- Anzeige - Kooperation Katholisches Klinikum Koblenz - Montabaur & CJD Berufsförderungswerk Koblenz
Die Chance auf einen (beruflichen) Neuanfang
Koblenz. Es war ein Sonntagabend in Hamburg. Und sie wollte nur die Straße überqueren. Was dann genau passierte, dafür fehlen Lisa Schmidt auch heute noch die Erinnerungen. Die 22-Jährige wird von einem Auto erfasst und dabei schwer verletzt. Gebürtig kommt sie aus Neuwied, hier leben ihre Eltern noch heute. Deshalb wird die junge Frau von der Hansestadt in die Koblenzer Region verlegt. Die angehende KFZ-Mechatronikerin stand kurz vor der letzten Prüfung, als dieser Unfall sie aus dem Berufsleben riss. Das war im November 2011. Anfang Oktober 2013 hat sie einen Neuanfang gewagt, macht an der Logopädieschule des Katholischen Klinikums Koblenz · Montabaur eine Ausbildung zur Logopädin. Möglich macht dies eine neue Kooperation des Klinikums mit dem CJD Berufsförderungswerk Koblenz (BFW Koblenz) mit Sitz in Vallendar.
Mit 16 Jahren will Lisa Schmidt die Welt entdecken. Hamburg macht den Anfang. Sie beginnt eine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin. Dann der Unfall - und der lange Weg zurück in den Alltag. „Bis zu meinem Unfall hatte ich das Wort Logopädie noch nie gehört. Doch dann war ich plötzlich selbst darauf angewiesen.“ Sie sprach nicht viel nach dem Unfall, was wohl an den starken Medikamenten lag. „Ich hatte einfach keine Lust zu reden, haben mir die anderen gesagt. Ich selbst habe daran kaum Erinnerungen.“
Das Sprachzentrum war durch den Unfall zum Glück nicht angegriffen, aber Lisa Schmidt hatte eine Schluckstörung. Seit 2011 wurde sie in der BDH-Klinik Vallendar behandelt, einer neurologischen Facheinrichtung mit den Bereichen Krankenhaus sowie medizinischer und medizinisch-beruflicher Rehabilitation. Hier erfährt die junge Frau viel Hilfe, die schon in der Reha durch eine medizinisch-berufliche Orientierung begann. Schnell wurde deutlich, dass ein Büroarbeitsplatz für Sie keine zukunftsorientierte Lösung ist. „Ich habe in dieser Phase ein sehr großes Interesse an der Logopädie entwickelt, habe schon als Patientin viel Wissen gesammelt, später auch ein Praktikum in diesem Bereich absolviert. Jetzt will auch ich Menschen helfen, ihre Sprache wiederzufinden.“ Neben dem Wunsch, Logopädin zu werden, stand nach einigen Tests fest, dass sie auch die Eignung für diesen Beruf mitbringt.
Mit diesem neuen Berufswunsch vor Augen stellte Lisa Schmidt einen Antrag auf „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“. Als Träger kommen grundsätzlich die Bundesagentur für Arbeit sowie die Träger der Renten- und Unfallversicherung in Frage. Auch die Jobcenter können Maßnahmen zur beruflichen Reha fördern, so legt es das Sozialgesetzbuch II (Paragraph 16) fest. Diese unterschiedlichen Zuständigkeiten waren auch für Lisa Schmidt irritierend. Doch sie erfuhr Unterstützung durch die BDH-Klinik.
