Vom Turnverein zum TuS – 125 Jahre Sportgeschichte in Dierdorf
TuS Dierdorf feierte Jubiläum mit Familienfest und Sportlergala mit Ehrungen
Sportplakette des Bundespräsidenten verliehen
Dierdorf. Sportlich wie geschäftsmäßig steht Walburga Rudolph seit vier Jahren an der Spitze des TuS Dierdorf, der in diesen Tagen sein 125-jähriges Bestehen feiern konnte. Aus diesem Anlass fand in der sonnenbeschienen Sportarena im Schulzentrum und abends im Martin-Butzer-Saal eine große Jubiläumsfeier statt, beginnend mit einem Gottesdienst, dann einem Familienfest mit Sportabzeichen und Spaßwettbewerben sowie einem Gala-Empfang mit hohem Besuch durch Staatssekretär Günther Kern vom Mainzer Innenministerium. Mit Weitsprung, Ballwurf, Sprints und Hochsprung konnten sportlich Interessierte am Samstag den ganzen Tag über ihre Fitness unter Beweis stellen.
Der Name Rudolph, genauer gesagt des Ehepaars Walburga und Günther Rudolph, ist schon sehr lange mit der Erfolgsgeschichte des TuS Dierdorf verbunden. Seit 40 Jahren gehört Frau Walburga dem TuS an und fördert aktiv die sportlichen Karrieren der überwiegend jungen und jugendlichen Aktiven. Eine erfolgreiche Schülerin des Lehrerehepaars am Dierdorfer Martin-Butzer-Gymnasiums war 1981 die Dierdorferin Dagmar Pfeil, die Deutsche Meisterin im Crosslauf wurde. Dem war eine Zeit des Aufbaus der Leichtathletik-Abteilung des TuS vorausgegangen. Walburga Rudolph: „Die Leichtathletik-Abteilung war quasi eingeschlafen. Mein Mann hatte bereits in den sechziger Jahren für Erfolge des TuS in der Leichtathletik gesorgt. Als er jedoch nach dem Abitur zu einem Mainzer Verein wechselte, wurde es ruhig um die Leichtathletik in Dierdorf. Als ich am Gymnasium als Lehrerin anfing, haben wir die Leichtathletik-Abteilung wieder gegründet, einfach um auch an Jugend trainiert für Olympia teilnehmen zu können und gute Leute zu fördern. Der Verein wurde als reiner Turnverein vor 125 Jahren gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Ballspiele mit aufgenommen worden. Der Verein wurde umbenannt von Turnverein zu Turn- und Sportverein Dierdorf. Die Fußballabteilung kam dazu, dann Tischtennis, zwischendrin auch eine Volleyballabteilung, dann wurde die Frauengymnastikabteilung gegründet, Mutter-und-Kind-Turnen und mit dem Bau des Schwimmbads 1974 wurde dann auch die Schwimmabteilung aufgebaut.“
Leichtathletik und Schwimmen sind die stärkten Abteilungen
Leichtathletik und Schwimmen sind heute die beiden stärksten Abteilungen des TuS. Die anderen Sportarten haben sich größtenteils in andere Richtungen orientiert. Den Grund für die Auflösung der Fußballabteilung sieht Walburga Rudolph unter anderem in der damals beliebten Tendenz, Spielgemeinschaften mit anderen Ortschaften zu bilden: „Das führt schnell dazu, dass sich lokale Verantwortliche zurückziehen, weil sie sagen: Jetzt ist ja jemand da.“
Die 500 Mitglieder des TuS Dierdorf teilen sich heute je zur Hälfte auf die Schwimm- und die Leichtathletikabteilung auf. Der Kinder- und Jugendanteil ist nach wie vor sehr hoch. Um noch mehr Erwachsene für den Sport zu begeistern, will der Verein jetzt im Breitensportbereich aktiver werden, sagt Walburga Rudolph: „Vor drei Jahren haben wir den Lauftreff gegründet, der von Katja Dasbach geleitet wird. Außerdem gibt es die Eltern-Kind-Gruppe und im Schwimmbereich gibt es jetzt zahlreiche Fitnesskurse wie zum Beispiel Aquagymnastik.“
Talente des Tus Dierdorfs
Neben Dagmar Pfeil hat und hatte der Verein immer wieder große Talente, die mit Erfolgen glänzen konnten. So zum Beispiel auch Antje Schmuck, eine sehr gute Mehrkämpferin, und der Zehnkämpfer Christian Betzle, der heute Fitnesstudios in Hachenburg, Altenkirchen und Selters betreibt. Mit seinem Zehnkampfteam war Betzle drittbeste Mannschaft in Deutschland. Momentan gehört Alexander Lahr aus Großmaischeid zu den Aushängeschildern des TuS, der gerade bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften über 400 Meter startete. Louisa Kölzer ist eine gute Hochspringerin. Die 20-jährige Mudenbacherin schaffte eine Höhe von 1,68 Meter. Die Trainingsbedingungen in der Leichtathletik sind gut, sagt die Vereinsvorsitzende. Außer dem Schulsportstadion stehen zwei große Sporthallen zur Verfügung. Für die Schwimmer könnten die Bedingungen besser sein, meint Walburga Rudolph: „Die müssen sich das Aquafit mit einem anderen Schwimmverein teilen. Die Zeiten sind massiv gekürzt worden zuungunsten der Schwimmabteilung unseres Vereins.“
Ein Wunsch hat man: eine Sportlerehrung für Aktive
Einen konkreten Wunsch als Geburtstagsgeschenk an den Jubiläumsverein hat die TuS-Vorsitzende auch: „Dass es eine Sportlerehrung für die Aktiven gibt. Alle Verbandsgemeinden ringsum machen das, nur Dierdorf nicht. Angeblich gebe es zu viele Vereine hier und das würde zu teuer. Das trifft aber auch auf andere Kommunen zu, wo die Sportler geehrt werden. Hier würden bestimmt alle Vereine helfen, ein Rahmenprogramm zu erstellen. Für die Akzeptanz und die Leistungen der Jugend wäre es wichtig, dass so etwas auch in die Öffentlichkeit transportiert wird – auch für die vielen Ehrenamtlichen, die sich engagieren.“
Zum Festabend kamen 200 ehemalige Leistungssportler und Trainer des TuS. Staatssekretär Günther Kern überreichte die Sportplakette des Bundespräsidenten. Der Leichtathletikverband Rheinland und der Schwimmverband Rheinland ehrte Funktionäre des Vereins und Übungsleiter. Urkunden des Schwimmverbandes Rheinland gingen an Janina Lenz, Merle Schreiber, Manuela Wilke und Stephanie Schönberger aus der Schwimmabteilung des TuS. Ehrungen des Leichtathletikverbandes erhielten Martina Post (Bronze), Michael Thierbach, Lars Scheyer und Norbert Stommel (Silber) sowie Ulrich Post (Gold). Die DLV-Ehrung in Gold bekamen Günther und Walburga Rudolph.
Viele Helfer beteiligten sich beim Familienfest in der großen Sportarena des Schulzentrums an der Durchführung der Wettbewerbe. Wer wollte, konnte an diesem Tag auch sein Sportabzeichen ablegen.
