Politik | 19.01.2015

Wirtschaftsministerin besuchte Deutsche Steinzeug in Sinzig

Sinziger Fliesen in aller Welt

Größter Arbeitgeber der Stadt - Eveline Lemke: Land unterstützt innovative Unternehmen in der Region

Wirtschaftsministerin Eveline Lemke interessierte sich sehr für die Produktionsmethoden, die ihr Werkleiter Bernd Mannheim erläuterte.

Sinzig. Sie eilten flotten Schrittes durch die riesigen Produktionshallen. Werkleiter Bernd Mannheim wollte der Ministerin möglichst viel vom weltweit agierenden Unternehmen vermitteln, aber auch Zukunftsperspektiven der Deutschen Steinzeug Cremer & Breuer AG ansprechen. Eveline Lemke, die rheinland-pfälzische Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, gleichzeitig stellvertretende Ministerpräsidentin mit Schreibtisch in Mainz, interessierte sich in Sinzig natürlich auch für die örtlichen Bedingungen, des auf allen Kontinenten operierenden Betriebes: Die Grünen-Politikerin wohnt in Bad Bodendorf, also nur ein paar Steinwürfe entfernt vom größten Arbeitgeber der Stadt, der zurzeit 235 Mitarbeiter beschäftigt, davon zehn Auszubildende. Sie produzieren jährlich 3,8 Millionen Quadratmeter Fliesen und sind in einigen Segmenten Marktführer weltweit. Mit der Ministerin und dem Werkleiter eilten durch das Unternehmen Peter Heinevetter, der technische Leiter und Daniel Schreiner, Leiter der Produktentwicklung.

Beide Seiten nahmen nach einem mehrstündigen Besuch interessante und zukunftsorientierte Informationen mit: Die Deutsche Steinzeug ist führend in der Produktion von großflächigen, besonders strapazierfähigen Fliesenböden, hat eine äußerst hohe Energieeffizienz, extrem positive Recycling-Werte, einen sehr hohen Ausbildungsstand und hochmoderne Fertigungsanlagen. Doch in Zeiten sich rasend verändernder Gesetze und Technologien muss der weltweit in verschiedenen Werken fast 1.400 Mitarbeiter beschäftigende Konzern investieren und fand in Eveline Lemke eine Zuhörerin, die gerne die Unterstützung der Landesregierung bei innovativen Planungen zusagte.

Und sie selbst nahm viele Anregungen mit, die sie in einem gerade gegründeten „Runden Tisch für Innovationen“ in der Staatskanzlei ansprechen will. Beklagt wurde von beiden Seiten der akute Fachkräftemangel im Land, aber auch bundesweit. Die Deutsche Steinzeug will dem möglichst effektiv durch vermehrte Ausbildungsplätze entgegenwirken. Weltweit Marktführer, und dennoch fest in der Region verwurzelt. Das freute die Ministerin bei ihrem Besuch der Agrob. Denn das Unternehmen denkt darüber nach, eine Fliese mit Sinziger Motiven herauszubringen, Stadtwappen oder charakteristische Ansichten seien ein mögliches Motiv. „Das können wir ja über einen Wettbewerb örtlicher Künstler entwickeln“, schlug Bernd Mannheim vor. Eveline Lemke sagte sofort zu: „Ich komme und überreiche den Preis, wäre ja toll, wenn unsere Stadt dann überall gezeigt würde. Das wäre eine tolle Werbung für Sinzig und die Region.“ Im Gespräch ging es aber hauptsächlich um Möglichkeiten, wie das Land dem Unternehmen beistehen kann, vor allem bei Energiefragen, Amortisationen.

Sauber und leise statt laut und dreckig

Für die Wirtschafts- und Energieministerin war beeindruckend, wie leise und sauber es in den Hallen zugeht. Wer bei einem Fliesenhersteller in der Produktion Lärm und Dreck erwartete, der wurde hier angenehm überrascht. Fast lautlos glitten automatisch gesteuerte Transportwagen von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, stoppten sofort vor jedem Hindernis, auch ein allzu forscher Journalist wurde nicht überfahren. Nur wenige Mitarbeiter waren zu sehen, gerade mal an ein paar Werkbänken fanden sich kleine Häufchen mit Sägestaub.

Tradition trifft Innovation

„Es ist beeindruckend wie ein Produktionsstandort, der über eine fast 150-jährige Geschichte verfügt, es immer wieder schafft, mit seinen innovativen Produkten auf dem Weltmarkt erfolgreich zu sein“, betonte Eveline Lemke bei dem Rundgang. Bernd Mannheim erläuterte, am Standort Sinzig stelle die Deutsche Steinzeug hochwertige Feinsteinzeugfliesen her, die weltweit vertrieben werden. Die hoch belastbaren, überstarken Bodenfliesen werden vor allem im Objektbereich, etwa in Supermärkten, verlegt.

Hinzu komme ein Architekturprogramm. „In der Architekturkeramik sehen wir uns als Marktführer - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der weltweiten Betreuung von rund 120.000 Architekten und Planern, denen wir eine speziell auf den Objektbau ausgerichtete Farb- und Formatvielfalt anbieten können. Auch im keramischen Mosaik belegen wir die Spitzenposition im Markt. Insgesamt konnte die Deutsche Steinzeug-Gruppe im Jahr 1999 im Geschäftsfeld ’Keramische Belagsmaterialien‘ die Marktführerschaft in Deutschland übernehmen.“

„Bei meinem nächsten Besuch in einem Supermarkt im Ausland werde ich mir die Fliesen genauer anschauen, um zu sehen, ob ich dann nicht gerade auf ’Heimaterde‘ stehe“, versprach die stellvertretende Ministerpräsidentin. Gut die Hälfte des verarbeiteten Tons bezieht die Deutsche Steinzeug aus dem Westerwald. Eveline Lemke zog schließlich eine positive Bilanz ihres Besuches: „Es ist gut zu sehen, dass sich die Deutsche Steinzeug mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigt und sich die wirtschaftliche Nutzung der Energie auch für die Zukunft auf die Fahnen geschrieben hat“, sagte die Grünen-Politikerin.

„Ein großes und wichtiges Pfund am Standort Sinzig sind zudem insbesondere die qualifizierten und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens, die sich in einem hohen Maße mit dem Betrieb identifizieren und somit einen erheblichen Teil zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beitragen“, unterstrich die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin abschließend.

Wirtschaftsministerin Eveline Lemke interessierte sich sehr für die Produktionsmethoden, die ihr Werkleiter Bernd Mannheim erläuterte.
Fast schon steril wirken die Werkhallen, die Eveline Lemke, Bernd Mannheim, Peter Heinevetter und Daniel Schreiner besichtigten.
Die Prüfverfahren erläuterte Werkleiter Bernd Mannheim Ministerin Eveline Lemke. WM

Die Prüfverfahren erläuterte Werkleiter Bernd Mannheim Ministerin Eveline Lemke. Fotos: WM

Wirtschaftsministerin Eveline Lemke interessierte sich sehr für die Produktionsmethoden, die ihr Werkleiter Bernd Mannheim erläuterte.

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