: „Ich finde, wenn man der "Person" so gegenüber steht, dann macht das etwas mit dem Betrachter. Dass ich die Geschichten sowohl nachlesen als auch nachhören kann, macht das Ganze lebendiger.“ Genau das sei auch ein Ziel der Ausstellung, erläuterte Ludwig Kuhn, der Beauftrage für Renovabis im Bistum Trier, bei der Eröffnung. Die 25 Portraits von Männern und Frauen aus Ost- und Mitteleuropa sollten die Menschen anregen, über ihre eigenen Erinnerungen nachzudenken - etwa an den Mauerfall in Berlin. Sie lenke den Blick aber auch auf das, was in 25 Jahren in Europa bis heute passiert sei. „Wer hätte sich damals vorstellen können, dass wir im Mai 2014 gemeinsam ein Europäisches Parlament wählen oder dass im gleichen Jahr im Zusammenhang mit der Ukraine wieder vom Kalten Krieg gesprochen wird?“ Das Leitwort der diesjährigen Pfingstaktion von Renovabis laute passend "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern" und deute auf die Herausforderungen hin, die es in Europa heute gebe.
Ein Beispiel für die Solidarität, die nach der politischen Wende auch an vielen Orten entstand, sei die Kroatienhilfe Sinzig, sagte Pfarrer Thieser im Gottesdienst. Es gehe beim Teilen nicht nur um ein Geben und Nehmen, sondern um ein Gewinnen auf beiden Seiten. Seit 25 Jahren engagierten sich Männer und Frauen mit Transporten, Aktionen und Unterstützung vor Ort für Menschen in Kroatien und darüber hinaus. Walfried Degen von der Kroatienhilfe unterstrich, dass aus der Hilfe eine feste Freundschaft geworden sei und es auch in Zukunft gelte, Projekte anzustoßen. Besonders begrüßte er zwei Ehrengäste aus Kroatien: den Generalkonsul Zvonko PLécas und den Bürgermeister von Ernestinovo, Matthias Greif. Beide dankten der Kroatienhilfe und Plécas betonte, dass Hilfsprojekte wie dieses eine große Rolle für die demokratische Entwicklung seines Landes gespielt hätten. Plécas und Greif wünschten der Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher.
Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Kirche von 9 bis 17 Uhr zu sehen. Informationen gibt es im Internet unter: www.renovabis.de. Weitere Informationen zur Kroatienhilfe gibt es bei Walfried Degen, Tel. (0 26 42) 4 38 11.
