Deutsche Jugend-Meisterschaften in Rostock
Majtie Kolberg holt auch den zweiten DM-Titel in diesem Jahr
Spannendes Finale gegen Nele Weßel
Ahrweiler/Rostock. Nach der „Papierform“ könnte es sich für Außenstehende im Vorfeld ganz einfach dargestellt haben: Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) wies bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in der U20 mit 2:05,93 Minuten über 800 Meter die schnellste Vorleistung auf und war auch die einzige weibliche deutsche Teilnehmerin auf den Mittelstrecken (800, 1500 Meter) bei den U20-Weltmeisterschaften in Tampere/Finnland. Dort gelang ihr mit der Halbfinalteilnahme im weltweiten Vergleich auch eine starke Vorstellung.
Doch ein Blick auf der Ergebnislisten der Deutschen Jugendmeisterschaften der U20 und der U18 in Rostock zeigen, dass viele der WM-Starter (U20 in Tampere) oder EM- (U18 in Györ) kurze Zeit nach dem internationalen Höhepunkt ihre Leistungen nicht mehr wiederholen konnten. So gab es Starter, die bei der U20-WM Fünfter waren und jetzt bei der U20-DM mit Platz Vier zufrieden sein mussten.
Anders lief es bei Majtie Kolberg! Am Samstag zeigte sie ihre ganze Routine im Vorlauf und gewann kontrolliert und kräftesparend das Rennen in 2:15:52 Minuten.
Am Sonntag war dann aber ein spannendes Finale zu erwarten. Nele Weßel (SCC Berlin) und Alina Schönherr (LAC Erfurt) hatten um wenige Zehntelsekunden die WM-Norm von 2:06,00 Minuten verpasst und wollten zeigen, dass sie auch nach Tampere gehört hätten.
Direkt nach dem Start setzten sich Majtie und Nele an die Spitze des Feldes. 30 Sekunden zeigten die Uhren bei 200 Meter. Danach wurde das Tempo verschleppt. Nach 65 Sekunden wurde die 400-Meter-Marke passiert. Beide liefen bis 550 Meter nebeneinander: Nele innen, Majtie außen. Dann ergriff Majtie die Initiative und startete einen Vorstoß. Nele Weßel und Alina Schönherr versuchten zu kontern, Majtie behauptete aber ihre Position und lief die letzte Kurve an der Spitze des zehn Läuferinnen starken Finalfeldes.
Auf der Zielgeraden kam dann der erwartete Angriff von Nele Weßel. Siebzig Meter vor dem Ziel lag die Berlinerin um Zentimeter vorne, Majtie „hielt gegen“. Dann sprinteten beide Brust an Brust dem Ziel entgegen. Auf den letzten zwanzig Metern erwies sich dann Majtie als die Stärkere. War es der stärkere Wille oder die bessere Säuretoleranz? Egal! Majtie lief nach 2:10,85 Minuten als strahlende Siegerin durchs Ziel.
Damit hatte sie alle Saisonziele erreicht: Nach dem Hallentitel im Winter folgte jetzt an der Ostsee der zweite Deutsche U20-Meistertitel - und auch das übergeordnete Ziel „WM-Teilnahme mit angemessener Darstellung“ - war trotz einiger gesundheitlicher Probleme im Mai erfüllt worden. Bereits 2014 war die Gymnasiastin Deutsche U16-Meisterin über 800 Meter geworden. Von den damaligen Finalteilnehmerinnen waren vier Jahre später nur noch erschreckend wenige Läuferinnen in Rostock am Start.
Jetzt entspannt Majtie einige Tage an der Ostsee, um dann den nächsten Zielen entgegenzusehen.
