Sascha Müller wird neuer Verbandstrainer des Tennisverband Rheinland
„Ich freue mich auf die Herausforderung“
Präsident Klaus: Er passt hervorragend auf unser Anforderungsprofil
Koblenz. Das kann heute schon gesagt werden: Der Tennisverband Rheinland hat einen guten Griff getan. Sascha Müller ist von Samstag, 1. Oktober an neuer Verbandstrainer. „Er passt hervorragend auf unser Anforderungsprofil“, stellt DTB- und TVR-Präsident Ulrich Klaus zufrieden fest. Der Mann an der Spitze des deutschen Tennissports verteilt keine Vorschusslorbeeren, wenn er erklärt: „Als ich Mitte April erfuhr, dass Bijan Wardjawand nach 21 Jahren als TVR-Coach seinen Vertrag nicht mehr verlängern will, habe ich gleich an Müller gedacht.“ Verständlich, wenn die Vita des Mayener Jung´ betrachtet wird, der sich gegen ein Dutzend ernsthafter Mitbewerber durchsetzte und auf den sich vor Wochenfrist das Verbandspräsidium endgültig festlegte.
Bereits seit 1997 ist Sascha Müller Cheftrainer des Andernacher TC
Schon in jungen Jahren wurde Müller, der mittlerweile auch eine Tennisschule leitet, im Winter 1997 Cheftrainer des Andernacher TC. „Es war eine sehr erfolgreiche Zeit“, so der noch 39-jährige Familienvater rückblickend, besonders gern erinnert er sich an eine Auszeichnung durch den Deutschen Olympischen Sportbund: Das Grüne Band für die beste Jugendarbeit 2013, damals als einziger deutscher Tennisverein. „Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich in Andernach machen konnte, und dass ich mich als Trainer frei entfalten durfte“, sagt Sascha Müller.
Die Erfolgsgeschichte des Vereins ist mit einem Namen verknüpft. Anna-Lena Friedsam, Aushängeschild des TVR und auf Position 46 der WTA-Rangliste, zwischenzeitlich sogar Nummer 33 im Champions Race, bei dem nur die Ergebnisse des aktuellen Jahres berücksichtigt werden, kam als Zehnjährige zum Andernacher TC und spielte bis zur Saison 2014 im TC-Damenteam. Seit Anfang 2015 wird Friedsam auf ihren Reisen zu den großen Turnieren in aller Welt von Sascha Müller begleitet und betreut. „Er hat Erfahrung in Talentsichtung und beim Training mit den Jüngsten, kennt sich aber auch auf der Profiebene aus“, weiß Verbandspräsident Ulrich Klaus. „Er deckt also alle Facetten des Verbandstrainers ab und kennt die Landschaft im Bezirk Rheinland und auf Rheinland-Pfalz-Ebene.“
Spagat zwischen Nachwuchs und Weltklasse
Den Spagat zwischen Nachwuchs und Weltklasse, Landesleistungszentrum und Grand Slam wird Sascha Müller „in Absprache mit dem Verband und dem Andernacher TC“ auch im nächsten Jahr vollziehen. „Ich freue mich auf die Herausforderung, bin mir aber auch meiner Verantwortung als Verbandstrainer voll bewusst“, betont er. „Man darf den Talentaufbau vor Ort nicht verschlafen.“ Andererseits weiß der erfahrene Trainer, wie wichtig die gute Betreuung einer WTA-Spitzenspielerin auf den Reisen von Turnier zu Turnier ist. Einen „ersten Impuls“, wie er es nennt, gab ihm die Arbeit als Sparringspartner der Slowenin Tina Krizan vor 20 Jahren, vergangenes Jahr begleitete er Anna-Lena Friedsam „bei fast 70 Prozent ihrer Turniere.“ Mitte der Woche geht´s zu den New Haven Open, einem Vorbereitungsturnier auf die US Open. Es gibt so gut wie keine Spielerin auf der TWA-Tour, die auf eine umfassende Betreuung verzichten kann und will. „Es ist tägliche harte Arbeit, hat aber auch viel mit Psychologie zu tun“, umschreibt er seine Tätigkeit, „denn es gilt, eine mentale Stärke aufzubauen.“ Für jede Begegnung muss ein Matchplan erarbeitet werden, während der Zeit außerhalb des Platzes ist mehr als nur fachliche Kompetenz erforderlich: „Dafür muss Vertrauen hergestellt werden.“ In nächster Zeit soll das Duo Friedsam/Müller mit einem Reisecoach und einem Fitnesstrainer, der sich kontinuierlich um die körperliche Befindlichkeit der Spielerin kümmert, zu einem noch professionelleren Team ausgebaut werden. „Damit wollen wir noch ein paar Prozent gutmachen, die auf diesem hohen Niveau viel entscheiden können.“
Für erfolgreiche Arbeit braucht es ein gutes Team
Auch auf der Karthause, wo von Oktober an sein neuer Arbeitsplatz sein wird, will Sascha Müller die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen.
Dazu braucht es zwei Tennis- und einen Fitnesstrainer, der bereits bestehende Kontakt zu einem Physiotherapeuten soll ausgebaut werden. „Außerdem kann ich auf die erfahrenen Lehr- und Ausbildungsreferenten des Verbandes zurückgreifen.“ 30 bis 35 junge Spielerinnen und Spieler umfasst der TVR-Kader derzeit, „ich muss mir jetzt einen Überblick verschaffen, wer den Anforderungen gerecht wird“, sagt Coach Müller. „Mit ambitionierten Kindern zu arbeiten, macht mir ebenso viel Freude wie die Betreuung einer Weltklassespielerin.“
Hinzu kommt die Sichtung des Bambini-Jahrgangs 2009. In enger Zusammenarbeit mit den Vereinstrainern und guter Kommunikation mit den Eltern werden motorische Fähigkeiten sowie das Lerntempo getestet und vor allem muss geprüft werden, ob Tennis überhaupt die richtige Sportart für das Kind ist. „Es geht aber nicht nur um Vor- und Rückhand, sondern auch um die Persönlichkeitsentwicklung“, betont Müller. „Für all das haben wir auf der Karthause gute Gegebenheiten.“
