Ausstellung „Auf den zweiten Blick“ bei der Stommel-Stiftung
Michael Sonne spricht allen aus der Seele
Urbar. Ein anregendes und inspirierendes Kontrastprogramm zum teils etwas brachial anmutenden weihnachtlichen Getöse in den Innenstädten präsentierte der Künstler Michael Sonne am vergangenen Sonntag mit seiner Ausstellung „Auf den zweiten Blick“. Der Titel war gut gewählt: Aus Fundstücken, Weggeworfenem und Liegengebliebenem recycelt der Künstler höchst lebendige dreidimensionale „Portraits“ von Tieren und Menschen. Dabei zeigen seine Werke eine erstaunliche Bandbreite vom Filigran-Delikaten bis zum Wuchtig-Derben. Alles auf seine Weise jedoch äußerst überzeugend. So war es für die Besucher der Vernissage frappierend, in einigen scheinbar kaum bearbeiteten, zusammengefügten Holzklötzen mit zwei Ästchen und etwas Metall einen Elch zu erkennen, der überzeugender kaum hätte dargestellt werden können. Oder: Mit nur wenigen Zutaten verwandelt Michael Sonne eine Wurzel in das Gesicht eines Schweins, das seine ausgestopften „Kollegen“ im wahrsten Sinn des Wortes alt aussehen lässt. Überraschend auch, dass aus einem einzelnen, von der Rinde befreiten dünnen Ast mit seinen Abzweigungen scheinbar mühelos ein in den Wellen schaukelndes Schiffchen werden kann, das die Fantasie des Betrachters beflügelt. All dies zeigt, dass Michael Sonne zweifellos den Blick für das Wesentliche der Dinge hat. Dabei handelt es sich aber keineswegs um rein kunsthandwerkliche Gestaltungen: Viele der Objekte offenbaren eine gehörige Portion Witz, der sich bis zur scharfen Ironie steigern kann. So gab denn der Künstler bei der Eröffnung auch gern einige launige Gebrauchsanweisungen für die Betrachtung seiner Werke mit auf den Weg, wie zum Beispiel: 1) Wenn man eine Arbeit nicht versteht, heißt das nicht, dass ein tieferer Sinn dahinter stecken muss. 2) Wenn ihnen eine Arbeit zu schlicht erscheint, fühlen sie sich frei zu denken oder zu sagen: „Das kann ich auch.“ Ich selber bin übrigens immer wieder überrascht, wie schnell sich scheinbar komplizierte Dinge zusammenfügen und wie schwierig dagegen einfache Lösungen sind. Da spricht Michael Sonne uns allen aus der Seele.
Aus Fundstücken, Weggeworfenem und Liegengebliebenem recycelt der Künstler höchst lebendige dreidimensionale „Portraits“.
