Allgemeine Berichte | 27.10.2014, 15:16 Uhr

Jusseps-Jonge sind 714 Jahre alt

„Das Salz in der Heimaterde der Stadt Sinzig“

Bei der Kirmeseröffnung ziehen die Jusseps-Jonge immer noch mit dem Festumzug durch die Straßen.BL
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Sinzig. Bei der Brauchtumspflege sind sie nicht nur bei der traditionsreichen Sinziger Kirmes in der 1. Reihe. Die Sankt Josef-Gesellschaft kann ihre Anfänge in ähnliche mittelalterliche Zeit verfolgen wie die Sinziger Kirmes selbst. Immerhin blickt die Sankt-Josef-Gesellschaft, wie sie ja offiziell heißt, auf eine 714-jährige Geschichte zurück. Als „Das Salz der Heimaterde der Stadt Sinzig“ wurden sie im Mai 2000 bei der 700-Jahr-Feier im Helenensaal treffend bezeichnet. Die Jusseps-Jonge sind natürlich weit mehr als ein „normaler“ Verein. Dies hat mit der Historie zu tun. Sinzig wird im Jahr 2017 sein 750-jähriges Bestehen als Stadt feiern. Die Jusseps-Jonge wurden als eine Art kirchliche Schutzorganisation im Zusammenhang mit dem Bau der Stadtmauer im Jahr 1300 gegründet. Und die Sankt-Josef-Gesellschaft hat viele Traditionen aufrechterhalten. Neben der Betreuung der Kirmes wird heute noch der Maibaum gestellt und der Himmel bei der Fronleichnamsprozession getragen.

Einst auch als Jungesellenverein aktiv

In der jüngeren Geschichte gab es Theatertraditionen und auch die Funktion als Junggesellenverein. Der Wonnemonat Mai begann für die Jusseps-Jonge früher mit dem Maibaumaufstellen, das heute mithilfe eines Krans erledigt wird. Nicht mehr lebendig ist die Mailehensversteigerung am frühen Abend des letzten Apriltages. Und nicht vergessen werden, sollte auch, dass die „Jusseps-Jonge“ als Junggesellenverein für allerlei Schabernack in der Mainacht sorgten. Gartentore und sonstige mobile Teile fanden die überraschten Eigentümer in einer beachtlichen Sammlung auf dem Marktplatz wieder. Ein Zeugnis über alte Maibräuche gibt auch Karl Bruchhäuser in seinem Standardwerk „Heimatbuch der Stadt Sinzig“, das im Jahr 1953 erschien, wieder. Dabei geht es um den sogenannten „Heules“. Interessant, bereits im Jahr 1953 spricht Bruchhäuser von einem früheren Brauch: „Eine altgeübte Sitte war früher in unserer Heimatstadt und ist heute noch an manchen Orten das statutenmäßig festgelegt Einholen einer Heulbier, auch Heules genannt. Sobald ein Ortsfremder ein Mädel heiratet, ist er dem zuständigen Verein zum Tribut verpflichtet. Am Vorabend der Hochzeit geht eine Abordnung mit Zylinder zum Brautpaar. Hier wird der „Provicitas-Vers“ gesprochen und dabei der Braut ein Besenstiel mit einem großen darangebundenen Blumenstrauß überreicht. Der Vers weist auf die symbolische Bedeutung des Besenstiels hin. Der Bräutigam muss dann die Braut gegen Barzahlung loskaufen, was im Heulesbuch urkundlich von ihm bescheinigt werden muss.“

Pflege der Kirmestraditionen

Sind die Maibräuche bis auf das Stellen des Maibaums heute eher als ruhend zu betrachten, so wird die Kirchweih also die Kirmes von den Jusseps-Jonge nach wie vor in den Traditionen hochgehalten. Eine lange Tradition hat hierbei der Festumzug mit den vaterstädtischen Vereinen zur Kirmeseröffnung am Samstag. Die „Jusseps-Jonge“ und die Fahnenabordnungen der vaterstädtischen Vereine treffen sich an der Gaststätte „Eifeler Hof“ zum gemeinsamen Fassanstich. Anschließend formiert sich der Festzug durch die Straßen der Stadt und mitten durch das Kirmesgeschehen versteht sich. Am Kirmesdienstag versammeln sich die Mitglieder der St.-Josef-Gesellschaft in aller Frühe zu einem festlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter. Anschließend formiert sich der Festzug auf dem Kirchplatz, musikalisch begleitet vom Spielmannszug „Frei Weg“ und geht zum Franziskushaus in der Renngasse, wo man den Heimbewohnern ein musikalisches Ständchen bringt.

Bei der Kirmeseröffnung ziehen die Jusseps-Jonge immer noch mit dem Festumzug durch die Straßen.Foto: BL

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