Pro-Europa-Tour der Equipe EuroDeK
Radsportler setzen sich für ein friedliches Europa ein
Montabaur/Nassau. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Gesellschaft das gemeinsame Europa, ganz selbstverständlich als friedens- und wohlstandserhaltende Errungenschaft feiern durften. Vielfältigen Krisen und Bedrohungen ausgesetzt, gilt es die europäische Flagge zu zeigen und sich für Europa einzusetzen. Dies taten die Radsportler der traditionsreichen Equipe EuroDeK in den beiden heimischen Radsportvereinen RSV Oranien Nassau und RSG Montabaur mit der von ihr organisierten „Pro-EUROPA-Tour“.
Startschuss
Der Startschuss durch den heimischen Europaabgeordneten Karsten Lucke als Schirmherr, fiel pünktlich am Europahaus in Bad Marienberg. In einer auf die thematische Woche einstimmenden Gesprächsrunde lobte der Abgeordnete bei einem kleinen Imbiss das wohl einzigartige und lange vorbereitete Projekt der Radsportler aus dem Westerwald und von der Lahn: „Fast alles ist inzwischen von der EU durchdrungen, deshalb brauchen wir mehr solcher Initiativen wie eure Pro-EUROPA-Tour“, so Lucke.
Da einige der Equipler als freiwillige Helfer im Ahrtal mit angepackt hatten, war das erste Etappenziel das von der Flutkatastrophe vor 2 Jahren verwüstete Tal. Ganz knapp verschont blieb damals das neue Inklusionshotel zum Weinberg, in dem die Radler übernachten durften. Das Besondere an dem gastlichen Haus: Es arbeiten dort viele Menschen mit einer Behinderung.
Zu einem für 20 bis 30 Minuten geplanten Tischgespräch konnte nach dem Abendessen Hermann-Josef Pelgrim begrüßt werden. Zum Thema „Wie hilft die EU beim Wiederaufbau im Ahrtal?“ entwickelte sich aber ein fast zweistündiges ebenso informatives wie spannendes Gespräch rundum den Wiederaufbau und die nötige Weiterentwicklung im Ahrtal. „Von insgesamt ca. 30 Mrd. Euro in Aussicht gestellter Fördermittel trägt die EU nur etwa 612 Millionen“, so der Geschäftsführer der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler mbH. Interessant für die Radsportler war die Aussage des Referenten, dass aktuell ein durchgehender und 3,5 m breiter Ahrtalradweg geplant wird.
Zweite Etappe
Auch die zweite Etappe führte zunächst noch einige km durch das Ahrtal wo im beschaulichen Ort Müsch einige von der Flut betroffene Anwohner nach ihren Ängsten und Erwartungen befragt wurde. Zunächst etwas verwundert, weshalb Radfahrer im Ort stoppten und mit ihnen das Gespräch suchten, waren sie dann doch sehr mitteilungsfreudig. „2016 hatten wir ein deftiges Hochwasser, 2021 dann die Katastrophe, aber wir wissen alle und haben Angst davor, dass uns eine ähnliche Flut jederzeit wieder treffen kann“, so ein älterer Herr. „Die wird kommen, egal wann“ fügte ein Nachbar hinzu.
Ziel des zweiten Tages war Bitburg, wo die Equipe zunächst im Europäischen Berufsbildungswerk (Euro-BBW) von dessen Leiterin Anita Sonndag zu Kaffee und Kuchen sowie einem einleitenden Vortrag begrüßt wurde. Mit der modellhaften Einrichtung in Trägerschaft des DRK-Landesverbandes sei versucht worden, zu einem Europa der Chancen für Jugendliche mit einem Handicap beizutragen. Hier werde auf 250 Ausbildungsplätzen Europa gelebt und jeder Euro sei mehr als eine gute Zukunftsinvestition. „Leider hat die EU bei der Schaffung und Anerkennung von länderübergreifenden Ausbildungsangeboten noch erheblichen Nachholbedarf“ so die engagierte Einrichtungsleiterin. Wie die Ausbildung praktisch aussieht, konnte anschließend in der Schreinerei als einem von 17 verschiedenen Berufsfeldern mit zwei Fachausbildern in Augenschein genommen werden.
Bei einem Besuch in Bitburg muss auch die örtliche Braugruppe als bekanntestes Unternehmen der Stadt einbezogen werden. Am „Bitburger Bierbrunnen“ wartete Verkaufsleiter Gerd Müller auf die bei hochsommerlichen Temperaturen durstigen Radler zu einem Fototermin, dem sich bei einer Verköstigung in flüssiger rund fester Form ein Tischgespräch anschloss. Thema dabei waren die „Absatzmärkte der Bitburger Brauerei in Europa“. Dies sind neben Italien auch Frankreich, Großbritannien und die Niederlande. „Wir sind ein Familienunternehmen, dem Klimaneutralität wichtig ist und das für viele gesellschaftliche Bereiche von Sport bis Kultur vieles mit ermöglicht“, so Müller. Aber auch seinem Unternehmen mache das Kneipenstreben zu schaffen.
