Allgemeine Berichte | 22.09.2015

Ruandisch-deutsche Fachtagung in Haus Wasserburg

„Kultur der Aufmerksamkeit gegenüber sexualisierter Gewalt“

„Kultur der Aufmerksamkeit gegenüber sexualisierter Gewalt“

Vallendar. Rund 20 Teilnehmende waren der Einladung zur 5-tägigen Fachtagung in das Haus Wasserburg in Vallendar gefolgt, zu der die KSJ Trier (Katholische Studierende Jugend) und SOFIA (Soziale Friedensdienst im Ausland, Trier) eingeladen hatten. Zu den Teilnehmenden gehörten ehemalige Freiwillige, die ihren Dienst in Ruanda und Bolivien bereits hinter sich haben, Teamer und Teamerinnen der KSJ, Vertreter des Inshuti-Partnerschaftsvereins und eine Vertretung von Misereor. Auch Teilnehmende aus der Partnergemeinde Matimba/Ruanda waren gekommen, um sich gemeinsam mit Fachleuten darüber zu beraten, wie Prävention und eine Kultur der Aufmerksamkeit zu einem gemeinsamen Anliegen in den Projekten der Partnerschaften werden könnte. Die Tagung war ein Pilotprojekt, gewachsen aus der Erkenntnis, dass auch hier Aufklärung dem Schutz von Kindern und Heranwachsenden dienen muss und klare Vereinbarungen für den Fall konkreter sexualisierter Gewalt erforderlich sind. Ausgangspunkt der Überlegungen waren konkrete Erfahrungen; dass sexualisierte Gewalt ein weitverbreitetes Phänomen ist.

Täterstrategien richten sich an den jeweiligen kulturellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten aus: In Runda verschaffen sich beispielsweise sogenannte „sugardaddies“ oder „shugarmammies“ die sexuellen Dienste von Kindern und Heranwachsenden, die sie mit der Zahlung von Schulgeld gefügig machen - in Deutschland sind die Formen der Abhängigkeiten, in die Kinder und Jugendliche hineingeraten können, subtiler. Die Traumatherapeutin Consolee Mukantabana aus Kigali stellte einzelne Fälle aus ihrer Beratungsarbeit vor und zeigte auf, dass die Bemühungen des Staates gegen die Gewalt an Frauen und Kindern und die damit verbundenen Beratungsstellen noch zu wenig bekannt sind. Sie bot den kirchlichen Stellen in Ruanda ihre Beratungsdienste zu diesem Thema an. Der Beitrag von Andreas Zimmer, dem Leiter der Fachstelle für Kinder- und Jugendschutz des Bistums Trier, verdeutlichte, dass sexualisierte Gewalt und Macht zusammengehören. Wer eine Machtposition hat, gerät in die Gefahr, seine Macht auszudehnen, auch auf den sexuellen Bereich. Deshalb hilft es wenig, beim Täter und seinen Strategien anzusetzen, eine Stärkung der potenziellen Opfer hilft eher. Am besten aber ist es, begünstigende Strukturen abzubauen: Das sind nach dem Opferbericht von Dr. Thomas Schnitzler, dem Mitbegründer der Opferorganisation MissBiT, vor allem patriarchale, hierarchische und abgeschlossene Systeme. Familie, Kirche, Schule und auch Sportvereine, die alle mit ideellen Werten verknüpft sind, erweisen sich als besonders resistent gegenüber einer Offenlegung von Vorkommnissen und dulden keine „Nestbeschmutzer“. Wie familiäre und innerkirchliche Abhängigkeiten ineinander greifen, wie Macht und Sexualität so stark aufeinander eingespielt sein können, dass sie ein Kind in die Wehrlosigkeit treiben, ließ sich an seinem Bericht sehr gut ablesen. Dieser Täter war Kaplan in einer Trierer Gemeinde und hat mindestens 13 Jungen missbraucht, die meisten Opfer schämen sich bis heute, obwohl die Taten mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Durch seinen Bericht, dem auch eine wissenschaftliche Analyse zugrunde lag, wurde den Teilnehmenden deutlich, wie schwer sexualisierte Gewalt schädigen kann. Die Folgen bestimmen einen Menschen ein ganzes Leben lang, prägen Misstrauen aus bis hin zum Glaubensverlust. Susanne Schwarz vom SCHLAU-Programm Rheinland-Pfalz und Diözesanleiterin der KSJ zeigte, mit welcher Methodenvielfalt sie mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, damit sie sich zum Beispiel mit Hilfe von Nähe-Distanz-Übungen in ihr Recht auf Ablehnung von Körperkontakt praktisch einüben. Wie sexualisierte Gewalt schon mit sprachlichen Übergriffen und bewussten Grenzverletzungen beginnen kann, war eine wichtige Erkenntnis der Diskussionsrunden. Dass die Bibel schon vor 3000 Jahren Täterstrategien durchschaut und in der Geschichte des Mädchens Tamar verdeutlich hat, ergab eine Bibelarbeit zu 2 Sam 13. Nach diesem Tableau an Informationen und persönlicher Auseinandersetzung arbeiteten die Teilnehmenden an konkreten Vereinbarungen. Eine Verpflichtungserklärung für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, und für die Freiwilligen in Ruanda und Deutschland, entstand - ebenso wie eine Partnerschaftsvereinbarung. Hier wird gegenseitig Transparenz zugesagt, Verantwortungen und konkrete Schritte sind genau beschrieben, die bei einem Vorfall sexualisierter Gewalt eingeleitet werden. Zur Vereinbarung gehört zum Beispiel auch die Bestellung einer unabhängigen Ansprechperson in beiden Partnergruppen, die es Kindern und Jugendlichen erleichtern soll, sich zu Wort zu melden. Es gab eine Menge praktischer Vorschläge, wie in der Jugendarbeit für dieses Thema sensibilisiert werden kann, etwa eine gemeinsame TeamerInnenschulung. Während der ganzen Tagung leistete der Übersetzer Inno Sahinkuye aus Ruanda die unverzichtbare Arbeit der sprachlichen und kulturellen Vermittlung. Zum Abschluss der Tagung fand ein gut besuchter Gottesdienst in der Pallottikirche statt. Dass der Klartext redende Jesus aus Markus 8 die Sonntagslesung bestimmte, war eher Fügung als Zufall. Denn diese Erkenntnis war allen Teilnehmenden der Tagung gemeinsam und Grundlage aller Vereinbarungen: Es lohnt sich, Courage zu zeigen. Wer das Schweigen über Vorfälle bricht, Kinder zum Sprechen ermutigt und deutliche Signale der Prävention setzt, schreckt potenzielle Täter ab und schützt damit Kinder und Heranwachsende. Das will man in Zukunft vertreten, auch gegen mögliche Widerstände. Bleibt zu hoffen, dass weitere internationale Partnerorganisationen wie zum Beispiel die Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier oder Projekte im Rahmen des kirchlichen Hilfswerkes Misereor diesem Beispiel folgen werden. Der Anfang ist gemacht!

Fotos: privat

„Kultur der Aufmerksamkeit gegenüber sexualisierter Gewalt“
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