Claus Bünnagel aus Alteheck finishte 100-km-Marsch trotz unerwarteter Probleme
Megamarsch mit Hindernissen
Grafschaft. Zum dritten Mal nach 2021 und 2022 finishte Claus Bünnagel aus Alteheck (Grafschaft) Ende September den 100-km-Megamarsch-Köln. Alles andere als begeistert äußerte er sich anschließend über die Organisation der Ultramarschveranstaltung. „Die Markierung der Strecke war völlig unzureichend. Schon auf der ersten Hälfte nach Start mittags am Fühlinger See und nach der Rheinüberquerung in den ausgedehnten Waldgebieten südlich von Leverkusen bzw. westlich von Bergisch-Gladbach waren viele Markierungen auf dem Boden völlig verwischt und kaum noch zu sehen. Sie waren einfach auf dem losen Untergrund aufgesprüht. Das schöne Wetter hatte aber viele Menschen in die Natur rund um die Domstadt gelockt, so dass sie mit Mountainbikes oder Wanderschuhen über die Markierungen fuhren und liefen. Sie waren so für die Megamarsch-Teilnehmer an vielen Kreuzungen kaum noch wahrzunehmen“, berichtete Bünnagel. „Hier wären an Bäumen angebrachte Schilder die deutlich bessere Wahl gewesen.“
Problem verschärft sich
Dennoch sei er auf der ersten Hälfte noch halbwegs zurechtgekommen, vor allem da er stets andere Teilnehmer als Orientierungspunkte vor sich hatte. Das änderte sich ab dem zweiten Verpflegungspunkt bei Kilometer 42. Hier hatte der 52-Jährige bereits einen Großteil der in Startgruppen vor ihm losgegangenen Ultramaschierer überholt. Mit der einsetzenden Dunkelheit verschärfte sich das Problem. An markanten Abzweigen fehlten nun Hinweise völlig. „Es gibt eine Stelle im Stadtteil Rodenkirchen, wo man, nachdem man mehrere Kilometer geradeaus am Rhein unterwegs war, um 90° abbiegen muss. Unverständlich, dass hier an dieser neuralgischen Stelle ein Hinweis auf die Richtungsänderung völlig fehlte. Jemand, der das erste Mal dabei ist, geht somit womöglich noch kilometerlang geradeaus weiter, zumal auf dem Weg von der zweiten Rheinüberquerung per A4-Südbrücke bis dorthin auch kaum Pfeile aufgesprüht waren.“ Er habe aus seinen bisherigen Teilnahmen allerdings noch gewusst, dass er in diesem Sektor irgendwo rechts abbiegen musste. Als er gerade die Suche nach dem nächsten Pfeil gestartet hatte, kam zum Glück für ihn ein weiterer Teilnehmer an diese Stelle, der sich aus dem Vorjahr ein markantes Gebäude in der Nähe als Fixpunkt gemerkt hatte. Zusammen fand man die nächste Markierung – mehrere Meter tief in der abbiegenden Straße, wo sie im Prinzip wenig nutzte.
Durchfragen und Prinzip Glück
Im Verlauf des Megamarsches blieben selbst solche verspäteten Wegmarkierungen aus, so dass schließlich nur noch Instinkt, Erfahrung aus den Vorjahren, die Befragung von Passanten oder das Prinzip Glück weiterhalfen. Einige Zeit konnte sich Bünnagel auch auf die Schilder des Kölnpfads G1 verlassen, dem der Megamarsch im Kölner Süden größtenteils folgt. Umso unverständlicher für den Grafschafter Sportler, dass die Streckenführung in diesem Jahr mitunter den Kölnpfad verließ und auf Fahrstraßen ohne Bürgersteig wechselte – nicht ohne Gefahrenpotenzial. Denn viele Autofahrer nahmen die Ultramaschierer mit ihren schwach scheinenden Stirnlampen kaum war. In einer Linkskurve konnte Bünnagel einem mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit entgegenkommenden Gelenkbus nur durch den Sprung in den Straßengraben ausweichen. Der Fahrer hatte ihn schlichtweg übersehen.
Ab Kilometer 70, als der G1 endgültig verlassen wurde und keine Schilder weiterhalfen, erhielt Bünnagel schließlich willkommene Unterstützung durch Mitstreiter Adrian aus Kerpen. Dieser hatte ein GPS-Gerät dabei, so dass sich ihm der Grafschafter anschloss. Zusammen bewältigte man das letzte knappe Drittel der Strecke. Um Punkt 4.30 Uhr erreichten beide das Ziel am Fühlinger See als zwei der schnellsten Finisher. Allerdings konnte Bünnagel mit genau 16 Stunden – Gesamtschnitt von 6,25 km/h – die anvisierte Wunschzeit von 15.15 bis 15.30 Uhr nicht mehr schaffen. Dafür hatte die Wegsuche einfach zu viele Minuten und Motivation gekostet.
Er zog daher ein gemischtes Fazit: „Nach dem Start war es zunächst mit bis zu 25°C deutlich zu warm. Trotzdem lag ich noch bis zum Abend auf Kurs 15 Stunden. Angesichts der vielfältigen Schwierigkeiten bei der Routenfindung bin ich am Ende mit einer Zeit von 16 Stunden dennoch halbwegs zufrieden.“ Zum Vergleich: Den topografisch deutlich anspruchsvolleren, aber perfekt markierten Rhein-Ahr-Marsch Anfang Juli hatte Bünnagel trotz Trainingsrückstand ebenfalls in 16 Stunden bewältigt.
Kritik an den Organisatoren
Deutliche Kritik äußerte er an den Organisatoren: „Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen ist angesichts einer Gebühr von im Schnitt 75 Euro nicht eben günstig. Der kommerzielle Megamarsch generiert damit und mit Merchandising, Sponsorengeldern sowie Fotografenlizenzen Umsätze von deutlich über 100.000 Euro. Dafür ist eigentlich eine optimale Streckenmarkierung zu erwarten.“ Zwar empfiehlt die Organisation die Nutzung einer Wander-App oder eines GPS-Geräts, macht das aber nicht zur Bedingung für die Teilnahme. Neben den Kosten für das mitunter selten genutzte Equipment erfordert dies zudem die Mitnahme weiterer Gerätschaften wie einer Power-Bank und Ladekabel. „Ich bin aber meist mit Minimalausrüstung unterwegs, in meine kleine Bauchtasche passt nur das Smartphone selber“, so Bünnagel. Zudem habe er sich auf die Streckenmarkierung verlassen, nachdem diese bei seiner letzten Teilnahme 2022 vorbildlich gewesen sei.
Insgesamt waren beim Megamarsch 2024 in Köln 1.378 Teilnehmer am Start, von den 791 das Ziel erreichten, ein hoher Anteil davon in einer Zeit zwischen 21 und 25 Stunden. Die Finisherquote betrug damit 57,4 Prozent.