Dreharbeiten für einen Dokumentationsfilm laufen
Auf den Spuren von Pater Franz Reinisch
Vallendar. Der Pallottinerpater Franz Reinisch soll seliggesprochen werden. Im Mai 2013 wurde das entsprechende Verfahren im Bistum Trier eröffnet. Der Vallendarer Pallottiner Prof. P. Dr. Heribert Niederschlag wurde zum Postulator des Prozesses ernannt. Er überprüft bereits vorhandene Zeugenaussagen zu Ruf und Martyrium, aber auch den Grad der Verehrung Reinischs, bevor das Verfahren in Rom weitergeführt werden kann. Darüber hinaus hat sich der Priester aber noch ein weiteres Projekt vorgenommen: Reinischs Lebensweg soll mit einem Film dokumentiert werden.
Reinisch bewegt: Das wird deutlich durch viele Gläubige weltweit, die sich für seinen Seligsprechungsprozess starkgemacht haben, der im Mai 2013 im Bistum Trier nach jahrzehntelangen Bemühungen der Gemeinschaft der Pallottiner und der Schönstattbewegung eröffnet wurde. Seitdem bewegt der Pallottiner, der 1942 von den Nazis hingerichtet wurde, buchstäblich auch den Postulator des Seligsprechungsprozesses, Heribert Niederschlag SAC, und fünf weitere Mitstreiter, die seit vergangenem Jahr eine Dokumentation über den Fahneneidverweigerer Reinisch drehen.
Im April 2014 begab sich die Gruppe aus Theologen und Medienschaffenden an die Orte seiner Jugend: Innsbruck, Brixen und Bozen. Genau ein Jahr später, vom 20. bis zum 23. April 2015, verfolgten die „Reinisch-Reisenden“, wie sie sich selbst nennen, Reinischs „Schicksalsweg“, seine letzten Stationen bis zum Ort der Vollstreckung seines Todesurteils in Brandenburg-Görden. In Bad Kissingen, dem ersten Drehort, besuchte das Filmteam die ehemalige Manteuffel-Kaserne, heute ein modernes Gründerzentrum. Hier meldete sich Reinisch, einen Tag später als erwartet, am 15. April 1942, zum Einsatz und brachte sofort zum Ausdruck, dass er nicht daran denke, den Fahneneid auf Hitler, „diesen Verbrecher“, zu leisten. Ein Schicksalsort, an dem die Weichen für seine Gewissensentscheidung endgültig gestellt wurden. In Bamberg traf sich Reinisch auch noch mit Gläubigen zu geheimen Kursen, als er schon längst von den Nazis mit einem Redeverbot für das gesamte „Deutsche Reich“ belegt worden war. Nachdem er in Bad Kissingen deutlich gemacht hatte, dass er den Fahneneid auf Hitler nicht leisten würde, wurde der gewissenstreue Pallottiner ins Gefängnis nach Berlin gebracht. Das Todesurteil wurde in Brandenburg-Görden vollstreckt. In einer ehemaligen Garage, bestückt mit einem Fallbeil und einer Hängevorrichtung. Rund 2000 Menschen wurden im „Dritten Reich“ hier hingerichtet.
Der Film über den schicksalhaften Lebensweg des Pallottinerpaters Franz Reinisch von Angela Marlier und Pascal Nachtsheim wird voraussichtlich im kommenden Jahr auf DVD erscheinen. Ausführliche Informationen zu den Drehorten gibt es im Reise-Tagebuch der „Reinisch-Reisenden“, das in der vergangenen Woche auf https://www.facebook.com/PaterFranzReinisch veröffentlicht wurde. Ab dieser Woche steht das aktuelle Reisetagebuch auch auf der Homepage für den Pallottinerpater www.franz-reinisch.org zur Verfügung.
Pater Franz Reinisch.Foto: Archiv
Die „Reinisch-Reisenden“ vor der Gedenkstätte in der JVA Brandenburg-Görden (von links): Angela Nachtsheim, Pascal Nachtsheim, Angela Marlier, Justizvollzugsbeamter Fuchs, Dr. Sylvia de Pasquale, Leiterin der Gedenkstätten Brandenburg, Prof. P. Dr. Heribert Niederschlag, Postulator des Seligsprechungsprozesses, Timo Michael Keßler und Regens Martin J. Emge (Erzbistum Bamberg).Foto: privat
