Allgemeine Berichte | 13.04.2014, 10:32 Uhr

Sinziger Denkmalfreunde besuchten LVR-Ausstellung „Gebrochener Glanz“ - Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“

Die einstige Pracht entlang des Limes

Einen aufschlussreichen Nachmittag im Zeichen römischen Glanzes erlebten Mitglieder des Sinziger Denkmalvereins beim Museumsbesuch. HG
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Bonn/Sinzig. Angezogen vom sprichwörtlichen Glanz der römischen Epoche und um Einblicke in das antike Bronzehandwerk nördlich der Alpen zu gewinnen, besuchte der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig die Ausstellung des Bonner LVR-Landesmuseums „Gebrochener Glanz. Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“.

Bedeutendste Schöpfungen antiker Kunst

Statuen aus Bronze zählen zu den bedeutendsten Schöpfungen antiker Kunst. Diese als „Großbronzen” bezeichneten, oft überlebensgroßen Bildnisse römischer Herrscher und Götter stellen – wenngleich meist nur fragmentarisch erhalten – eine der bedeutendsten Fundgruppen aus den römischen Provinzen nördlich der Alpen dar. Bisher sind sie jedoch nie systematisch zusammengestellt worden, sondern fristeten ihre Existenz größtenteils als „vergessene Altbestände” in den Magazinen der Museen.

„Gebrochen“ bezieht sich auf rund 5000 Bruchstücke einst prachtvoller Statuen aus 132 Fundstätten diesseits der Alpen, die ein großes Forschungsprojekt drei Jahre lang gründlich untersuchte.

Das LVR-Landesmuseum präsentiert die Ergebnisse und überraschte die Sinziger Gäste mit dem Bild einer schmuckvollen Welt an den äußeren Grenzen des Imperium Romanum. Trotz ihrer gebrochenen Erscheinung vermitteln die ausgestellten 1000 Fundstücke doch eine Vorstellung von der Qualität und Dimension der lebens- und überlebensgroßen Bildnisse, die in den ersten Jahrhunderten nach Christus in den römischen Städten und Kastellen am Limes aufgestellt waren. Der Kaiser als vergoldete Figur war allgegenwärtig und demonstrierte die Überlegenheit des römischen Reiches. Das beeindruckte die römischen Soldaten und imponierte den Germanen, wie Kunsthistoriker André Dumont erklärte. Er schleuste die Gruppe fachkundig durch die Ausstellung und wusste auf alle Fragen eine Antwort.

Statuen und Götterbilder

Neben den Statuen der Herrscher und ihrer Familien sowie Figuren für verdiente Bürger bevölkerten auch zahlreiche Götterbilder die städtischen Siedlungen und Heiligtümer. In Mainz krönte eine überlebensgroße Bronzestatue die neun Meter hohe Jupitersäule. Erhalten ist das Blitzbündel des höchsten römischen Staatsgottes Jupiter und einer seiner wohl gestalteten beschuhten Füße, der so schwer ist, dass er nur per Hebemaschine in die Museumsvitrine gehievt werden konnte.

Unter anderem nahmen die Besucher kleine, fein ausgeformte Figuren, die einst die Pferdebrüste einer Quadriga zierten, ins Visier, die Gestalt eines gefangenen Germanen, einen als Abwehrzauber eingesetzter Medusenkopf aus Xanthen, eine Zweifingerhand und Pferdehufe aus Kempten im Allgäu, einen Augsburger vergoldeter Pferdekopf und den Kopf des Alexander Severus, eines der wenigen noch erhaltenen monumentalen Kaiserportraits. Bronzene Satteldecken aus dem Rheinland „zeugen durch ihr Dekor vom Standbild eines Kaisers, der im Orient Siege errang“, vermittelte André Dumont, was Experten aus Details herauslesen können. Er erläuterte auch, dass die Römer sich die Herstellung mit Standardtypen erleichterten und verschiedene Guss-, Vergoldungs- und Reparaturtechniken kannten. Zudem betrieben sie Recycling aus den zerstörten und eingeschmolzenen Denkmälern missliebig gewordener Herrscher. So ist zu erklären, dass vollständige römische Statuen oder Reiterstandbilder kaum überliefert sind.

Auch die Germanen hatten Verwendung für das kostbare Material. Da ihnen die großen Standbilder Angst einjagten, zerschlugen sie diese. Die Scherben nutzten sie zur Münzherstellung.

„Betriebsgeheimnisse“ der Bronzewerkstätten

Zu einigen Erkenntnissen über die „Betriebsgeheimnisse“ der spezialisierten Bronzewerkstätten gelangten die Forscher mit naturwissenschaftlichen Methoden und experimenteller Archäologie. Am Bronzekopf des jungen Kaisers Gordian III. von Niederbieber wiesen sie zum Beispiel durch Röntgen alte und neue Reparaturen nach. Und nur dank der neueren Untersuchungen lernten die Sinziger Denkmalfreunde: Wenn die Wissenschaftler heute Gold in den Bronzestatuen finden, handelt es sich um wiederverwendetes Material. Denn die Römer beherrschten neben Blatt- und Feuervergoldung ein Verfahren, bei dem sich das Gold unlösbar mit dem Kupfer in der Bronze verband.

Durch Röntgen ließen sich am Bronzekopf des jungen Kaisers Gordian III. von Niederbieber alte und neue Reparaturen nachweisen. Foto: LVR Landesmuseum Bonn

Die einstige Pracht entlang des Limes

Einen aufschlussreichen Nachmittag im Zeichen römischen Glanzes erlebten Mitglieder des Sinziger Denkmalvereins beim Museumsbesuch. Foto: HG

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