Konzert der Stommel Stiftung in Koblenz
Großes Kino in der Rhein-Mosel-Halle
Koblenz/Urbar. Was passiert, wenn zeitgenössische klassische Musik auf Videokunst trifft? Das Ergebnis dieses außergewöhnlichen Experiments konnten die Besucher kürzlich in der Rhein-Mosel-Halle erleben. Der junge, vielfach ausgezeichnete Komponist Max Hundelshausen und die international bekannten Videokünstler George und Ilya Pusenkoff hatten in enger Zusammenarbeit das Thema „Generationen“ in Licht und Klang umgesetzt. Aus der Taufe gehoben wurde das Gesamtkunstwerk dann von Mitgliedern des Staatsorchesters und dem von der Stommel Stiftung gegründeten Orchester der Generationen unter der souveränen Leitung von Chin-Chao Lin.
Nun hat natürlich die moderne Musik dem Publikum durchaus einiges abverlangt - das liegt in der Natur der Sache und war in allen Jahrhunderten so. Wer sich aber auf das Werk eingelassen hatte, konnte sich an spannenden Klangeindrücken erfreuen, die auch im Hinblick auf das Thema Generationen bzw. Kreislauf von Leben und Tod gut nachvollziehbar waren. Beeindruckend auch, dass der Komponist in Bezug auf die Besetzung des Orchesters alle Register gezogen hat: Kontrafagott, Marimbaphon, Harfe, präparierter Konzertflügel und andere nicht ganz alltägliche Instrumente wurden geschickt und effektvoll eingesetzt. Bereits auf den ersten Blick beeindruckend war die Videoinstallation, die den ganzen Saal einschließlich der Decke ausfüllte. Das Werk war inhaltlich sehr wirkungsvoll auf die Musik abgestimmt und es entstand der Eindruck, dass ein Projekt „aus einem Guss“ entstanden war. Gezeigt wurden Bilder, die eindringlich unter anderem an das Wunder der Entstehung von Leben, an die unterschiedliche Wahrnehmung des Lebens durch die verschiedenen Generationen, an die Hetze des Lebens in unserer Zeit und an die Vergänglichkeit gemahnen. In Auftrag gegeben wurde das Gesamtkunstwerk vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie und von der Stommel Stiftung Urbar.
Zur Abrundung wurden im ersten Teil des Konzerts das ausgeprägt romantische Preludio Sinfonico von Puccini, die Romanze für Cello und Orchester von Strauss sowie die quirlige, teilweise aber auch sehr lyrische Leutnant Kije Suite von Prokofieff aufgeführt. Bei der Romanze lief Xiaoyi Bi, die seit 2013 als Solocellistin bei der Rheinischen Philharmonie tätig ist, zu Höchstform auf und zeigte mit großer Stilsicherheit, dass auch ein Nebenwerk des Spätromantikers Strauss ungeahnt überzeugende Qualitäten bietet, die in dieser Zeit nichts von ihrem Wert eingebüßt haben.
Insgesamt konnte das Publikum sich über ein spannendes, aber auch im besten Sinne angenehmes Konzertprogramm freuen. Das Orchester der Generationen, dessen Musiker ein Altersspektrum von 12 bis über 70 Jahren abdecken, bereitet sich nun auf eigene kleinere Konzertprojekte vor und probt jeweils donnerstags von 18 bis 19.30 Uhr in der Grundschule Urbar, Am Sportplatz 2. Grundsätzlich kann jeder interessierte Musiker dabei sein: Einfach vorbeikommen und mitspielen. Infos unter www.stommel-stiftung.de.
