Rolf Schmitt, Vorsitzender der Hochwasserhilfe Marienthal e.V., zieht Bilanz
Fünf Jahre nach der Flut: Der Zusammenhalt ist weiterhin erkennbar
Fünf Jahre sind seit der Flut vergangen. BLICK aktuell sprach mit Rolf Schmitt, Vorsitzender der Hochwasserhilfe Marienthal e.V., und fragte: Was ist in den vergangenen fünf Jahren gut gelaufen? Wo gibt es noch Nachholbedarf?
BLICK aktuell: Was waren für Sie die größten Meilensteine im Wiederaufbau?
Rolf Schmitt: Unmittelbar nach der Flut waren dies die Unterbringung der Dorfbewohner in Wohncontainern im Ort und die große Hilfe der zahlreichen Helfer aus ganz Deutschland. Weitere Meilensteine waren sicherlich das erste Nahwärmenetz im Ahrtal, das Freundschaftshaus und die neue Dorfmitte, aber auch der Neubau der Ahrtalbahn mit zwei Brückenbauwerken und einer Unterführung im Bahndamm sowie die Wiederherstellung des Radweges.
BLICK aktuell: Wo hätte es besser laufen können und was muss noch dringend erledigt werden?
Rolf Schmitt: Problematisch war die Zweiteilung von Marienthal, 18 Häuser gehörten zu Dernau, 19 Häuser zu Walporzheim. Dies führte zu Parallelzuständigkeiten, da auch die Einsatzzentralen, die Wasserversorgung, die Stromversorgung und die Katastrophenhilfe unterschiedliche Zuständigkeiten hatte. Ohne den großen Einsatz der Dorfbevölkerung und der vielen Helfer wäre diese Katastrophe nicht zu händeln gewesen. Die Teilung konnte trotz des Wiederaufbaus kommunalpolitisch umgesetzt werden und seit dem 01.01.2024 ist ganz Marienthal ein Teil von Dernau. Der Neuaufbau in Marienthal wurde im Übrigen nicht aus dem Wiederaufbautopf finanziert, sondern durch Spenden, Eigenleistungen der Dorfbewohner und Helfer, sowie aus dem Dorferneuerungstopf und einem Anteil der Ortsgemeinde Dernau.
In Marienthal muss noch die Kanalisation und die Neuverrohrung des Bachkanals umgesetzt werden, sowie der Neubau der Straßen und Bürgersteige. Weiterhin gehören die erneute Anbindung an den Busverkehr und die Errichtung einer eigenen Haltstelle der Ahrtalbahn zu den dringenden Aufgaben.
BLICK aktuell: Nach der Flut war der Zusammenhalt groß – spüren Sie diesen Zusammenhalt heute immer noch?
Rolf Schmitt: Unmittelbar nach der Flut entstand ein sehr großer Zusammenhalt der Dorfbewohner. In den vergangenen fünf Jahren hat dieser Zusammenhalt sicherlich ein wenig nachgelassen, doch er ist weiterhin bei den Aktivitäten im Ort erkennbar. So beim neu geschaffenen Adventszauber am 1. und 2. Adventswochenende, dem Augustinusfest am letzten Samstag im August, dem Maibaumaufstellen und dem Martinstag.
Rolf Schmitt. Foto: privat