Allgemeine Berichte | 25.08.2015

Gedenken an Pater Franz Reinisch zum 73. Todestag

Eine einsame Gewissensentscheidung

Statio zum Todestag am Grab von P. Franz Reinisch SAC. privat

Vallendar. Vor 73 Jahren wurde der Pallottinerpater Franz Reinisch in Brandenburg-Görden hingerichtet. Auf das Schafott brachte ihn sein Gewissen, das ihm verbat, den Fahneneid auf Hitler zu leisten. Unter den katholischen Priestern im sogenannten „Deutschen Reich“ war er der einzige, der diesen schicksalsentscheidenden Schritt wagte. Viele Gläubige nennen ihn heute „Märtyrer des Gewissens“, obwohl er diesen Status offiziell noch nicht zuerkannt bekommen hat. Der Weg dazu ist jedoch geebnet: Am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für P. Franz Reinisch offiziell eröffnet.

Zu seinem Todestag am 21. August kamen rund 60 Gläubige an P. Reinischs Grab unmittelbar neben dem Urheiligtum in Vallendar-Schönstatt, um dem mutigen Pallottinerpater zu gedenken und für seine baldige Seligsprechung zu beten. „Pater Franz Reinisch - Narr um Christi willen, Märtyrer oder Spinner?“ - Vize-Postulator P. Adalbert Kordas ofm hatte für seine Ansprache zu diesem Anlass einen durchaus provokanten Titel gewählt, der jedoch die bereits auf Reinischs Entscheidungsweg entbrannte Kontroverse um den willensstarken Priester auf den Punkt brachte. Die Oberen seiner Gemeinschaft versuchten, den Pallottiner dazu zu bewegen, sein Vorgehen zu überdenken. Zum einen, um sein Leben zu retten. Zum anderen aber auch, um die eigene Ordensgemeinschaft vor scharfen Konsequenzen zu bewahren. Reinischs Gewissensentscheidung drohte den Fokus des Naziregimes auf die Pallottiner zu lenken. Katholische Priester sahen sich im Dritten Reich permanenter Observation und Verfolgung ausgesetzt.

Auszüge aus der Reinisch-Biografie des ehemaligen Berliner Gefängnis-Seelsorgers Heinrich Kreutzberg, die die letzten Minuten des Priesters vor der Hinrichtung schildern, verdeutlichten noch einmal die Tragweite der Gewissensentscheidung des österreichischen Pallottinerpaters, der seine spirituellen Wurzeln in Vallendar-Schönstatt gefunden hatte und aus seinem tiefen Glauben noch im Hinrichtungsraum Kraft zog: "Jetzt steht P. Reinisch unmittelbar vor der Türe. Immer noch hat er sein Leben in der Hand (…) Was er noch wenige Tage zuvor erklärte, das gilt auch jetzt noch: 'Ich brauche nur 'Ja' zu sagen zum Fahneneid, und sofort wäre alles anders, und doch halte ich unbeugsam daran fest, dass es der Wunsch und der Wille Gottes ist, dass ich freiwillig den Tod auf mich nehme als Gabe und Aufgabe zugleich.' Dann ist es soweit. Der Pfarrer tritt heran! Mit welcher Liebe und Innigkeit küsst P. Reinisch noch einmal das Kreuz seines Meisters und betet still die Stoßgebete des Pfarrers mit. Die Tür wird geöffnet. Die zwei Wachtmeister führen ihn hinein. Nochmals werden die Personalien festgestellt. Mit kräftiger Stimme antwortet er auf die einzelnen Fragen mit 'Ja'. Eine wunderbare Ruhe und Sicherheit erfüllt ihn. Sein Auge ruht nur noch auf dem Bild des Gekreuzigten: Der gab sein Leben für mich, ich gebe es für ihn! 'Niemand hat eine größere Liebe, denn dass er sein Leben dahingibt für seine Freunde!' (Joh. 15,13).

Hohl gellt der Befehl durch den Raum: 'Scharfrichter, walten Sie Ihres Amtes!' Der Hebel wird ausgelöst, scharf fällt das Fallbeil nieder!“ (Bericht von Heinrich Kreutzberg, „Ein Martyrer unserer Zeit“, 1952). Der noch lebende Großneffe des hingerichteten Priesters, Norbert Reinisch, konnte selbst nicht an der Gedenkfeier teilnehmen, betonte jedoch in einem Brief an die Anwesenden: „Mein Großonkel hat mit seiner Entscheidung bewusst in Kauf genommen, sein Leben zu opfern, nur um seinem Glauben und seiner Überzeugung treu zu bleiben.

In seinem Gefängnistagebuch schreibt er zu uns: 'Mein Lebensopfer soll ein Hohelied werden auf die Würde des Menschen: innere Freiheit, ausreifend bis zur Freiheit der Kinder Gottes!'. Er demonstriert uns, dass selbst in der Todeszelle derjenige frei sein kann, der mit sich im Reinen ist.“

Mit dem Abendsegen im Urheiligtum endete dann die Gedenkfeier für P. Franz Reinisch. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von Sr. M. Gabriela und Sr. M. Lourdes.

Gedacht wurde P. Franz Reinisch auch am Sonntag in einem Gottesdienst in der Kirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. „Pater Franz Reinisch - Die Liebe Christi hat ihn verzehrt!“ In seiner Predigt schilderte Vize-Postulator P. Adalbert Kordas ofm P. Reinischs leidenschaftlichen Glauben, der ihn darin bekräftigte, seinem Gewissen zu folgen und damit den sicheren Tod durch Hinrichtung in Kauf zu nehmen: „Pater Franz Reinisch verteidigt die Menschenwürde und Religionsfreiheit. Er kämpft für das bedrohte Christentum und Vaterland. Es geht ihm um die Erhaltung des christlichen Abendlandes. Er gebraucht die 'Waffen des Geistes und des Glaubens' angesichts des Versuches, den wahren Glauben an Gott aus den Herzen der Menschen herauszureißen. Seine Entscheidung erfolgt nicht aus den ihm von den Gerichtsoffizieren vorgeworfenen Charakterzügen wie Sturheit und Stolz, Ungehorsam und Eigenwille, sondern aus einer reifen religiösen Überzeugung, dass er in der Sache Gottes seinen Mann stehen muss. Er ist in Wahrheit weder Gott noch seinen Oberen ungehorsam, wenn er den Treueid auf den Dämon-Führer ablehnt. Auf die Politik der Gewalt und des Mordes lässt sich Pater Franz Reinisch nicht ein. Er will nicht dem Bösen dienen.“

Rund 50 Gottesdienstbesucher nahmen an dem Gedenkgottesdienst für P. Franz Reinisch in der Hochschulkirche teil.

Hintergrund: In Vallendar-Schönstatt fand der Tiroler Pallottiner-Pater Franz Reinisch seine spirituelle Heimat. Sein Gewissen verbat es ihm, den Fahneneid auf Hitler zu leisten – eine einsame Entscheidung, die er in der Kapelle von Schönstatt fällte und die ihn am 21. August 1942 auf das Schafott brachte. Am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für P. Franz Reinisch offiziell eröffnet.

Gedenkgottesdienst in der Hochschulkirche.

Gedenkgottesdienst in der Hochschulkirche.

Statio zum Todestag am Grab von P. Franz Reinisch SAC. Fotos: privat

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