Allgemeine Berichte | 20.01.2015

2. Akademietag der Pallottiner Vallendar stellte die Frage nach Jesus Christus

„Jesus Christus – Bruder der Menschen oder Sohn Gottes?“

Rund 240 Besucher fanden den Weg in die PTHV zum 2. Akademietag 2015.

Vallendar. „Jesus Christus – Bruder der Menschen oder Sohn Gottes?“ war das Thema des zweiten Akademietages der Pallottiner Vallendar am Samstag, 17. Januar, an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV). Prof. Dr. Margareta Gruber OSF, Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese und Biblische Theologie an der PTHV, zeigte in ihrem Referat auf, dass Jesus Christus im Neuen Testament zugleich „Sohn Gottes“ und „Bruder der Menschen“ ist. „Das Neue Testament redet von Gott, in dem es von Jesus erzählt“, führte Prof. Gruber in die Thematik ein. „Wer Gott im Neuen Testament finden will, muss auf das Leben Jesu schauen. Er ‚übersetzt‘ das Wesen Gottes in menschliche Haltungen und Verhaltensweisen – in das Leben eines Menschen, der ein großer Liebender war. Und dieser liebende Mensch ist die Selbst-Auslegung Gottes in Person.“ Prof. Gruber erklärte, dass die Auferstehung als Ausgangspunkt der Christologie gelte: „Er wurde auferweckt, er ist nicht hier (Mk 16,6)“. Dadurch zeige sich Gottes Loyalität gegenüber Jesus, der Gott seinen Vater nannte, über den Tod hinaus. Zudem sei Jesus bevollmächtigt, Gott mit Autorität auszulegen. Gott selbst offenbart sich in Jesu Leben, Tod und Auferstehung. Prof. Gruber verdeutlichte weiterhin, dass das Neue Testament nicht die Biografie des ‚irdischen‘ Jesus von Nazareth, sondern ein Glaubenszeugnis der ersten Christen sei. „Von Ostern her schaut das Neue Testament zurück auf das Leben Jesu“, so Prof. Gruber. Und damit richtet sich der Blick auf das Kreuz und den Tod Jesu, in dem klar wird, dass Jesus ganz Mensch war, nicht nur zum Schein. Er erleidet am Kreuz die Gottverlassenheit. Er kannte Leiden und Versuchung und war deshalb fähig, die zu verstehen, die ebenfalls darunter litten; ja sie von innen her zu befreien, sie zu erlösen. So zeigte er durch sein Leben und Sterben, wer Gott ist: Liebe. Sein Leben war ein Leben für Gott und die Menschen, und er hielt dieses ‚für‘ durch bis zum Tod.

Welche Bedeutung hat Jesus Christus für unsere Zeit?

Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Altertums und Rektor der PTHV, knüpfte an den Vortrag von Prof. Gruber an und bezog sich dabei auf frühchristliche Positionen und beantwortete die Frage, welche Bedeutung Jesus für uns und unsere Zeit hat. „Als Christen stehen wir vor der bleibenden Frage, wer Jesus Christus für uns ist“, so Prof. Rheinbay. „Diese richtet sich sowohl an Intellekt und Verstand wie auch an die im Herzen beheimatete glaubende Beziehung. Sie stellt sich zudem neu in einer multikulturellen und –religiösen Gesellschaft, in der unser ‚Ein-Gott-Glaube‘ zunehmend unter den Generalverdacht des Fundamentalismus gerät.“ Eine notwendige Reflektion werde dabei die Problematik einer schwierig gewordenen, sehr statisch klingenden Sprache aus den ersten Jahrhunderten des Christentums bedenken sowie die heutige Bedeutung Jesu Christi auch für Nicht-Christen.

Verhältnis zwischen menschlicher und göttlicher Natur in Jesus Christus

Das erste Konzil zu Nicäa 325 wurde durch Arius ausgelöst, der, um den Ein-Gott-Glauben zu wahren – Jesus Christus dem Vater unterordnete. Die Antwort des Konzils darauf war, dass Jesus Christus auf der Seite Gottes steht, ihm „wesensgleich“ ist. „Nun musste – in hartem theologischen und auch kirchenpolitischem Ringen – das Verhältnis zwischen menschlicher und göttlicher Natur in Jesus Christus geklärt werden“, erklärte Prof. Rheinbay. „Die Lösung bestand darin, die Grenzen zu definieren, innerhalb derer das Sprechen über Jesus Christus ‚rechtsgläubig‘ ist, ohne das damit verbundene Geheimnis aufzulösen: Beide Naturen in Jesus Christus sind unvermischt, -gewandelt, -getrennt und -gesondert. So sind die Konzilien in das bis heute gültige Glaubensbekenntnis eingegangen.“

Prof. Rheinbay wies abschließend auf moderne Sprachversuche in Wort und Bild hin. Diese versuchen aktuelle Ereignisse (Krieg, Gewalt, Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs, Schwierigkeit religiöser Begrifflichkeit) in das Reden über Jesus Christus einfließen zu lassen. „Bekannt ist die von D. Sölle geprägte Formel: Jesus Christus – Mensch für andere“, so Prof. Rheinbay. Wichtig sei es, sich stets bewusst zu bleiben, dass Mensch und Gott, unsterblich und vergänglich, keine Gegensätze, sondern zwei Seiten der einen Wirklichkeit sind. Damit ist für Christen Jesus Christus das ‚Symbol‘ dieser ganzen und einen Realität. In ihm erstrahlt menschliche, personale Würde in neuem Licht. Dies auszudrücken, dazu bedarf es zu jeder Zeit und in jeder Kultur neue Worte und Formen. In der sich anschließenden Diskussionsrunde, die von Guido Groß, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde Koblenz, geleitet wurde, kamen Fragen zur Dreifaltigkeit im interreligiösen Dialog, Nachfragen zum Johannes-Evangelium und zur Weihnachtsgeschichte.

Die Akademietage werden in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung Fachstelle Koblenz und der Katholischen Erwachsenenbildung Westerwald-Rhein-Lahn geplant und veranstaltet. Nach den Veranstaltungen ist die Möglichkeit zur Teilnahme an der sonntäglichen Vorabendmesse gegeben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei; die Veranstalter bitten um Spenden. Weitere Informationen unter der Tel.: (0261) 64 2 -290 oder -243.

Rund 240 Besucher fanden den Weg in die PTHV zum 2. Akademietag 2015.

Rund 240 Besucher fanden den Weg in die PTHV zum 2. Akademietag 2015.

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