Politik | 16.11.2015, 15:01 Uhr

Sinzig und seine Schild-Bürger

Wenn ich an Sinzig denke, dann freue ich mich immer wieder über die Kleinigkeiten, die man so zum Beispiel im „Blick- Aktuell“ liest. Da war zum Beispiel in den vergangenen Wochen ein kleiner Artikel über die Schaffung und Beschilderung eines neuen, touristischen Radweges der durch die Sinziger Innenstadt führen soll – für ein paar schlappe Tausender selbstverständlich. Gleich daneben stand noch ein Artikel über ein neues Gutachten zum Thema NVZ, das den Bürgermeister zum Jubeln brachte und eine Woche später las man in der gleichen Zeitung, dass man mittlerweile sehr „Unglücklich“ über dieses Gutachten in Sinzig sei. Liest man aber die erste und die zweite Meldung zusammen, ergibt sich daraus folgende Meldung: Sinziger Bürgermeister setzt alles daran, ein NVZ entstehen zu lassen, welches dem letzten Röcheln der geschäftlichen Innenstadt nochmal so richtig an die Gurgel geht und zeitgleich werden aber zig tausende Euros ausgegeben, um dann Touristen zukünftig attraktiv beschildert durch die tote Innenstadt radeln zu lassen. Ne, ne, dass macht Sinn, denn zumindest kommen die Touristen dann endlich auch mal durchaus damit beabsichtigt am Schloss vorbei und falls sich die Ausstellungen dort im Zuge des touristischen Wandelns auch noch abwechslungsreicher und interessanter gestalten ließen, dann kommen die Touristen dort auch nicht nur dort vorbei, sondern vielleicht ja auch mal rein. Das würde zumindest den Schmerz beim Sinziger Denkfehler im Zusammenhang der ersten beiden Mitteilungen lindern. Es ist historisch belegt, dass das legendäre Schilda und seine Schildbürgerstreiche auf die Stadt Cochem zurückgehen. Warum Sinzig versucht diesbezüglich der Stadt Cochem den Rang abzulaufen, ist mir allerdings noch nicht so ganz klar. Aber bemüht um ein besseres Sinzig, sind die Sinziger mittlerweile allemal.

Da gibt es nun schon ganz viele Personen und auch neu gegründete Vereine, die auch schon viel Neues und Positives bewirkt haben. Gut zugegeben, manchmal hält sich der Eigennutz mit dem Gemeinnutzgedanken in diesen Verbindungen nicht immer ganz die Waage und bei manchen Aktionen – oder besser gesagt Personen - muss man sich wirklich fragen, was dem Einen oder Anderen wirklich wichtig ist, aber zumindest tun all diese aktiven Bürger nicht nur einfach etwas. Nein! Sie tun dass, was eigentlich Diejenigen tun müssten, die man dazu gewählt hat. Doch die haben schließlich genug damit zu tun, sich dauerhaft selbst zu verwalten. Also müssen es halt die Bürger und ihre neuen Interessensvereine richten. Blöd finde ich nur, dass dies auf typische Sinziger Weise geschieht, womit wir fast schon wieder bei den Schildbürgern wären. Ich meine, beispielsweise jeder Unternehmer würde sich bevor er anfängt irgendwas zu machen, erstmal einen Plan darüber machen, was ganz konkret wie und wo entstehen soll, welchen Nutzen es bringen könnte, wie die Machbarkeit ist und was das Ganze dazu im Vergleich kosten wird. Ohne einen solchen Plan würde niemand loslegen – außer eben in Sinzig. Sogar wir Frauen machen uns vor dem Schuhekauf einen Plan, wann wir eigentlich spätestens wieder aus dem Schuhgeschäft draußen sein woll(t)en. Klappt nicht immer, zwingt aber zur äußersten Selbstdisziplinierung bei uns Frauen.

Ich selbst bin zwar keine Unternehmerin, aber ihr lieben, aktiven Sinziger Bürger, wäre es nicht wesentlich klüger, bevor noch mehr: „Sinzig-braucht-mich-dringend-Vereine“ entstehen und aus Aktionen fataler Aktionismus wird, dass man sich zuerst gemeinsam an einen Tisch setzt, um einen städtischen Entwicklungsplan zu entwerfen, der alle Ideen, Notwendigkeiten und Aktionen berücksichtigt und der dann stufenweise gemeinsam nach diesem einen Stadtentwicklungsplan auch so umgesetzt wird? So wäre zumindest zu vermeiden, dass teuren Projekten zeitgleich zugestimmt wird, die zueinander sinnlos sind und vor allem würden nicht 100 Köche an 100 verschiedenen Stellen ohne einen Plan aufeinander eifersüchtig versuchen, ihre Süppchen zu kochen.

Vielleicht wäre dies ja ein guter Vorsatz für das kommende Jahr. Janine Caspár

Sinzig

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