SV Rot Weiß Queckenberg
Erste Mannschaft war siegreich
Queckenberg. Lang, lang ist’s her, als das letzte Mal auf dem heiligen Tempelberg Fußballkunst in einem Punktspiel bestaunt werden durfte. Und ein jeder, der sich am vergangenen, nebelverhangenen feucht-trüben Sonntag auf Wallfahrt gen St. Mount Queck begab, spürte, welch magische Anziehungskraft dieser Gipfel unweit der Madbach auf seine Pilgerschaft ausstrahlt. Von nah aber auch von fern zog es Jung und Alt hinauf auf den Berg. Man wollte sich endlich wiedersehen, man wollte das neue Vordach bestaunen, welches nun wohl eine der reizvollsten Tribünen im Fußballkreis Bonn beschirmt. Man wollte die wilden Kerle der RWQ-Reserve und die Profis des SV Rot-Weiß Queckenberg zum Erfolg brüllen. Vor allem wollte man aber an jenem Heimspielauftakt eines: Helfen! Nur wenige 100 Meter Luftlinie vom Heinrich-Kessel-Sportfeld entfernt haben vor sechseinhalb Wochen in der ganzen Gemeinde Queckenberg viele bekannte Gesichter innerhalb weniger Stunden ein nie für möglich gehaltenes Horrorszenario hilf- und ratlos durchleben und mit eigenen Augen ansehen müssen. Und nun, wo man zumindest im Kreisligafußball wieder zur Normalität übergehen durfte, machten sich die Kerle von der Madbach, wohlgemerkt beide Mannschaften, Gedanken, wie man zumindest ein bisschen helfen kann, denen, die so viel Leid erfahren mussten. Unter Federführung von Urqueckie „Fetti“ Declair, der mittlerweile 162-mal das rot-weiße Trikot mit Blut, Schweiß, Adrenalin, Testosteron und manch anderen Körperflüssigkeiten tief getränkt hat, wurde festgelegt: wir spenden die Einnahmen an diejenigen, die unverschuldet in Not geraten sind.
Als sich so gegen 20 Uhr endlich die Wogen glätteten, die Fußballgesänge sich langsam beruhigten und auch die fünfte Halbzeit ganz allmählich ausklang, wurde voller Spannung der Kassenstand ermittelt. Der SV Rot-Weiß Queckenberg bedankt sich bei all seinen treuen Fans, Freunden und Unterstützern und freut sich über stolze eintausendfünfhundert Euro. Diese Summe wird an das Hilfswerk des Lions-Club Bonn-Rhenobacum e.V. übergeben mit der Bitte, damit Familien und Höfe in den Orten Queckenberg, Loch, Hardt, Sürst und Eichen zu unterstützen. Das zeigt, welch große Familie und welch eingeschworene Gemeinschaft die Kerle von der Madbach zusammen mit all ihren Getreuen in den letzten Jahren geschmiedet haben. Hier halten nicht nur elf Freunde zusammen wie zu Zeiten Sepp Herbergers; hier schreitet und kämpft, hier feiert und arbeitet eine gefühlte Hundertschaft zusammen, immer den Blick nach voran gerichtet, um gemeinsam auf und neben dem Platz positive Energie und Lebensfreude zu versprühen.
Ab 12:30 Uhr war die RWQ-Reserve gefordert gegen den Marokkanischen SV Bonn III. Im ersten Durchgang war es pure Lust, der Zweiten beim Fußballspielen zuschauen zu dürfen. Hinten stand man sattelfest und ließ aber auch überhaupt gar nichts anbrennen. Und im Spiel nach vorn kombinierte man sich teilweise über sehenswerte Doppelpässe und Ballstafetten immer wieder brandgefährlich ins Epizentrum des MSV. Nach einer halben Stunde brüllte der Mount Queck zum ersten Male im Jahr 2021 lautstark auf, als Dennis Knopp in klassischer Gerd Müller Manier aus Nahdistanz den MSV-Keeper zur hoch verdienten Führung übertölpelte. Leider waren die jungen wilden im zweiten Durchgang nicht mehr so kreativ, nicht mehr so geistig frisch. Warum auch immer hatte man das Selbstbewusstsein in der Kabine gelassen und überließ den Gästen immer mehr Spielanteile.