Michael Stach, Berufspädagoge und Bildungsbegleiter, betreute die junge Frau während ihres Aufenthaltes. Nach einem Beratungsgespräch vor Ort bei der Deutschen Rentenversicherung Bund ging dann plötzlich alles ganz schnell. „Zurückblickend hatte ich viel Glück, denn die einfühlsame Beraterin hatte nicht darauf bestanden, eine klassische Umschulung durchzusetzen.“
Hierbei wird eine bis zu zweijährige Maßnahme gefördert, die Ausbildung an der Logopädieschule jedoch dauert drei Jahre. Um die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn sinnvoll zu überbrücken, bot die BDH-Klinik Lisa Schmidt an, einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu absolvieren. Dies tat sie dann auch, in der Abteilung für Logopädie. „Der BDH-Klinik und der Rentenversicherung habe ich viel zu verdanken - sie haben mir diese Chance überhaupt erst ermöglicht.“
Auch Angela Adomeit traf es hart. Vor 17 Jahren hatte die 39-Jährige erfolgreich ihr Krankenpflegeexamen abgelegt und anschließend auch im Beruf gearbeitet, dann kam ein Bandscheibenvorfall. Doch sie arbeitete weiter - bis sie Mutter wurde, sich fortan um Kinder und Haushalt kümmerte. Eine Rückkehr in ihren erlernten Beruf war jedoch aufgrund der starken Rückenbeschwerden nicht mehr möglich. Doch wie sollte Angela Adomeit herausfinden, welcher Beruf zukünftig für sie der Richtige wäre, wenn man doch seinen Traumberuf schon hatte? Sie wusste sich nicht zu helfen. Mit Menschen wollte sie gerne weiterhin zu tun haben. Sie recherchierte und fand heraus, dass die dreijährige Fachschulausbildung zur Logopädin ebenfalls ein Leistungsangebot zur Teilhabe ist.
Doch Angela Adomeit musste in einem Testverfahren zunächst unter Beweis stellen, dass sie den Anforderungen gerecht werden kann.
„Ich habe über die Deutsche Rentenversicherung Bund im Frühjahr 2013 ein Reha-Assessment im BFW Koblenz absolviert“, sagt die vierfache Mutter aus dem Westerwald. „Dort wurden neben praktischen Arbeitserprobungen auch meine Fähigkeiten getestet und mir anschließend aufgrund der positiven Ergebnisse die Genehmigung zur Umschulung erteilt. Ich bin durch meine erste Ausbildung medizinisch quasi vorbelastet und war schon immer therapeutisch interessiert“, sagt Angela Adomeit. „Dennoch ist jetzt vieles neu für mich, aber das Lernen macht unheimlich Spaß. Eine Ausbildung zur Logopädin absolvieren zu können ist eine tolle Chance für mich.“
Lisa Schmidt und Angela Adomeit sind die ersten beiden Auszubildenden, die aufgrund der neuen Kooperation zwischen dem BFW Koblenz und dem Katholischen Klinikum an der Logopädieschule ausgebildet werden. „Wir können durch diese Kooperation unser Leistungsangebot erweitern“, sagte Heinz Werner Meurer, Geschäftsführer des BFW Koblenz im Rahmen einer kleinen Feierstunde. „Wir haben mit der Ausbildung zum Logopäden einen für die berufliche Rehabilitation sehr interessanten Beruf dazugewinnen können. Und wir haben erstmals die Möglichkeit, auch außerhalb unserer Einrichtung eine Ausbildung gemeinsam mit einem starken Partner zu organisieren.“ Zum offiziellen Start der Kooperation besuchte Meurer gemeinsam mit Werner Hohmann, Hausoberer am Katholischen Klinikum, den Unterkurs in der Logopädieschule. Die Schülerinnen um Lisa Schmidt und Angela Adomeit hatten für diesen Anlass im Stimmbildungsunterricht das Lied „The Rose“ von Bette Midler zweistimmig einstudiert und unter Begleitung von Klavier und Querflöte sehr gefühlvoll vorgetragen. „Die Logopädie hat einfach ein ganz besonderes Flair“, unterstrich Meurer. „Das merke ich immer wieder, wenn ich hierher komme. Sprache wird hier schön. Und diese Schönheit der Sprache nimmt hier einen ganz besonderen Raum ein.“
„Für uns als kirchlicher Träger ist es wichtig, nicht nur im eigenen Planquadrat zu agieren, sondern nach draußen zu gehen, uns zu öffnen zum Beispiel für eine solche Kooperation mit dem CJD Berufsförderungswerk Koblenz“, sagte Werner Hohmann. „Den Schülerinnen möchte ich mit auf den Weg geben, dass sie bei uns jede menschliche und fachliche Unterstützung erhalten werden. Die Ausbildung zum Logopäden ist sicherlich fordernd, aber die Schülerinnen werden hier einen theoretischen und praktischen Unterricht erleben, der sie optimal auf ihrem Weg durch alle Phasen der Ausbildung begleiten wird.“