Lokalsport | 15.06.2018

Im Plaidter Racing-Team gibt es jetzt eine weitere Rennlizenz

Kowalski jun. teilt sich das prickelnde Rennfieber nun mit Mr. Sidecar

Sandro Kowalski (li.) und Tim Röder bei ihrer Renn-Premiere auf der Strecke des Flughafens Walldürn.Privat

Plaidt. „Vor 20 Jahren haben mich alle ausgelacht und für verrückt erklärt. Heute bin ich nicht nur der Älteste, sondern auch einer der schnellsten Sidecar-Fahrer Europas.“, so Horst Maria Kowalski im Frühjahr vergangenen Jahres und er ist es heute noch! Der 75-jährige Motorradsport-Promi mit über 40-jähriger Wettkampferfahrung hat auch für die Saison 2018 eine Rennlizenz erworben, versetzt also weiterhin so manches Mal den Atem der Zuschauer ins Stocken. „Ich starte jedoch nur noch, wenn ich eingeladen werde“, merkt Mr. Sidecar, wie man den agilen Pellenzer in der Szene nennt, an. „Suche mir nun die Rennen aus, zu denen ich fahre.“

Wenn der Wurm drin ist

Manchmal kommt es jedoch anders als geplant. Horst Kowalski hatte im April das Equipment für die Moto Classico auf dem Autodromo im italienischen Franciacorta bereits gepackt, die Symptome einer starken Grippeinfektion zwangen den Senior dann aber, auf die Reise und die Rennteilnahme zu verzichten. Das Mai-Pokal-Revival auf dem Hockenheim-Ring sollte dann aber das nächste Ziel des Sidecar-Fahrers Horst Kowalski und seines Beifahrers Marcel Reimann sein. Während der 4. Runde des ersten Rennens auf der berühmten Strecke, gab Reimann plötzlich das Zeichen zum Abbruch. Der Thüringer hatte sich drei Finger in der Kühler-Hitze verbrannt.

Zwar biss der schmerzgeplagte Sozius für das zweite Rennen des Wettbewerbs auf die Zähne, doch musste sich sich das Plaidter Racing-Team aus dem erneuten Kräftemessen der PS-Giganten drei Runden vor dem Ziel verabschieden: Ein von ihnen überrundetes Gespann krachte in die Spitze ihres Formel 1-Sidecars mit der Taditionsnummer 55. Die Folgen: ein dreifacher Dreher und eine völlig demolierte Verkleidung..

In Schleiz zeigte Mr. Sidecar, was er drauf hat

14 Tage später, bei der ADAC Sparkassen Klassik am Schleizer Dreieck stand Marcel Reimann aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht als Beifahrer zur Verfügung. War es da eher ein Zufall oder Schicksal, dass sich ein früherer Teampartner von Horst Kowalski an der Rennstrecke tummelte? Jens Wasiak zögerte nicht, als ihm Mr. Sidecar vertretungsweise den Platz im Beiwagen anbot. Trainingsfünfter und ebenfalls ein fünfter Platz (von 22 Startern) im ersten Rennen für das Revival der beiden Motorsportfreunde. Im zweiten Rennen sorgte das Racing-Team dann für eine Sensation und Begeisterung auf den Zuschauerrängen: Aus der zweiten Reihe der Startaufstellung gut weg gekommen, wagten beide in der dritten Runde einen aussichtsreichen Angriff in der Schikane. Als plötzlich das zu überholende Gespann die Spur wechselte und Sidecar 55 einengte, fanden sich Kowalski und Wasiak im Kiesbett wieder und mussten zehn Sidecars (!) an sich vorbeidröhnen lassen. Die Stimme des Ansagers gewann an Temperament und überschlug sich fast, als Teufelskerl Horst Maria Kowalski und Jens Wasiak ihre Rennmaschine wieder aus dem Kies bewegten und es ihnen gelang, in einer beispiellosen Aufholjagd die zehn Nutznießer ihres „Ausflugs“ wieder hinter sich zu lassen. Am Ende durften sich Kowalski/Wasiak mit ihren zahlreichen Fans darüber freuen, noch einen unerwarteten achten Platz unter den 19 Startern errungen zu haben.

Wie der Vater, so der Sohn

Adrenalin pur und extreme Herausforderungen reizen den legendären „Mr. Sidecar“ Horst Maria Kowalski. An ein Ende des aktiven Rennsports mag er noch nicht denken. „Ich höre erst auf, wenn mein Sohn Sandro schneller fährt als ich!“, lacht er. Der 23-Jährige Mechatroniker und heutige Racingteam-Chef Sandro hat offenbar schon mit der Muttermilch auch den Geruch von Motorenöl kennen gelernt. Bereits im Kleinkindalter nahm ihn der Papa mit an die Rennstrecken. Da wuchs natürlich die Begeisterung und das Interesse beim Filius, einmal in dessen Fußstapfen zu treten Vor der aktuellen Saison gab der stolze Vater die Parole aus: „Die ersten beiden Rennen fahre ich. Dann darfst Du ran.“ Die in Hockenheim beschädigte rot-weiß-blaue Sidecar-Verkleidung war inzwischen ausgetauscht und trägt nun einen neuen Fahrernamen: Sandro Kowalski. Dies wird jedoch auch den Senior nicht davon abhalten, weiter in Nr. 55 zu starten. Sein Debüt gab Sandro dann mit Beifahrer Tim Röder im Juni bei der ADAC Odenwaldring Klassik auf dem Flugplatz in Walldürn. Dem Jungfahrer und Motorenspezialist war die Technik des eigenen Gespanns zwar schon lange vertraut, doch auf der Strecke galt der Junior noch als Greenhorn. Vor Ort ging der rennerfahrene Vater mit Sandro die Strecke ab, gab ihm Tipps. Hilfreich war es auch, dass die Rennleitung dem Newcomer ausnahmsweise ein vierfaches 20-minütiges Training genehmigte. Schließlich konnte das Duo Kowalski jun./Röder bei seiner überraschend rasanten „Jungfernfahrt“ über 13 Runden den Pokal für einen ehrbaren 5. Platz in Empfang nehmen.

Im Kowalski-Zelt fiel der aufgepeitschte und erschöpfte Debüt-Fahrer nach seinem ersten Rennen vor Mr. Sidecar - seinem Vater - auf die Knie und gestand: „Entschuldige - jetzt weiß, ich erst, was du geleistet hast!“

Michael Krupp

Kowalski jun. teilt sich das prickelnde Rennfieber nun mit Mr. Sidecar

Sandro Kowalski (li.) und Tim Röder bei ihrer Renn-Premiere auf der Strecke des Flughafens Walldürn.Fotos: Privat

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