Dritte Etappe
Die 3. Etappe führte in das Saarland zum Denkmal „Für die großen Europäer“ über den Höhen von Berus-Überherrn. Im Jahr 1970 wurde es auf einem der höchsten Punkte der Region als Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung errichtet. In einer 10-minütigen Besinnungszeit innerhalb des Denkmals wurde von den Radsportfreunden beider Länder mit dem Ausrollen des Tour-Banners an die Staatsmänner Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide de Gasperi und deren Ideale für Europa erinnert. Eine besondere Überraschung erlebte die Equipe beim Bezahlen der Rechnung für Übernachtung und Verpflegung im benachbarten Hotel „Margaretenhof“: „Wir leben und arbeiten neben dem Denkmal und haben so eine Europa-Gruppe wie euch noch nie bewirten dürfen, deshalb erhaltet ihr für eurer Europaengagement einen Rabatt von 10 Prozent!“, so der begeisterte Eigentümer.
Vierte Etappe
„Straßburg wir kommen“, hieß es dann auf der 4. Etappe! Nicht ohne dabei Kriegsgräber des 1. Weltkrieges am Wegesrand zur Kenntnis zu nehmen. Der 5. Tag stand dann (ganz ohne Rennräder) mit einem Besuch im Europaparlament ganz im Zeichen des Tourthemas. Dort wurde die Equipler bereits vom Schirmherrn MdEP Karsten Lucke erwartet und durch das futuristische Gebäude geführt, natürlich unter strengsten Sicherheitskontrollen. Der Abgeordnete erläuterte in einem Sitzungsraum den Gästen die Arbeitsweise der EU-Gremien und stellte fest: „Das EU-Parlament fand lange zu wenig Beachtung, was sich aber dank Themen, die nur Europa regeln kann, ändert“. Als Beispiele wurde die aktuelle Diskussion um die Künstliche Intelligenz (KI) oder der Umgang mit der Migration genannt. Zwischendurch begrüßte auch sein Westerwälder Kollege Ralf Seekatz die Besucher aus der Heimat.
Bevor die Gäste auf den Besucherrängen des Parlamentes Platz nehmen durften und in der Kantine verpflegt wurden, wurden Sie vom Vizepräsidenten Marc Angel begrüßt. Der sympathische Luxemburger stellte sich den Fragen der Radler und sagte: „Ohne die deutsch-französische Freundschaft gäbe es Europa in der jetzigen Form nicht“. Es folgte höchstes Lob für die langjährigen Aktivitäten der Equipe EuroDeK für die deutsch-französische Freundschaft. Bedauert wurde bei dieser Gelegenheit von allen am Tisch, dass die EU eine Bezuschussung der Pro-EUROPA-Tour nicht ermöglichen konnte. „Wir können das nicht verstehen und sind schon enttäuscht – es geht uns nicht um viel Geld, sondern nur etwas Anerkennung für unseren Einsatz für ein demokratisches Europa „, meinte einer der Radsportler.
Königsetappe
Am Folgetag führte die Königsetappe über 165 km und vielen Höhenmetern durch die Vogesen mit den Riesen „Grand Ballon“ und „Col du Platzerwasel“. Zur Mittagspause versammelten sich die Radler in dem kleinen Weindorf Bennwihr, dass gegen Ende des 2. Weltkrieges fast vollständig zerstört wurde. Dort wurde die neue Kirche St. Peter und Paul mit ihren wunderbar leuchtenden Fenstern als Zeichen der Hoffnung besichtigt. Es konnte wohl keinen passenderen Ort geben für ein Statement zum vor genau 60 Jahren unterzeichneten „Elysee-Vertrag“. Darin wurde von Adenauer und de Gaulle die deutsch-französische Freundschaft besiegelt. Am Abend gefiel besonders die urige Etappenunterkunft oben am Berg.
Letztes Etappenziel
Zum letzten Etappenziel wurde die Equipe nach sturzfreier Fahrt in der Europastadt Breisach im altehrwürdigen Rathaus oben auf dem Münsterplatz empfangen. Mit den Worten „Wir sind stolz, dass wir letzter Gastgeber der Pro-EUROPA-Tour der Equipe sein dürfen“, begrüßte Beigeordneter Frank Kreutner die Biker. Er wies stolz darauf hin, dass Breisach sich bereits 1950 als erste Stadt in Europa in einer denkwürdigen Abstimmung zu einem vereinten Europa bekannt habe. Tourstikchefin Annette Senn lobte beim Empfang die grenzenlose Vielfalt der Region zwischen dem Schwarzwald und dem Elsass.
Vorher hatte die Equipe das deutsch-französische Historial am „Hartmanswillerkopf“ besichtigt, mit dem an die Kämpfe im 1. Weltkrieg erinnert wird. Für die Führung der Gruppe hatte die Gedenkstätte eignes einen ehemaligen Radrennfahrer aus den Vogesen eingesetzt. Er fasst die wechselvolle Geschichte des Elsass und der Vogesen in den eindrucksvollen Worten zusammen: „Erst waren wir Deutsche, dann Franzosen, dann hat es sich noch zweimal geändert, jetzt sind wir Europäer!“
Pressemitteilung der
Equipe EuroDeK
