Lotto-Elf machte zum zweiten Mal in Mertloch Station
Am Ende fühlten sich alle als Gewinner
Wolfgang Overath, der Weltmeister von 1974, wurde auf dem Maifeld offiziell verabschiedet
Mertloch. Zum zweiten Mal machte die Lotto-Elf Rheinland-Pfalz, eine Fußball-Prominentenauswahl, im beschaulichen Maifeld-Örtchen Mertloch Station. 16:1 (7:1) hieß es am Ende für die Alt-Internationalen um Stephan Engels, Stefan Kuntz oder Guido Buchwald, doch zu den Gewinnern zählten schlussendlich alle: die fast 600 Zuschauer, die bei besten äußeren Bedingungen eine fantastische Atmosphäre verströmten, die tapfere Ü40-Auswahl der Alten Herren Mertloch, der Maifelder SV um seinen Vorsitzenden Frank Trarbach und natürlich der Förderverein „Flüchtlingshilfe Maifeld“. Der will den Gesamterlös von sage und schreibe 9000 Euro für Integrationsprojekte, in erster Linie für Sprachkurse, verwenden. Für einen Spieler der Lotto-Elf hieß es zunächst aber Abschied nehmen: Nach 18 Jahren und 183 Spielen, in denen er 44 Tore erzielte, wurde Wolfgang Overath, der Weltmeister von 1974, in Mertloch von Lotto-Geschäftsführer Jürgen Häfner offiziell verabschiedet.
„Es juckt immer noch, aber irgendwann muss Schluss sein“, gab der mittlerweile 73-Jährige im Interview mit Moderator Stefan Pauly einen Einblick in sein Seelenleben. „Zu Hause geht es zwei Mal in der Woche noch ein bisschen in die Halle, das muss reichen.“
An Overaths Stelle rückt „Diego“ Buchwald, der Weltmeister von 1990, der in Mertloch sein Debüt feierte. Regie im Mittelfeld führt nach Overaths Rückzug sein Kölner Vereinskollege Engels, der auch dadurch, dass er immer wieder in netter Art und Weise mit Schiedsrichter Hamid Rostamzada diskutierte, in Overaths Fußstapfen zu treten scheint. Äußerst prominent besetzt war die Bank der Lotto-Elf. Dort nahmen Trainer Hans-Peter Briegel, der Europameister von 1980, Team-Manager Horst Eckel, einer von zwei noch lebenden Weltmeistern von 1954, und Fußball-Weltenbummler Rudi Gutendorf, inzwischen 90 Jahre alt, Platz. Die Trainer-Legende, die in 54 Ländern dieser Welt schon aktiv war, wurde natürlich weder beim Führungstreffer der Gastgeber durch Gerd Zens noch bei der anschließenden Großchance von Christian Oliva zum 2:0 in irgendeiner Weise nervös.
Gutendorf saß mit einem Blouson der TSG Hoffenheim auf der Auswechselbank - und lobte deren Trainer Julian Nagelsmann, dem er zuletzt beim Training über die Schulter geschaut hatte, in den höchsten Tönen: „Der wird seinen Weg gehen. Vor allem nimmt er auch was an, er hat ja noch nicht so die Erfahrung wie ich.“
In sich ruhte auch Eckel, den sie in seiner ruhmreichen Zeit beim 1. FC Kaiserslautern und in der Nationalmannschaft um Fritz Walter nur den „Windhund“ nannten. „Meine einzige Beschwerde ist, dass ich jedes Jahr ein Jahr älter werde. Wenn es aber noch ein paar Jahre so weitergeht, bin ich zufrieden“, erklärte der 85-Jährige. Sorgen macht er sich nur um „seinen“ 1. FC Kaiserslautern: „Ich bin noch oft auf dem Betzenberg, aber leider lassen sie mich nicht mehr mitspielen.“ Eckel war von seiner Tochter Dagmar nach Mertloch begleitet worden - und sie hatte für ihren Vater nur einen Tipp parat: „Papa, trink dein Bier nicht zu hastig.“
Der Vorsitzende des Maifelder SV zeigte sich sehr zufrieden. „600 Zuschauer, das Wetter hat mitgespielt, die Rahmenbedingungen waren gut, alle hatten ihren Spaß: Was wollen wir mehr?“ fragte Trarbach. Der Vorsitzende des Fördervereins „Flüchtlingshilfe Maifeld“, Klaus Meurer, und der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Maifeld, Schirmherr Ingo Schrooten, waren überwältigt: „Mit einer solchen Summe hätten wir beim besten Willen nicht gerechnet. Der Vorstand wird nun in aller Ruhe überlegen, wie er dieses Geld vernünftig einsetzt.“
Fußball spielen und helfen - das ist das, was die Lotto-Elf seit 18 Jahren immer wieder erfolgreich praktiziert. Auch in diesem Jahr gastiert sie in insgesamt 13 rheinland-pfälzischen Orten und schnürt für verschiedene soziale Zwecke die Fußballstiefel. Die Auftaktveranstaltung fand just am vergangenen Freitag in Mertloch statt, wo Peter Auer, Dimo Wache, Guido Buchwald, Carsten Cullmann, Nikolai Foroutan, Michael Dämgen, Harry Koch, Michael Kuntz, Evangelos Nessos, Stephan Engels, Dariusz Wosz, Zlatibor Sasic, Celia Sasic, Anel Dzaka, Alexander Löbe, Stefan Kuntz und Sven Demandt den Kader bildeten und die Ü40-Auswahl der Mertlocher auf Herz und Nieren prüften.
Rund um die Begegnung sorgte ein umfangreiches Programm für viel Unterhaltung. Im Vorfeld des Benefizspiels gab es für Kinder und Jugendliche des Vereins ein Schnuppertraining mit Torwart-Legende Wolfgang „Otto“ Kleff und Ex-Nationalspieler Wosz. Währenddessen leitete Nika Krosny-Wosz ein Cheerleader-Training mit rhythmischer Sportgymnastik, an dem viele Maifelder Flüchtlingskinder teilnahmen.
9000 Euro kamen für den Förderverein „Flüchtlingshilfe Maifeld“ zusammen.
Vor 600 Zuschauern ließ auch Stefan Kuntz, der Europameister von 1996, sein Können aufblitzen.