Am Ende stand eine absolut unnötige 1:3 Niederlage zu Buche, was nicht im Ansatz das Können und die Geilheit der Truppe auf Fußball widerspiegelte. Zu allem Überfluss verletzte sich kurz vor Ultimo der Torschütze schwer an der Hand und droht auf unbestimmte Zeit auszufallen – alles Gute Dennis und schnelle Besserung!
Erste Garde der zweiten Mannschaft: Kolvenbach – Meurer, Abdirahman, Stura, Schäfer – Knopp, Zurek, Kreuker, Schütt, Diallo – Gümüs.
Verstärkung: Knieps, D. Letizia, Fahl; Eiserne Reserve: Hassan, Neff.
Wer glaubte, dieses rassige Duell wäre für den Tag schon der Gipfel zünftiger und deftiger Fußballkost, der durfte ab 15:15 Uhr noch einmal gefühlte 100 Stufen auf der Fußballhimmelsleiter nach oben steigen. Dann wurde von Rainer Calmus die ewig junge, dafür aber stets intensive und explosive Kreisligafehde zwischen dem SV Rot-Weiß Queckenberg und dem SV Niederbachem III angeflötet.
Der Platz war aufgrund 120-minütigen Dauerregens und des Vorspiels zu einer knöcheltiefen Endmoränenlandschaft mutiert und verlangte beiden Vertretungen enorm viel ab. Zunächst gefielen die Döring-Bures-Buben mit guter Raumaufteilung, großem Kämpferherzen und euphorischem Spiel gegen Ball und Gegner.
Da Niederbachem weder mit den Platzausmaßen noch mit den widrigen Verhältnissen und dem physisch starken und robusten Spiel der Gastgeber zurechtkam, legte sich dieser die Gäste quasi zurecht. Nach einer halben Stunde hieß es dann, fertigmachen zum Jubeln: ein 10 Meter hohes und zwei Meter weites Flanken-Dingenskirchens von Paffenholz ließ Klemm am Strafraumeck mit der Rübe in den Sechzehner abtropfen, A. Watty ließ das morastige Spielgerät gar listig passieren, und der einschussbereite Schmitz avancierte mit dem lautstark bejubelten Führungstreffer zum Ersten Zeremonienmeister auf dem Mount Queck. Diese knappe Führung geriet nie in Gefahr und wurde sicher in die Halbzeit gebracht. Jetzt war Übungsleiter Döring als Chefpsychologe gefragt. Er musste all die euphorischen Schwingungen vor allem neben dem Platz bei seinen Jungs kanalisieren, damit diese nicht überschwänglich ins offene Messer rennen würden. Und genau auf diese Kunst versteht sich der Motivator bombastig. Er impfte den seinen nochmals eine extra große Portion Selbstbewusstsein in Herz und Nieren, ohne dass diese dabei überreagierten. Mit diesem Balsam im Körper und dem Döringschen Elixier im Geiste kämpfte der RWQ vorbildlich auf jedem Zentimeter der roten Schlammwüste. Als kurz vor Ultimo der souveräne Calmus dem vermeintlichen Ausgleich wegen Abseitsstellung zu Recht die Anerkennung verweigerte, war auch der Widerstand der extrem zähen, niemals aufsteckenden und dabei jederzeit unnachgiebig aber fair dagegen haltenden Gäste gebrochen.
Erste Garde: Claßen – Wappenschmidt, Uygur, Paffenholz, Deuster – Leifer, Declair, Klemm, Bures, A. Watty – Schmitz.
Verstärkung: Erol, Coskun, Sommer, Gümüs; Eiserne Reserve: Jörger.
Am 05.09.2021 hat die erste Garde spielfrei, die RWQ-Reserve darf ab 18:15 Uhr beim Godesberger FV IV um die ersten Punkte in der jungen Saison kämpfen.
Daniel Kunze
