Lokalsport | 04.05.2018

EMS im Motorsport

Entspannung durch Spannung

Personal Trainer Otmar Schacherbauer macht Rennfahrer fit

Training in der Werkstatt – dank mobilem EMS. V. l.: Otmar Schacherbauer, Achim Nett, Jürgen Nett. Andreas Krein

Mayen. Ein Unfall im Motorsport hinterlässt meist Schäden. Im günstigsten Fall nur verbeultes Blech. Auch das Selbstvertrauen und das Ego des Fahrers können dabei Kratzer erhalten. Dann sind da aber auch noch die körperlichen Auswirkungen, die ein Einschlag in die Leitplanken haben kann.

Um die Blechschäden kümmert sich die Mechanikertruppe. Der bedingungslose Rückhalt im Team hilft dem verunfallten Fahrer sicherlich, das Thema mental abzuhaken. Beim letzten Punkt, also den physischen Folgen, kann EMS (Elektromyostimulation) helfen. Ein Experte auf diesem Gebiet ist Otmar Schacherbauer. Der Bayer, der vor drei Jahren in die Eifel gezogen ist, hat sich mit einer Praxis für EMS-Training in Mayen selbstständig gemacht und bietet zudem auch mobiles EMS-Training an.

EMS entstammt der Physiotherapie und ist ein Ganzkörper-Muskeltraining, bei dem die Muskelzellen durch elektrische Impulse erregt werden. „Im Prinzip können so alle 656 Muskeln des Körpers trainiert werden“, sagt Schacherbauer. „Neben dem Training kann EMS auch in der Behandlung von Schmerzen helfen, auch dann, wenn selbst starke Schmerzmittel ihren Dienst versagen.“

Seit 2017 arbeitet der 56-jährige mit dem Mayener Rennstall „Team EuroRepar Autohaus Nett Motorsport“ zusammen. Dank des mobilen Systems sind Trainingseinheiten im Autohaus oder in der Werkstatt in der Koblenzer Straße sind dabei keine Seltenheit. Es ermöglicht Schacherbauer aber zudem, mit den Fahrern direkt an der Rennstrecke zu arbeiten.

Rückblick

Freitag, 23. März 2018, Testfahrten zur neuen VLN-Saison am Nürburgring. Jürgen Nett ist im Abschnitt „Hatzenbach“ der Nordschleife unterwegs, als ein technischer Defekt ihn zum Passagier seines Peugeot 308 Racing Cup TCR macht. Der Aufprall in die Barriere zerstört den Peugeot in einem Maße, dass an einen Start bei den ersten beiden Saisonläufen nicht zu denken ist. Die Schmerzen an Rücken und der Hand scheinen zu Saisonlauf zwei (mit dem Peugeot 306 als Ersatzfahrzeug) bereits ausgemerzt zu sein, als Jürgen Nett am Freitag vor dem Rennen von den Folgen seines Unfalls eingeholt wird. „Der Schmerz im Rücken kam zurück, sodass ich kaum noch aufrecht gehen konnte“, erklärt der 51-jährige. „Also habe ich Otmar angerufen und tatsächlich war ich durch das Training dann in der Lage, am nächsten Morgen das Qualifying in Angriff zu nehmen. Um fürs Rennen bestens vorbereitet zu sein, haben wir dann in der Pause nach dem Quali eine weitere Einheit nachgelegt.“

Das EMS-Training steht selbstverständlich nicht nur Rennfahrern zur Verfügung. „Lediglich für Patienten mit Herzschrittmachern und Schwangere ist EMS nicht geeignet“, so Schacherbauer. Doch wo genau liegt der Nutzen für Motorsportler? Der Personal Trainer, dessen eigene Wurzeln im Marathon- und Triathlon (IronMan) – Sport liegen, sagt: „Die Fahrer sitzen bei Langstreckenrennen oftmals zwei Stunden ununterbrochen im Auto, sind fest in den Sitz geschnallt und die G-Kräfte tun ihr Übriges. Nach so einem Stint ist der Körper ganz einfach verspannt. Und hier helfen die elektrischen Reize dabei, die Muskulatur wieder zu entspannen. Für das Training brauchen wir nicht viel Platz. Ein kleines Eckchen in der Teamlounge oder im Truck reicht uns.“

Erfolgreiches Konzept

Das Konzept spricht sich rum, sodass Otmar Schacherbauer nicht nur am Standort Mayen in der Brückenstraße expandiert (eine weitere Trainerin unterstützt ihn hier). Auch am „Ring“ werden seine Dienste immer häufiger gefragt. Am Samstag vor dem Qualifikationsrennen zu den 24 Stunden bekam Schacherbauer einen Anruf von Conny Bonk, der Teamchefin von Bonk Motosport, mit denen sich Nett Motorsport eine Box am Nürburgring teilt. Ihr Ehemann Michael Bonk, der als Fahrer und Teamchef in Personalunion agiert, hatte sich einen Nerv eingeklemmt und war bewegungsunfähig. Otmar Schacherbauer machte sich auf den Weg. Mit Erfolg: Dank schneller Hilfe aus Mayen sprangen für die Münsteraner tags drauf zwei Podestplätze heraus.

Pressemitteilung

Andreas Krein

EMS-Coach Otmar Schacherbauer unterstützt Nett Motorsport.

EMS-Coach Otmar Schacherbauer unterstützt Nett Motorsport.

Training in der Werkstatt – dank mobilem EMS. V. l.: Otmar Schacherbauer, Achim Nett, Jürgen Nett. Fotos: Andreas Krein

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