Lokalsport | 09.03.2022

Sportleiter und Renndirektor der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) im Interview

Michael Bork über die 12h Nürburgring

„So etwas hat es auf der Nordschleife noch nicht gegeben“

Michael Bork, Sportleiter und Renndirektor der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS).  Foto: VLN/Gruppe C Photography

Nürburgring. Michael Bork im Interview über die „12h Nürburgring“, die 2022 erstmalig vom 9. bis 11. September in der Grünen Hölle ausgerichtet werden. Der Sportleiter und Renndirektor der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) spricht über die Besonderheiten des sportlichen Reglements sowie die größte Herausforderung bei diesem einzigartigen Rennen.

Warum wurde aus dem Double-Header, der 2020 aufgrund der Corona-Pandemie aus der Not heraus geboren wurde, ein 12h-Rennen?

Gemeinsam mit dem Nürburgring denken wir ständig darüber nach, wie wir die Nürburgring Langstrecken-Serie verbessern, weiterentwickeln und für unsere Teams, Teilnehmer, Partner und Fans weiter attraktiv und interessant machen können. Diese Gedanken und Überlegungen haben dazu geführt etwas Neues zu schaffen – ein Highlight. So wurde eben diese Idee geboren, ein Rennen über zwei Tage zu absolvieren, mit einem ansprechenden Rahmenprogramm für die Zuschauer und für unsere Teams, Teilnehmer und Partner.

Die Resonanz auf diese Idee war durchweg positiv…

Ja, das stimmt. Nachdem ich als Sportleiter der NLS zusammen mit Christian Stephani und Ralph-Gerald Schlüter in mehreren Jour fixe detailliertere Gedanken dazu zusammengetragen hatte, haben wir das Ganze unter anderem auch der ILN, der Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring, vorgestellt. Dabei waren einige Teams anwesend. Diese haben es sogleich für gut befunden. Eine grundsätzliche Ablehnung des 12h-Rennen haben wir bis heute nicht bekommen.

Eine Frage, die oft gestellt wird: Warum wird das 12h-Rennen in zwei Abschnitte unterteilt? Warum wird nicht zwölf Stunden am Stück gefahren?

Das ist eigentlich der einzige Diskussionspunkt. Die Teams und Fahrer würden gerne die zwölf Stunden ohne Unterbrechung am Stück fahren. Natürlich wäre dies sportlich die korrekteste und gerechteste Lösung. Wir haben uns aber bewusst dafür entschieden, das Rennen zu splitten, um den Charakter eines mehrtägigen Events zu bekommen. In Zukunft werden wir neben dem Event-Programm hoffentlich auch Rahmenserien dabei haben. Wir wollen daraus ein tolles Wochenende für alle machen. Alles, was der Nürburgring zu bieten hat, soll mit eingebunden werden.

Viele Teams haben ein begrenztes Budget und fürchten, dass die Kosten zu hoch sein werden. Die Nenngelder sind aber beispielsweise im Verhältnis zur Renndistanz niedriger…

Das Nenngeld beträgt das Doppelte eines 4h-Rennens, weil wir das Ganze attraktiv gestalten wollten, wir wollten nichts überstrapazieren. Deswegen gab es diese klare Ansage. Wir müssen auch erst einmal die Resonanz abwarten. Ein 12h-Rennen, aufgeteilt auf zwei Tage, ist nicht alltäglich. Das ist – vor allem wie wir das sportlich interpretieren – etwas vollkommen Neues. Wir haben positive Rückmeldungen, aber wissen ja noch nicht was bei der ersten Veranstaltung an Teams und Zuschauern kommt. Insofern haben wir versucht es, auch was das Nenngeld angeht, vernünftig zu gestalten.

Inwiefern unterscheidet sich das sportliche Reglement eines 4h-Rennens von einem 12h-Rennen?

