Konzertreihe „Marzellinus-Musik“ in der Pfarrkirche Vallendar
„Ein Orgelabend mit Kontrasten“
Kantor Johann Schmelzer lädt für den 6. Juli, 18 Uhr, ein
Vallendar. Drei große Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, August Gottfried Ritter und Louis Vierne bilden das Programm der letzten Veranstaltung der regelmäßigen Konzertreihe Marzellinus-Musik vor der Sommerpause, die am Sonntag, dem 6. Juli um 18 Uhr in der Vallendarer Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus Vallendar stattfinden wird. Kantor und Organist Johann Schmelzer wird in diesem Konzert einmal mehr virtuos zeigen, dass Orgelmusik kontrastreich sein kann und sich musikalische Gegensätze durchaus gut ergänzen. „Die Königin der Instrumente“ - so wird die Orgel genannt und das trifft wahrlich zu. Nicht nur ihre Größe, sondern auch ihr imposanter und lauter, aber zugleich sanfter und eleganter Klang sind immer wieder eindrucksvoll. Es sind nämlich gerade diese Gegensätze und Übergänge, von der die Musik lebt und warum sie auch nach Jahrhunderten fasziniert und fesselt. Das will die Konzertveranstaltung am 6. Juli in Vallendar hör- und erlebbar machen. Organist Johann Schmelzer hat Werke ausgewählt, die historisch und klanglich Kontrapunkte bilden - so kontrastiert Musik aus Deutschland mit der französischen Orgelsymphonik, Musik aus dem Barock mit Orgelklängen der Romantik. Aber auch innerhalb der Werke wird Kontrastreiches zu erleben sein. Vor allem in Louis Viernes (1870-1937) „Symphonie No.2 in e-moll“ (Op. 20) werden Gegensätze der Orgelsymphonik in Gestalt eines vor Lebensfreude sprühenden Scherzos und einer melancholisch und sehr lyrisch gehaltenen Cantilène hörbar gemacht. In diesem Werk, das 1902 entstanden und in erster Linie wegen des an einen Tango erinnernden Einleitungssatzes prominent ist, durchlebt der Hörer sehr starke stimmungs- und farbenmäßige Gegensätze, aber auch fluktuierende Dynamik, regen Registerwechsel und große Spannungskurven. Die Orgel wird so zum Orchester. Die Gegensätze in August Gottfried Ritters (1811-1885) „Sonate Nr. 3 in a-moll“ (Op. 23), die Mitte der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts entstanden und dem gleichaltrigen Franz Liszt gewidmet ist, sind da weniger ausgeprägt, aber auch vorhanden. Ritter, einer der bedeutendsten Orgelvirtuosen, Orgelsachverständigen und Komponisten des 19. Jahrhunderts, der als einer der Wiederentdecker der Musik Bachs gilt, kontrastiert in seiner Sonate viele klar unterscheidbare Affekte in Gestalt von mitreißenden Läufen, expressiver Harmonik, rezitativischen Episoden, lyrisch-singenden Phasen, Variationsfolgen und einer abschließenden Fuge. Ritter hasste Effekthascherei und setzte stattdessen auf straff und bisweilen virtuos durchkomponierten Orgelsatz, der durch prägnante Rhythmik oft sehr plastisch wirkt.
Der ruhige Adagiosatz des Choralvorspiel über „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ (BWV 662) von Johann Sebastian Bach (1685-1750), das der sogenannten Sammlung der „Leipziger Choräle“ entstammt und somit ein ausgereiftes Werk aus der späteren Schaffensperiode des Komponisten darstellt, rundet das kontrastreiche Konzertereignis ab. In der Reihe „Marzellinus-Musik“ finden in der Regel jeweils am ersten Sonntag im Monat in der Pfarrkirche Vallendar Konzerte statt, die verschiedenen kirchenmusikalischen Aspekten gewidmet sind; der Eintritt ist jeweils frei, um eine freiwillige Spende bei der Türkollekte wird gebeten. Nach der Sommerpause im September wartet dann wieder ein besonderes musikalisches Highlight auf die Musikfreunde: Am Sonntag, dem 14. September findet - zum nunmehr vierten Mal - um 18 Uhr ein Ökumenischer Evensong unter Beteiligung von acht Chören aus dem Bereich der Pfarreiengemeinschaft Vallendar statt.
