Allgemeine Berichte | 28.10.2013

Literatur, Musik und Kunst gestalteten Benefizabend zu „Liebe und Leid“

Mit Kultur das Frauenhaus gefördert

Hubertus Raabe sang und spielte „Menschenlieder von Liebe und Leid“.  HG

Ahrweiler. Zu seiner Benefizveranstaltung in der ehemaligen Ahrweiler Synagoge, hätte man dem Förderverein Frauenhaus Ahrweiler wegen des reizvoll ausbalancierten Programms und des guten Zwecks mehr Gäste gewünscht. Mit Literatur, Musik und Kunst aber erlebten diejenigen, die gekommen waren, Kultur im farbigen Dreiklang unter dem weit gespannten Motto „Liebe und Leid“. Wie die Schirmherrin des Vereins, Dr. Susanna Smolenski, Chefärztin der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik in Ahrweiler, erläuterte, bietet das am 16. Dezember 1993 gegründete Frauenhaus Frauen und ihren Kindern, die häusliche Gewalt erlitten haben, Sicherheit, Geborgenheit, psychische und materielle Unterstützung, die auch wichtig ist, „um posttraumatischen Belastungsstörungen vorzubeugen“. Die Finanzierung übernehmen teilweise das Land Rheinland-Pfalz und der Kreis Ahrweiler. „Trotzdem ist das Frauenhaus „immer auf Spenden angewiesen“, betonte Smolenski. Der Vorsitzende des Bürgervereins Synagoge Klaus Liewald freute sich über die dritte Benefizveranstaltung des Frauenhauses am Ort. Grußworte kamen ebenso von der Fördervereinsvorsitzenden Elisabeth Groß, die moderierte und von Eva-Maria Kreuter, Leiterin der Are-Gilde, welche die Künstler Angelika Castelli und Dr. med. Horst Saul als Mitwirkende des Abends vorstellte. Während die Malerin lebensbejahende Gesichter, gaukelnde Schmetterlinge, aber auch melancholisch gefärbte Bilder vor Augen führte, setzte der insbesondere als Schriftsteller bekannte „Skulpteur“ Saul Akzente mit markanten Köpfen und Figuren aus Speckstein und Bronze.

Mit Hut und Gitarre

Auf musikalische Weise tat dies Hubertus Rabe. Der evangelische Pfarrer im Ruhestand lernte in jungen Jahren Geige, Posaune und Gitarre zu spielen. Im ehemaligen Gotteshaus trat er mit Hut – „um dem Geist dieses Ortes die Ehre zu erweisen“ – und Gitarre auf, um facettenreich aus seinem Programm „Menschenbilder von Liebe und Leid aus acht Jahrhunderten und zehn Sprachen“ vorzutragen. So entspann sich eine anrührende, grenzüberschreitende Reise durch die Musikkultur der Völker.

Genau das hatte der klampfende Barde im Sinn. „Mir liegt daran, so Raabe, „klarzumachen, dass die Empfindungen von Liebe und Leid die Menschen über Nationen und Zeiten hinweg verbinden“. Angesichts der Gemeinsamkeiten dürfe es „eigentlich gar keine Kriege geben“. Dem israelischen „Hava Nagila“ („Lasst uns glücklich sein“), ließ er das Lied von der Loreley und der schönen jungen Lilofee folgen. Aus Tschechien hörte das Publikum einen eifersüchtigen Liebhaber fragen: „Anuschka, meine Süße, deine Stiefel sind ja nass, wo warst du?“ Eine sephardische Weise verlautete, ein schlechter Ehemann sei einem verliebten jungen Mann vorzuziehen, und ein süditalienischer Verehrer klagt einer Schönen, dass er mit seinem Gesang eine Ziege im Wald und Marmor, nicht aber sie habe erweichen können. Ein französischer Marquis verabschiedete sich von seiner Liebsten, die ihm der König raubte. Indes entlockte Raabe, im östlichen Mittelmeer angelangt, seinem Repertoire griechische Klänge um einen Hagestolz, der nicht heiraten will, und beschloss den Reigen mit einem türkischen Lied, worin die mühselige Werbearbeit eines jungen Mannes um seine Angebetete mit der Arbeit auf einem stacheligen Saubohnenfeld verglichen wird.

Bücher über Liebe und Leid

Nicht allein in Raabes Vortrag wechselten heitere, nachdenkliche und bittersüße Melodien einander ab. Auch Christa Börschs zentrale Lesung behandelte drei ganz verschiedene Bücher.

Um frischen Vorlesestoff zum Thema Liebe und Leid nicht verlegen -„90 Prozent der Literatur kreisen um diese Themen“ – begann die Diplom-Bibliothekarin, die in der „Bücherstube Schmitz“ tätig ist, mit “Shotgun Lovestory”. Nicolas Butlers Roman blickt auf fünf Freunde aus dem amerikanischen Mittelwesten, die trotz verschiedener Lebenswege den Bezug zur Heimat und zueinander nie verloren haben. In den Fokus rückte Lee. Nach einem erfolgreichen Album und ohne seine Frau Cloé zurück auf seiner Farm, ist er zerknirscht darüber, dass er, kaum älter als 30, schon kurz vor der Scheidung steht.

Dagegen scheinen das befreundete Paar Henry und Beth ein unkompliziertes harmonisches Landleben zu führen.

In „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ erzählt Monika Held sensibel von der schwierigen Liebesbeziehung, die Lena und Heiner wagen. Belastet ist sie durch die Schrecken der Vergangenheit, die Heiner verfolgen. „Darf einer wie ich eine Liebe haben“, fragt er, der die Hölle von Auschwitz erlebte. Heiner zeigt Lena ein Glas mit Knöchelchen aus dem KZ, sagt ihr: „Das Glas wird uns begleiten, es wohnt bei uns, es muss bei mir sein.“ Spannung anderer Art kam durch Joël Dickes Krimi „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ auf. Der von seiner Inspiration verlassene Autor Marcus entdeckt beim Stöbern in Manuskripten seines Mentors Harry Quebert Hinweise auf eine Affäre des damals 34-Jährigen mit der minderjährigen verschwundenen Nola. Fassungslos erfährt er kurz darauf, dass Noras sterbliche Überreste auf Harrys Grundstück gefunden wurden, und macht sich beharrlich daran, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Einen weiteren Benefizabend wird es am Freitag, 22. November, 19 Uhr im Sinziger Schloss geben. Dann liest Evelyn Larisika, Mitarbeiterin der „lesezeit - bücher und wein“, ebenfalls aus drei ausgewählten Büchern vor, dabei wiederum musikalisch begleitet von Hubertus Raabe.

Hubertus Raabe sang und spielte „Menschenlieder von Liebe und Leid“. Fotos: HG

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