Lokalsport | 12.09.2018

TuS Oberwinter

Deutschland und der Fußball zu Zeiten der Gründung des TuS

Oberwinter. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) wurde am 28. Januar 1900 in der Leipziger Gaststätte „Mariengarten“ gegründet. Weitere Meilensteine im deutschen Fußball waren die Einführung der Deutschen Meisterschaft 1903 und die Bildung einer Nationalmannschaft 1908. Die Zahl der Fußballvereine nahm einen rasanten Aufschwung. 1904 gab es in Deutschland 194 Vereine, bis zum Beginn des 1. Weltkrieges hatte sich die Zahl auf 2200 verzehnfacht. Größter Verein war damals die SpVgg Fürth. Die Männer, die vor dem 1. Weltkrieg dem runden Leder hinterherjagten, wurden im besten Fall belächelt oder als Proleten beschimpft. Die gesellschaftliche Anerkennung blieb dem Fußball lange verwehrt. Der Pastor befürchtete, dass der Sonntag nicht mehr heilig war, denn an diesem Tage wurde gebolzt. Die Politik stand in Zeiten des militärischen Hochrüstens und der Gründung von Kolonien im Clinch mit dem Mutterland des Fußballs: England. Und alles, was von der Insel kam, wurde äußerst kritisch beäugt. So war es kein Wunder, dass die Kicker sich sogar als Vaterlandsverräter beschimpfen lassen mussten. Der Sporthistoriker Erik Eggers spricht von den Anfängen der Popkultur Fußball, die auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges begann. In einer Zeit, in der der Tod hinter Schützengräben lauerte, stillte das runde Leder die Bedürfnisse der Frontsoldaten nach ausgleichender Beschäftigung. Und als der Krieg verloren war, luden die deutschen Soldaten den neuen Gefährten ins Gepäck und machten ihn in der Heimat populär. So kamen am 29. März 1920 neun junge Männer im Gasthaus „Zum Goldenen Anker“ in Oberwinter zusammen, um die Gründung des TuS Oberwinter einzuleiten: Heinrich Arenz, Wilhelm Prinz, Willy Müller, Josef Schwenzer, Johannes Clemens, Karl Häger, Jakob Schneider, Rudolf Seeger und Willy Weygold. Nach fünf Jahren ohne Fußball auf Reichsebene wurde in der Saison 1919/20 wieder eine deutsche Fußballmeisterschaft ausgetragen. Deutscher Meister wurde in Frankfurt am Main am 13. Juni 1920 der 1. FC Nürnberg, der 2:0 gegen die SpVgg Fürth gewann. In den goldenen 20er Jahren etablierte sich der Fußball als Volkssport Nummer Eins. Überall entstanden Stadien, um dem wachsenden Interesse zu entsprechen. Dem TuS Oberwinter kam der damalige Oberbürgermeister von Köln und spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer zu Hilfe: Er ermöglichte die Verpachtung der Rheinwiesen bei Rolandseck, die zum damaligen Beamtenerholungsheim der Stadt Köln gehörten. Der TuS Oberwinter hatte seinen ersten Sportplatz. Die ersten Spiele dort wurden gegen Mehlem und Bad Bodendorf ausgetragen. So begann die nun bald 100 Jahre währende Erfolgsgeschichte des TuS Oberwinter.

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