Allgemeine Berichte | 24.01.2017

90 Besucher beim 3. Akademietag der Pallottiner Vallendar 2017

„Muss er weg? Schmerz im Zeitalter der Selbstoptimierung“

„Schmerz – muss er weg, oder muss man versuchen mit ihm zu leben?“ Dieser Frage stellten sich bei der anschließenden Diskussion (v.l.n.r.) Josef Thümmel, Diplompsychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Koblenz und JProf. Dr. Erika Sirsch, Lehrstuhl für Akutpflege an der PTHV. Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, Rektor der PTHV, moderierte die Diskussion. privat

Vallendar. Am Samstag, den 21.01.2017, fand in der Aula der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) der dritte Akademietag der Pallottiner Vallendar (PTHV, Haus Wasserburg, Pfarrei Vallendar) statt. Die Frage „Muss er weg? Schmerz im Zeitalter der Selbstoptimierung“ stand im Fokus des Nachmittags. Neben JProf. Dr. Erika Sirsch, Lehrstuhl für Akutpflege an der PTHV, referierte Josef Thümmel, Diplompsychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Koblenz. Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, Rektor der PTHV, moderierte die anschließende Diskussion.

„Schmerzen kennt fast jeder Mensch, ob als Zahnschmerz oder ‚schmerzenden Rücken‘“, führte JProf. Dr. Erika Sirsch in die Thematik ein. „Schmerz beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, er schränkt auch unsere Leistungsfähigkeit ein.“ Die Werbung verspreche, dass das Ziel der Schmerzfreiheit erreicht werden kann. „Es scheint nur eine Frage der richtigen Salbe zu sein, ob die Beweglichkeit wieder hergestellt werden kann oder nicht.“ Aber ist das Ziel Funktions- oder Leistungsfähigkeit? Wie sollen wir mit dem Phänomen Schmerz umgehen, wenn selbst Leistungssportler vorbeugend Schmerzmittel nehmen? In ihrem Vortrag erklärte JProf. Sirsch den Schmerz aus Sicht des drei Ebenen Modells (biologische-psychologische-soziale Faktoren). Dazu stellte sie Konzepte zur Kommunikation von Schmerz sowie einen multidimensionalen Zugang zum Phänomen Schmerz vor.

Bedeutung des Schmerzes für Pflegende

In einem zweiten Schritt erläuterte sie die Bedeutung des Schmerzes für Pflegende. Dabei machte sie deutlich, wie wichtig es ist, dass Pflegende sich in den anderen hineindenken und zuhören, ihn ernst nehmen sollen und nicht auf Schmerzmittel vertrösten und dann absichtlich oder unabsichtlich „vergessen“ und es gleichermaßen für den zu Pflegenden wichtig sei, wie die Schwester ihnen in dieser Situation begegnet. Zudem verdeutlichte sie, dass Schmerzen vor dem jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund interpretiert werden. Als Einflussfaktoren zur Beurteilung des jeweiligen Schmerzes müssen Geschlecht, Verhalten, physischer Status, emotionaler Status, der kognitive Kontext sowie die kognitive Beeinträchtigung und die Schmerzhistorie. Als Fazit konnte sie festhalten, dass Schmerz für alte Menschen immer noch ein hochrelevantes Problem ist. Im Hinblick auf die Akutpflege zeigte sie auf Basis eines Auszuges aus der Agenda Pflegeforschung zu erforderlichen Studien in der Akutversorgung auf, dass als Konsequenz Folgendes von Nöten sei: Entwicklung von Instrumenten für eine effektive Pflegediagnostik in Akutsituationen, Entwicklung, Erprobung und Evaluation evidenzbasierter (auf empirische Belege gestützt) pflegerischer Interventionen sowie eine Sicherung effektiver Interdisziplinarität/ Multiprofessionalität (Mitwirkende verschiedener Disziplinen) in Akutsituationen und einem effektiven Schnittstellenmanagement.

„Ich habe Schmerzen, ich habe Rücken!“

Josef Thümmel, Diplompsychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Koblenz hat den Vortrag von JProf. Sirsch ergänzt und sprach zum Thema „Ich habe Schmerzen, ich habe Rücken! Diagnostik von Chronifizierungsrisiken und Interventionsmöglichkeiten“ aus psychologischer Sicht. „Wesentlicher Grund der Beziehungsaufnahme und Behandlungserwartung aller Patienten ist die Schmerzlinderung, gleichzeitig besteht der Wunsch nach Erhalt der Autonomie, Vermittlung von Sicherheit und Orientierung sowie Zuwendung“, sagte Josef Thümmel. „Bei der Schmerzdiagnostik erleben wir Patienten in der Begegnung mit ihren Aussagen und ihrem Verhalten, ihrer Lebensgeschichte und ihren Erfahrungen, auch und gerade im Umgang mit ihrer Krankheit und dem Schmerz.“ Dies gelte es zu beurteilen und in der Behandlungsplanung zu berücksichtigen. Zentrale Aufgabenstellung der Diagnostik sei die Klärung der Frage, was einen akuten Schmerz daran hindert, wieder zu verschwinden, welche Risikofaktoren (bio-psycho-sozial) vorlagen und welche Hindernisse es gegenüber einer Remission gab.

In seinem Vortrag stellte er neben diesen diagnostischen Fragen Chronifizierungsrisiken bei Rückenschmerz, Behandlungserwartungen von Patienten, hiermit verbundene Motivations- und Bewältigungsprobleme und Lösungsversuche, Ziele und Möglichkeiten psychologischer Schmerztherapie im Rahmen eines multimodalen Konzeptes dar. „Stößt die Bewältigung von Schmerzen an Grenzen, zeichnen sich Lebensthemen wie Linderung und Akzeptieren von Schmerzen als verbleibende Möglichkeiten ab, so sollen abschließend Anforderungen an die Begleitung betroffener Menschen angedacht werden“, erklärte Thümmel.

Die Akademietage werden in gemeinsamer Trägerschaft mit der Katholischen Erwachsenenbildung Fachstelle Koblenz und der Katholischen Erwachsenenbildung der Bildungswerke Westerwald und Rhein-Lahn geplant und umgesetzt. Weitere Informationen bei Frau Stefanie Fein, Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) an der PTHV unter der Tel.: 0261/6402-255.

„Schmerz – muss er weg, oder muss man versuchen mit ihm zu leben?“ Dieser Frage stellten sich bei der anschließenden Diskussion (v.l.n.r.) Josef Thümmel, Diplompsychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Koblenz und JProf. Dr. Erika Sirsch, Lehrstuhl für Akutpflege an der PTHV. Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, Rektor der PTHV, moderierte die Diskussion. Foto: privat

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