Im Derby der Fußball-Rheinlandliga gab es für die Vulkanstädter nichts zu holen
Florian Stein: „Wir liegen im Krankenhaus, aber noch nicht auf der Intensivstation“
TuS Mayen - SG Eintracht Mendig/Bell 4:0 (2:0)
Mayen/Mendig. Die SG Eintracht Mendig/Bell muss sich in der Fußball-Rheinlandliga weiter nach unten orientieren, der TuS Mayen hat sich den Start zum 611. Lukasmarkt am Freitagabend mit einem 4:0 (2:0)-Sieg gegen den Lokalrivalen versüßt. Im Derby gab das Team von TuS-Trainer Thomas Reuter vom Anpfiff weg den Ton an und stellte die Weichen vor 402 Zuschauern auf dem Kunstrasenplatz im Nettetal frühzeitig auf Heimsieg.
Es dauerte nur drei Minuten, ehe Pascal Steinmetz nach Vorlage von Matthias Tutas den Ball aus kürzester Distanz zum 1:0 über die Linie schob. Pascal Gimnig hatte zuvor gegen Tutas völlig unnötig den Ball vertändelt, als er sich im Zweikampf abkochen ließ und Tutas damit die Chance zur mustergültigen Vorlage erst ermöglichte. Bereits eine Minute zuvor hatten die Mayener die Riesenchance zur Führung: Mendigs Schlussmann Jan Heinemann kam im Strafraum gegen Steinmetz zu spät, der Unparteiische Markus Wozlawek aus Bad Breisig hatte bereits auf den Elfmeterpunkt gezeigt und Heinemann mit Gelb verwarnt, aber Schiedsrichter-Assistentin Anne Noll hatte beim Zuspiel auf Steinmetz eine Abseitsstellung gesehen.
Mayen ließ nichts anbrennen
Dennoch: Mayen ließ im Derby nichts anbrennen. Spätestens mit dem 2:0 nach einem trockenen 18-Meter-Schuss ins lange Eck von Christopher Hallfell (35.) waren die Kräfteverhältnisse geklärt. Mendigs beste, weil einzige Möglichkeit im gesamten Spiel verbuchte Niklas Heinemann mit einem Kopfball (15.), mehr war von den Vulkanstädtern in der Offensive nicht zu sehen.
Daran änderte sich auch nach der Pause nichts. Der TuS verwaltete die Führung und schien gedanklich bereits bei der Achtelfinal-Partie um den Rheinlandpokal gegen den Regionalligisten SV Eintracht Trier am Mittwoch um 19 Uhr im Nettetalstadion.
Mendig/Bell fehlte einfach die Klasse, um sich gegen erneut laufstarke Mayener in Szene zu setzen. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der dritte TuS-Treffer fallen würde - bezeichnenderweise erzielten diesen die Mendiger in Person von Mark Spohler gleich selbst (82.). Den Schlusspunkt hinter eine durchwachsene zweite Hälfte setzte Niklas Weis mit dem 4:0 in der 90. Minute, der damit auch noch mal Selbstvertrauen für den anstehenden Pokal-Kracher tankte.
„Der Sieg war auch in der Höhe verdient“, zeigte sich SG-Kapitän Niklas Heinemann, früher auch in Diensten des TuS Mayen, als fairer Verlierer.
„Es ist natürlich bitten, ein so frühes Gegentor zu kassieren. Damit war unsere taktische Marschroute gleich über den Haufen geworfen. Danach waren wir besser im Spiel, bei unseren Standardsituationen aber ganz einfach nicht geil genug, das Tor zu machen. Bei einem 1:1 geht so ein Spiel von vorn los. Das 2:0 nach einem individuellen Fehler von uns bedeutete die Entscheidung. Ich habe hier noch viele Freunde, jetzt muss ich mir wieder Wochen und Monate anhören, dass wir verloren haben.“
Der Ex-Mendiger Tim Schneider, vor der Saison ins Nettetal gewechselt, hatte sich die Aufgabe nicht so einfach vorgestellt: „Klar, die Mendiger haben in der Sommerpause viele Spieler verloren und mussten eine neue Mannschaft aufbauen.
Dass sie aber so wenig zu bieten hatten, damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet. Wir haben den Ball aber klug laufen gelassen und hervorragend verteidigt. Wir können zufrieden sein.“
Ein zufriedener Trainer
Zufrieden war natürlich auch der Mayener Trainer. „Der Derby-Gedanke stand bei uns nicht so sehr im Mittelpunkt. Es war ein Spiel, wo wir die drei Punkte holen wollten, um uns in der Tabelle oben festzusetzen. Wir wollten das Ding früh für uns entscheiden, das ist uns auch gelungen. Danach hatten wir viel Dominanz und das Spiel im Griff“, so Thomas Reuter, der dennoch ein Haar in der Suppe fand. „Ich muss meiner Mannschaft zum Vorwurf machen, dass sie viele Zweikämpfe in der Luft, gerade im Zentrum, verloren hat. Das war unser einziges Defizit, daran müssen wir arbeiten.“
Nichts beschönigen wollte sein Gegenüber. „Den Plan, lange ohne Gegentor zu bleiben, hatten wir auch. Er war aber nach drei Minuten Makulatur. Das passiert halt im Fußball. Fußball ist nicht planbar, Fußball ist nach wie vor ein Stück weit ein Glücksspiel. Nach der Drangphase der Mayener so früh zurückzuliegen, war für uns natürlich ein Nackenschlag. Es sind zwar noch 87 Minuten zu spielen, aber ein Tor zu diesem Zeitpunkt nimmt dir schon etwas die Motivation, gerade in unserer derzeitigen Situation. Da gehen die Köpfe erst mal runter, vor allem dann, wenn eh schon wenig Selbstvertrauen vorhanden ist“, gab Florian Stein zu. Aufgeben will er aber nicht: „Auf der Intensivstation liegt die Mannschaft noch nicht, aber sie liegt im Krankenhaus. Wir sind angeschlagen und robben uns Woche für Woche von einer Notelf zur anderen, Es ist schwer, da im Moment irgendjemandem einen Vorwurf zu machen. Wir hatten heute keine wirkliche Chance, deshalb ist der Mayener Sieg auch völlig verdient. Wir stellen uns aber und laufen nicht weg, speziell ich nicht.“
TuS Mayen: Michel, Schneider, Daub, Mund, Bokumabi, Unterbörsch (83. Schmitt), Steinmetz, Tutas, Weis, Mey (77. Jenke), Hallfell (67. Uhrmacher).
SG Eintracht Mendig/Bell: J. Heinemann, Kostrewa, Sauerborn, Khallouk, Gimnig, To. Schumacher (46. Court), Spohler, N. Heinemann, Doeppner, Rawert, Geisen.
Schiedsrichter: Markus Wozlawek (Bad Breisig).
Tore: 1:0 Pascal Steinmetz (3.), 2:0 Christopher Hallfell (35.), 3:0 Mark Spohler (82., Eigentor), 4:0 Niklas Weis (90.).
Zuschauer: 402.
Nächste Aufgaben für den TuS Mayen: am Mittwoch, 19. Oktober, um 19 Uhr im Achtelfinale des Rheinlandpokals gegen den Regionalligisten SV Eintracht Trier und am Sonntag, 23. Oktober, um 14.30 Uhr beim SV Mehring.
Nächste Aufgaben für die SG Eintracht Mendig/Bell: am Mittwoch, 19. Oktober, um 19.30 Uhr bei der SG Kyllburg/Badem/Gindorf und am Sonntag, 23. Oktober, um 14.30 Uhr gegen die SG 99 Andernach.