Im Grunde genommen ist es ein zweigeteiltes 12h-Rennen. Die Abläufe der 6h-Teil 1 am Samstag und der 6h-Teil 2 am Sonntag sind wie gehabt, so wie die Teilnehmer und Fans es in der NLS kennen. Alles, was zwischen der Unterbrechung des Rennes ab 21:30 Uhr am Samstagabend und der Wiederaufnahme des Rennens ab 10 Uhr am Sonntagmorgen passiert, ist allerdings vollkommen neu für alle beteiligten Teams und Fahrer, sowie für uns in der Organisation und Rennleitung. Deswegen ist der Artikel 18.7 im sportlichen Reglement für das 12h-Rennen auch deutlich umfangreicher ausgefallen, als ich mir das vorab gedacht hatte. Es sind viele Spezial- und Sonderfälle zu bedenken. Zum Beispiel soll jeder, der am Samstag wegen eines technischen Defekts oder einer Kollision ausfällt, die Möglichkeit bekommen, an der zweiten Rennhälfte am Sonntag wieder teilnehmen zu können. Es gibt besondere Parc-Fermé-Bestimmungen, wir müssen unter anderem ausschließen, dass Fahrzeuge, die beim Abwinken in der Boxengasse stehen, sofort mit einer Reparatur beginnen. Es sind gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Das macht es sehr umfangreich.

Am Samstag wird von 15:30 Uhr bis 21:30 Uhr, am Sonntag von 10 Uhr bis 16 Uhr gefahren, warum wurden diese Zeiten gewählt?

Es ist von uns gewollt, dass wir am Samstag in die Dunkelheit hinein fahren. Ab 20 Uhr, je nach Wetterlage, fahren wir in die Dämmerung und wollen diese besondere Abendstimmung bei dem 12h-Rennen dabeihaben. Wir möchten nicht mit dem 24h-Rennen verglichen werden oder damit vergleichbares schaffen. Es ist uns wichtig, dass die Teams mit ihren Helfern und Gästen, mit den Fahrern, den Sponsoren und der Familie unmittelbar nach der Rennpause gemeinsam einen schönen Abend haben können. Da haben wir von dem Double-Header gelernt. Die Stimmung am Samstagabend im Fahrerlager war fantastisch.

Teams und Fahrer, die am Samstag Erster in ihrer Klasse wurden, aber am Sonntag zum Beispiel aufgrund eines Unfalls ausfallen, erhalten anteilige Wertungspunkte, wie ist das genau geregelt?

Beim 12h-Rennen wird es natürlich im Vergleich zum 4h- oder 6h-Rennen die meisten Punkte geben, wenn man beide Rennhälften komplett absolviert. Wir haben in diesem Jahr auch ein neues Wertungssystem. Aber, angenommen, ein Team fällt im zweiten Teil am Sonntag aus, dann ist es nicht umsonst gefahren, sondern es erhält anteilig Punkte für die erste Hälfte, sozusagen für das inoffizielle Zwischenergebnis. Gleiches gilt umgekehrt bei einem Ausfall am Samstag.

Das Re-Start-Prozedere am Sonntag dürfte zu einer Herausforderung werden, wenn die Autos in den tags zuvor erzielten zeitlichen Abständen einzeln wieder auf die Strecke gehen…

So ein Re-Start-Prozedere hat es, nach meiner Kenntnis, im Motorsport noch nicht gegeben. Das wird eine große Herausforderung für die Rennleitung werden. Aber wir haben uns viele Gedanken gemacht und sind zuversichtlich, dass das Prozedere funktionieren wird. Nach dem Ende des nächtlichen Parc Fermé am Sonntagmorgen werden die Autos in der Boxengasse in drei Fahrspuren sortiert in der Reihenfolge, in der sie am Samstag die Ziellinie überquert haben. Und zwar nach der Uhrzeit. Mit diesen Abständen, zum Beispiel sechs oder zwölf Sekunden, schicken wir die Autos auf die Strecke. Das setzt voraus, dass die Fahrer dabei mitwirken, dass sie konzentriert sind und möglichst nicht das Auto abwürgen, dann wäre die Spur blockiert. So etwas müssen wir zum Beispiel berücksichtigen. Deswegen werden wir uns in diesem Punkt mit vielen Leuten sehr gut aufstellen. Die erste Runde ist ein Full-Course-Code 60. So bleiben die zeitlichen Abstände zwischen den Fahrzeugen erhalten. Wenn dann alle Fahrzeuge draußen sind, wird das Rennen durch gleichzeitiges Zeigen der grünen Flaggen auf der gesamten Rennstrecke und Einzug der Code 60-Schilder wieder freigegeben.

Pressemitteilung VLN

Michael Bork, Sportleiter und Renndirektor der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS). Foto: VLN/Gruppe C Photography Foto: ES / Gruppe C Photography

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