Lokalsport | 31.05.2016

TTC Grenzau, Tischtennis-Bundesliga

Leitwolf Tomas Pavelka zieht weiter

Der Vorstand des TTC Zugbrücke Grenzau und die Brexbach-Haie ließen es sich nicht nehmen, Tomas Pavelka nach 15 Jahren einen gebührenden Abschied zu bescheren.

Höhr-Grenzhausen. Dieser Abschied fällt richtig schwer: Nach 15 Jahren in Diensten des TTC Zugbrücke Grenzau verlässt Tomas Pavelka den Tischtennis-Bundesligisten und kehrt in seine tschechische Heimat zurück. Neuer Sportlicher Leiter und Cheftrainer wird derweil Dirk Wagner, der von der Werner-Schlager-Academy in Wien-Schwechat in den Westerwald wechselt und von 2006 bis 2010 als Cheftrainer bei Rekordmeister Borussia Düsseldorf fungierte.

Es hatte sich seit Wochen angedeutet, auch wenn es eigentlich anders geplant war. Einst als hoffnungsvolles Talent im zarten Alter von 17 Jahren an den Brexbach gekommen, hat sich Pavelka im Lauf der Zeit zum Spieler, Spielertrainer und letztlich hauptverantwortlichen Bundesliga-Trainer entwickelt und am Fuß der Zugbrücke große Erfolge gefeiert. Umso mehr schmerzt die Entscheidung des 36-Jährigen, nun einen neuen Abschnitt in seinem Leben einzuleiten. „Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Grenzau und habe die Leute ebenso wie den Westerwald lieben gelernt“, erklärte Pavelka, der mehr als die Hälfte seines Lebens in Deutschland verbracht hat. „Es war an der Zeit, etwas Neues zu wagen und meinen Horizont zu erweitern.“

Künftig wird Grenzaus jahrelanger Leitwolf für den tschechischen Erstligisten Franzensbad unweit der deutschen Grenze aufschlagen und dort auch als Trainer im tschechischen Olympiastützpunkt mitwirken. Am Samstagabend wurde Pavelka in Grenzau vom Verein, von den TTC-Spielern sowie vom treuen TTC-Fanklub „Die Brexbach-Haie“ verabschiedet. Das sei ihm sehr nahe gegangen, vor allem der Abschied von Manfred Gstettner, Annette Hartmann (ehemalige Jacobs) und den Fans. „Aber wir haben vereinbart, dass die Tür in Grenzau für mich immer offensteht“, sagte Pavelka. Vielleicht kehre er ja eines Tages zurück.

„Eigentlich hatten wir gehofft, dass er bleibt. Einen neuen Vertrag hatten wir schon ausgearbeitet, er sollte im Team mit Dirk Wagner arbeiten, doch Tomas hatte Zweifel“, erklärte der TTC-Vorsitzende Manfred Gstettner, der seinen jahrelangen Angestellten schweren Herzens ziehen lässt. „Es ist sehr schade, dass er geht, denn er ist ein wunderbarer Mensch und war über all die Jahre ein zuverlässiger und guter Partner“, sagte der TTC-Macher, der zurecht auf die Erfolge Pavelkas verweist. Gstettner: „Unter seiner Regie haben sich unsere Spieler sensationell entwickelt und sind zum Teil in die Weltklasse vorgerückt.“ Andrej Gacina, Masaki Yoshida, Jonathan Groth und Co. lassen grüßen.

Die Zweifel erklärt Pavelka vor allem auch damit, dass der 80-jährige Gstettner selbst mit Beginn der neuen Saison kürzertreten will und plant, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. „Ich hatte das Gefühl, dass es auch für mich an der Zeit ist, einen neuen Lebensabschnitt einzuläuten“, sagte Pavelka, der sich in den vergangenen Wochen mit seiner Verlobten Gabi intensiv beraten hat und hin- und hergerissen war. Letztlich war es eine Kopfsache.

Durch den Abschied des „letzten Mohikaners“ (Pavelka) der großen Grenzauer Spielerära der 90er- und 2000er Jahre mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, des nationalen sowie des Europapokalwettbewerbs ist der nächste Schritt des Totalumbruchs in Grenzau vollzogen. Künftig soll es Dirk Wagner im Gespann mit dem Chef der internationalen Tischtennis-Schule, Anton Stefko, auf der Zugbrücke richten. Der 44-Jährige kommt als renommierte Größe in den Westerwald, wo der gebürtige Thüringer mit seiner Frau und seinen zwei Kindern bereits ein Haus

sucht. Mit Borussia Düsseldorf feierte Wagner nationale und internationale Titel in Serie, formte Spieler wie Timo Boll und Christian Süß. „Der Job in unserem Verein ist genau sein Ding“, freut sich Gstettner über die Verpflichtung des weltweit bestens vernetzten Trainers. Laut dem TTC-Vorsitzenden soll er den Verein „international auf breitere Füße stellen und den Stützpunkt Grenzau weiter vorantreiben“. Gstettner süffisant: „Er ist unser neuer Außenminister.“

Derzeit weilt der neue Sportliche Leiter, der einen unbefristeten Vertrag in Grenzau unterzeichnet hat, noch bei einem Lehrgang in Katar, am 1. Juli wird er seine Arbeit im Westerwald antreten. Dann wird Pavelka alles andere als an Arbeit denken: Der 36-Jährige heiratet am 5. Juli seine Gabi und fährt dann erst mal in die Flitterwochen. Vielleicht wird ihn das über den Abschiedsschmerz am Brexbach ein wenig hinwegtrösten.

Der Vorstand des TTC Zugbrücke Grenzau und die Brexbach-Haie ließen es sich nicht nehmen, Tomas Pavelka nach 15 Jahren einen gebührenden Abschied zu bescheren.

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