Allgemeine Berichte | 04.07.2014, 10:00 Uhr

Würseler Gymnasiasten gingen dem Ursprung einer römischen Keramikscherbe nach

Der Terra Sigillata auf der Spur

Die Gymnasiasten präsentieren ihr Paradestück, den Keramikfund mit CIL für Cilsinus, Töpfer im römischen Sinzig.  HG
262

Sinzig/Würselen. Die Mädchen und Jungen der Archäologie-AG haben es gut. Nur 400 Meter entfernt von ihrer Schule, dem Heilig-Geist-Gymnasium im Würseler Stadtteil Broichweiden, liegt ein landwirtschaftlich genutztes Grundstück mit greifbaren Spuren der römischen Vergangenheit. Der Bauer gab seine Erlaubnis und so führen die Nachwuchsarchäologen dort seit 2011 Begehungen durch. Mit ermunternden Ergebnissen: Sie entdeckten Stücke von Reibschalen für den Küchengebrauch, von Dachziegeln, Wandheizungen und Keramikprodukten. Eine Scherbe entpuppte sich als Bodenstück einer kleinen Schale. Interesse rief es wegen eines seltenen Töpferstempels hervor. Beim Entziffern der Buchstaben half die Denkmalpflege der Außendienststelle Nideggen-Wüllersheim des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Sie las den Stempel als CIL, ein Kürzel für Cilsinus/Celsinus, Töpfer im römischen Sinzig am Rhein. Für Latein- und Geschichtslehrer Timo Ohrndorf und Latein- und Sportlehrer Olaf Grodde, die Leiter der Archäologie-AG, lag es daher nahe, Kontakt mit dem Sinziger Heimatmuseum im Schloss aufzunehmen. Dort bereitete Museumsleiterin Agnes Menacher ihnen samt Mitgliedern der AG aus den Klassen fünf bis neun sowie einigen ehemaligen Gymnasiasten einen herzlichen Empfang. Zuvor hatten sie schon das Museum Römervilla in Ahrweiler besucht. Nach einer kleinen Erfrischung führte Menacher die Gäste ins oberste Ausstellungsgeschoss zu den Sinziger Fundstücken aus römischer Zeit. Auf Anhieb erkannten die jungen Besucher, dass es sich vielfach um die gleiche rötliche Keramik handelte, jenes Terra Sigillata genannte feine, glatte oder mit Dekoren verzierte Tafelgeschirr, zu dem auch ihre Cilsinus-Scherbe gehört. Zu den Exponaten in den Vitrinen hatte Menacher zur Ansicht und zum Anfassen zusätzlich Bruchstücke aus dem Museumsdepot ausgelegt.

Produktionszentrum der Sinziger Sigillaten, ein Ableger Trierer Werkstätten

Noch heute ist am Rhein die Stelle auffindbar, wo Ausgrabungsfunde eine Terra-Sigillata-Manufaktur um 140 nach Christus belegen. In unmittelbarer Nähe existierte um 40 nach Christus bereits eine römische Truppenziegelei der V. römischen Legion, von der sich ebenfalls Stücke im Museum befinden.

Menacher erklärte, dass das Produktionszentrum der Sinziger Sigillaten ein Ableger Trierer Werkstätten gewesen sei. Das Verbreitungsgebiet der reliefverzierten roten Sinziger Ware lag rheinabwärts ebenso wie in der Wetterau, wo das stattliche Vorkommen belegt, dass auch der teure Transportweg rheinaufwärts nicht gemieden wurde. Entdeckt wurden die Töpfereien 1912/13 bei Ausgrabungen des Provinzialmuseums Bonn (heutiges LVR-Landesmuseum, das einen Teil der Funde behielt und zahlreiche Stücke dem Römischen Museum der Stadt Remagen überließ. Das Sinziger Museum wurde erst 1953 gegründet.

Durch Verkauf, Schenkungen und die Unruhen zweier Weltkriege gingen viele Ausgrabungsfunde verloren. „Vieles ist auch privat gesammelt worden, statt es einem Museum zu übergeben“, erläuterte Menacher die nicht gerade üppige Ausstellungssituation im Sinziger Schloss, welche allerdings erst kürzlich durch eine sieben Objekte umfassende Dauerleihgabe des LVR-Landesmuseum Bonn beträchtlich aufgewertet wurde. Die Museumsleiterin kam auch dem Wunsch der Archäologie-AG nach, die Orte der keramischen Erzeugung zu besichtigen. Neben ihr brachten die „Chauffeure“ Josef Erhard und Kurt Quarz die Gäste zum Rhein, wo diese auf den Feldern Ausschau nach römischer Keramik hielten.

Aufschlussreich verlief die Exkursion der Gäste an den Rhein auch durch die erfahrenen freiwilligen Mitarbeiter der Denkmalpflege Andreas Schmickler aus Kirchdaun und Karl Krahforst aus Sinzig. Schmickler informierte detailliert über die Ausgrabung von 1912/13 und Krahforst lieferte allgemeine wertvolle Hinweise zur Befundsituation von Scherben.

Die Gymnasiasten präsentieren ihr Paradestück, den Keramikfund mit CIL für Cilsinus, Töpfer im römischen Sinzig. Foto: HG

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Daueranzeige 2026
Kirmes Miesenheim
Kirmes in Miesenheim
Vorabrechnung, Nr. AF2026.000438.0, Oktober 2026
Koblenz Kreativ 2026
Imageanzeige "Der nächste Sommer kann kommen"
Empfohlene Artikel
Ann Kathrin Voge, Claudia Hübner und Renate Adams mit den fairen Produkten für das Frühstück
43

Sinzig. Die Kita Jahngarten in Sinzig möchte im Oktober mit den Vorschulkindern ein Faires Frühstück durchführen. Zur Unterstützung dieses schönen Projektes übergab Renate Adams von der Fairtrade-AG im Bürgerforum Sinzig einige Lebensmittel und Informationen zum fairen Handel.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Beschädigungen am Rückhaltebecken. Foto: Stadtverwaltung / Jörg Beier
12430

Zudem wurde eine Menge Müll im Becken zurückgelassen

Ahrtal: Hochwasserrückhaltebecken in Gimmigen von Unbekannten beschädigt

Bei einer regelmäßigen Kontrolle wurde vergangene Woche am Bauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens in Gimmigen festgestellt, dass unbekannte Personen dort durch Befahrung mit Rädern starke Beschädigungen verursacht haben. Durch die Umlagerung von Erdreich wurde erheblich in das Deichbauwerk eingegriffen, sodass eine Furche entstanden ist. Zudem wurde eine erhebliche Menge Müll im Becken zurückgelassen.

Weiterlesen