Politik | 20.04.2015, 13:29 Uhr

Dorfgemeinschaft „Zukunft Bad Bodendorf“

„Fahr nicht fort, kauf im Ort“

Bad Bodendorf. Seit Ende 2013 gibt es in Bad Bodendorf keinen Lebensmittelladen mehr. Die Nahversorgung im größten Sinziger Stadtteil mit seinen gut 3800 Menschen ist also Thema. Die Dorfgemeinschaft „Zukunft Bad Bodendorf“ und die Rhein-Ahr-Akademie gingen dieses Thema im Winzerverein noch einmal an.

Immerhin 15 Bad Bodendorfer waren zu der Veranstaltung, die unter dem Motto „Fahr nicht fort, kauf im Ort“ stand, gekommen.

Eine ähnliche Veranstaltung im Juni 2014 hatte nur vier Besucher und vier Pressevertreter angelockt.

Der Frage, warum sich das Interesse in der Bürgerschaft zu diesem Thema so zurückhaltend gestaltet, soll auch in Bad Bodendorf nachgegangen werden.

Diesmal gab es immerhin eine sehr lebhafte Diskussion und einen fundierten Vortrag von Joseph Decker von der Rhein-Ahr-Akademie zum Thema Nahversorgung.

Bei der Begrüßung hatte Ortsvorsteher Alexander Albrecht eine gute Nachricht dabei. Am Freitag, 8. Mai, wird sich der Bad Bodendorfer Wochenmarkt auf dem Bahnhofsvorplatz offiziell etablieren. Decker hatte die wachsende Bedeutung von Bio-Lebensmitteln und regionalen Produkten betont. Er warf dabei auch einen kritischen Blick auf die zahlreichen Gütesiegel und die Kennzeichnung der Lebensmittel.

Der Abend brachte zwei neue Erkenntnisse, die etwas überraschten.

Überraschung Nummer eins: Die fußläufige Erreichbarkeit für einen Dorfladen ist im sehr weitläufig bebauten Bad Bodendorf gar nicht mehr gegeben. „Wer sich ins Auto setzt, sucht sich dann einen Supermarkt mit vielen Parkplätzen“, hieß es. Und genau jene Parkplätze gibt es in der Bad Bodendorfer Hauptstraße, in der bisher die Nahversorgung geregelt wurde, gar nicht.

Diese Überraschung war für Kenner der Verhältnisse nicht wirklich eine.

Aber es wurde auch noch eine andere Erkenntnis gewonnen: Verkaufen in Bad Bodendorf mit seinen fast 4000 Einwohnern und seiner hohen Kaufkraft lohnt sich. Auch wenn die Patentlösung noch nicht gefunden wurde, soll die Info- und Diskussionsreihe weitergehen. „Es gibt ja noch Angebote vor Ort, wir wollen die Lücken ganz genau analysieren und dann weiterschauen“, so Ortsvorsteher Albrecht.

Dann soll auch weiter über mögliche Modelle eines Dorfladens diskutiert werden. Unter anderem über ein genossenschaftliches Modell.

In Bad Bodendorf ist klar erkannt worden, dass ein Lebensmittelgeschäft im Ort eine wichtige Komponente für die soziale Kommunikation ist, aber wirtschaftlich nur schwer zu realisieren bleibt.

Dies brachte Egon Blaeser, langjähriger Wirt im Winzerverein, auf den Punkt: „Ohne Zuschüsse aus der Politik, egal ob Stadt, Land oder Bund, wird dies nicht gehen.“ In Südtirol oder im Allgäu gibt es entsprechende Zuschussmodelle.

Im Internet hat Decker unter www. Rhein-Ahr-Akademie.org zahlreiche interessante Unterlagen zur Verfügung gestellt.

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