Zweiter Akademietag in Vallendar beleuchtet die beiden „Naturen“ Christi
„Jesus Christus - Bruder der Menschen und Sohn Gottes?“
Vallendar. Wie kann Jesus der Sohn Gottes und gleichzeitig Bruder der Menschen sein? Darüber referierten die beiden Professoren der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) Margareta Gruber (OSF) und Paul Rheinbay (SAC) auf dem zweiten Akademietag der Hochschule.
Gruber, Professorin für Neutestamentliche Exegese und Biblische Theologie, verdeutlichte in ihrem Referat, Jesus sei zugleich „Sohn Gottes“ und „Bruder der Menschen“. Das Neue Testament rede von Gott, indem es von Jesus erzähle. Jesus übersetze das Wesen Gottes in menschliche Haltungen und Verhaltensweisen. Ausgangspunkt sei dabei die Auferstehung an Ostern. Nach dem christlichen Verständnis habe Gott jedoch Jesus vom Tod befreit und mit neuem Leben beschenkt. Bei den Jüngern habe der Schock über den Verlust der Person Jesu tief gesessen. „Dieser Tod am Kreuz musste von den ersten Christen erst mal bewältigt werden“, betonte Gruber. Deshalb sei das Neue Testament nicht die Biografie des „irdischen Jesus von Nazareth“, sondern Glaubenszeugnis der ersten Christen, die von Ostern her zurück auf das Leben Jesu schauten. Der Tod am Kreuz und das Leiden zuvor machten klar, dass Jesus ganz Mensch war, „nicht nur zum Schein“. Jesus werde keineswegs nur auf einen „Propheten, Rabbi, Wunderheiler, Charismatiker oder Magier“ reduziert. Es werde klargestellt, dass Jesus mehr war, als die Propheten Moses oder Elia. Um die Jesusverehrung habe es jedoch von Anfang an Streit gegeben. In der Folge hätten sich Judentum und Christentum auseinanderentwickelt.
Im zweiten Teil knüpfte Rheinbay an Gruber an, stellte frühchristliche Positionen dar und beleuchtete die Frage, was Jesus in heutiger Zeit bedeuten könne. Über Jesus zu sprechen sei schwierig geworden, in einer Zeit, in der Begriffe wie „Gott, das Absolute, Erlöser, Messias, Heiland“ nicht mehr selbstverständlich über die Lippen gingen. Schon Euseb, der Hofgeschichtsschreiber des römischen Kaisers Konstantin, habe in einem Brief an seine Schwester im Jahr 330 n. Chr. Schwierigkeiten damit gehabt: „Jeglich Bild das ihr euch macht, stellt es wieder in Frage.“ Auch die ersten Konzilien hätten darum gerungen, wie von Jesus zu sprechen sei. Vom Konzil von Nicäa stamme die Formulierung „wesensgleich“ - also einer, der Gott und gleichzeitig Mensch ist. Das Konzil von Chalcedon (451) habe sich wieder damit beschäftigt und die Frage präzisiert: „Wie sind göttliche und menschliche Natur in Jesus Christus verbunden?“ Die Lösung der Konzilsväter: Das verbundene Geheimnis könne nicht aufgelöst werden, beide Naturen Jesu seien unvermischt und ungetrennt. Diese Ergebnisse der Konzilien seien bis ins heute geltende Glaubensbekenntnis übergegangen. „Jesus ist Mensch und Gott, unendlich und begrenzt, unsterblich und vergänglich - das sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten der einen Wirklichkeit“, sagte Rheinbay abschließend.
In der nachfolgenden Diskussionsrunde, die vom Leiter der Katholischen Hochschulgemeine Koblenz, Guido Groß, moderiert wurde, erörterten Teilnehmer und Referenten unter anderem Fragen zur Dreifaltigkeit im interreligiösen Dialog.
