Allgemeine Berichte | 22.06.2015

Vortrag und Exkursion des Denkmalvereins Sinzig

Verstecktes Klosterareal und Kriegsschäden im Baum

Vergangenheit und Gegenwart des Waldes um Schloss Vehn

Kriegsschäden im Wald: Der Vehner Revierförster Helmut Willerscheid erklärt die dunklen Flecken, die auf eingeschlossene Granatspitter hinweisen. privat

Sinzig. Erst die Theorie, dann die Praxis - nach dieser bewährten Methode ging der Förderverein Denkmalpflege und Heimatmuseum Sinzig vor bei seinem jüngsten Thema “Rund um Schloss Vehn, auf alten Pfaden durch Vergangenheit und Gegenwart des Waldes“. Verantwortlich für beides war Helmut Willerscheid, Revierförster auf Schloss Vehn. Zum Auftakt der Doppelveranstaltung berichtete er im Rahmen des „Turmgesprächs im Schloss“ über den Vehner Wald, den er seit dem Jahr 2000 verantwortlich pflegt und gestaltet, ein Privatwald, der den Eigentümern von Schloss Vehn gehört. „Ein Jahr im Leben eines Baumes ist so gut wie nichts, im Umgang mit Bäumen spielt sich in einem Jahr aber sehr viel ab“ - so erlebt ein Revierförster seinen Alltag. Im vergangenen Jahr hatte die Forstwirtschaft „300 Jahre Nachhaltigkeit“ gefeiert, ein ebenso historisches wie aktuelles Ereignis. Und eine Veranstaltung zum Thema Wald beim Denkmalverein befasst sich natürlich auch mit der Waldgeschichte, sowohl im Vortrag wie bei der Exkursion. Dazu gehören sowohl die aus heutiger Sicht höchst eigenartigen Methoden der feudalen Jagd in der Zeit vor Napoleon und der Raubbau der Wälder - trotz der erwähnten Mahnung zu mehr Nachhaltigkeit. Als nach Napoleon ab 1815 die Preußen das Rheinland regierten, fanden sie den Eifelwald in einem schlechten Zustand. „Man sollte sehen und weinen“, beginnt ein Inspektionsbericht 1836, der nackte Hügel und kahle Höhen beklagt, weil der Wald nur zum Requirieren von Brenn- und Baumaterial diene.

Der Wald um Vehn war über Jahrhunderte von der Jagdnutzung geprägt, in dem die Holzwirtschaft eine geringe Rolle spielte. Anders war das im von Napoleon ermöglichten Gemeindewald oder auch im Merkerwald, einer frühen genossenschaftlichen Eigentumsform, die im Raum Sinzig später in den Gemeindewald überging. Noch heute lassen sich Unterschiede feststellen zwischen dem benachbarten Ahrenthaler Wald mit intensiver Holznutzung und dem Vehner Wald - eine Thema für die Exkursionsgruppe im zweiten Teil der Veranstaltung. Sinzigs Revierförster Stefan Braun besuchte übrigens beide Veranstaltungen und ergänzte die Ausführungen Willerscheids.

Manchmal birgt der Wald auch Geheimnisse, die nicht zur Welt der Natur zählen. So lässt sich westlich vom Schloss bei bestimmter Wetterlage der Platz des Augustinerinnenklosters aus dem 14. und 15. Jahrhundert noch feststellen - der Juni ist dafür allerdings nicht ideal. Helmut Willerscheid hatte die Fläche aber markiert, die er in Wintertagen gut ausmachen kann. Das Kloster lag wie auch das Haus Vehn leicht erhöht zwischen zwei Bächen, ein idealer Siedlungsplatz. Heute noch heißt die Gemarkung „Im Nonnenbüsch“.

Auch im Wald gibt es Kriegsschäden, sie sind teilweise bis heute feststellbar. Die Exkursionsgruppe besah sich von Artilleriefeuer geschädigte Eichen, die ihre Splitter in sich tragen und deshalb nur zum Verfeuern geeignet sind. Schloss Vehn selbst litt kaum unter dem Kriegsschäden außer in einem einzigen Fall, bei dem eine Frau durch ein Tieffliegergeschoss schwer verletzt wurde. Dass zu Kriegszeiten wegen der Tiefflieger auch Tiere zum Schutz in den Keller kamen, war den meisten Besuchern völlig neu.

Heute läuft in Vehn das „Lövenprogramm“, das „langjährige ökologische Vehner“ Entwicklungsprogramm. Willerscheid, als Revierförster nun der Zukunft zugewandt, erläuterte Waldbehandlungsformen, Baumarten und langfristige Entwicklungen und gab so einen tiefen Einblick in die fachlichen Rahmenbedingungen der Forst- und Waldwirtschaft. Und noch ein hochaktueller Aspekt: Extra für die Gruppe des Denkmalvereins war der Fahrer eines Harvester gekommen, um mithilfe der Maschine zu demonstrieren, wie in wenigen Minuten an die zehn Bäume „geerntet“, entastet und zerkleinert werden - das war nun keine Geschichtsbetrachtung, sondern einfach Praxis pur

Die nächste Veranstaltung des Denkmalvereins wird eine Exkursion in die Koblenzer Altstadt am Samstag, 18. Juli sein.

Kriegsschäden im Wald: Der Vehner Revierförster Helmut Willerscheid erklärt die dunklen Flecken, die auf eingeschlossene Granatspitter hinweisen. Foto: privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag
Imageanzeige
150 Jahre Zeitungstradition
150 Jahre Zeitungstradition
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0010#
150 Jahre Zeitungstradition
150-jähriges Jubiläum Krupp Verlag
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Am Sasmtag 19.September heißt es wieder „Andernach tanzt“
346

„Anzeige“ Andernach. Die Andernacher Tanzparty geht in die vierte Runde. Unter dem Motto „Andernach tanzt“ wird es am Samstag, 19. September 2026 unter anderem wieder zahlreiche „Disco-Foxtrott Runden“ mit Musik der vergangenen 60 Jahre geben. Für beste Partystimmung sorgt der von den HR 1 Dancefloor bekannt Video-DJ Peter Baur mit alten und auch aktuellen Top Hits. Musikvideos auf Großleinwand, die Fotobox sowie eine Cocktailbar sind eingeplant.

Von Thomas Manstein aus Sinzig

Weiterlesen

Symboldbild.
1423

Nach dem schweren Unfall in der Bismarckstraße sucht die Polizei nach Zeugen

10.07.: Nach schwerem Unfall in Andernach: Beifahrerin außer Lebensgefahr

Andernach. Am 9. Juli 2026 ereignete sich um 10:45 Uhr in Andernach an der Kreuzung Bismarckstraße/Breite Straße ein schwerer Unfall. Die Polizei hat inzwischen bekannt gegeben, dass sich die Beifahrerin des Unfallfahrzeugs außer Lebensgefahr befindet. Sobald ihr Gesundheitszustand es erlaubt, wird sie von der Polizei befragt, um den Hergang des Unfalls aufzuklären. Auch weitere Zeugen sollen zu dem Vorfall befragt werden.

Weiterlesen