Allgemeine Berichte | 18.04.2015

Gedenksteine in Vallendar gespendet und verlegt

Sich erinnern heißt nicht zu vergessen

Lebendiger Geschichtsunterricht: Schülerinnen und Schüler der Klasse 6a der Realschule Plus. AND

Vallendar. Wer stolpert, stößt an ein Hindernis an, wird möglicherweise aufgehalten, in seinem Gehen unterbrochen, er wird gestoppt und verweilt zuweilen länger an diesem Ort. Mit der Verlegung von sogenannten „Stolpersteinen“ vor ehemaligen Wohnhäusern ermordeter oder verschollener Menschen im Nationalsozialismus will der Künstler Gunter Demnig an die Opfer erinnern und zum Nachdenken über das Geschehene anregen.

Auf Initiative der Stadt Vallendar wurden zehn Messingplatten auf Steinen in Vallendarer Straßen in einer Feierstunde verlegt. Viele Vallendarer Bürger nahmen an der Aktion teil. Stadtbürgermeister Gerd Jung dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. Nur durch sie konnte das Vorhaben gelingen. Heimatforscher Adolf T. Schneider recherchierte gründlich und suchte aus den Dokumenten der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, den Protokolllisten der Gestapo und seinen gesammelten alten Adressbüchern nach den Namen, ihren Wohnorten und den Schicksalen der Deportierten. Die christlich-jüdische Gesellschaft in Koblenz unterstützte das Projekt.

Bewegende Lebensgeschichten

Gisela Rademacher forschte nach den Lebensgeschichten der Ermordeten und erzählte bei der Verlegung von deren Leben und Schicksalen. Die Familiengeschichten waren bewegend. So erzählte zum Beispiel Brigitte Weisbrod geborene Monreal, dass ihr Vater in Vallendar einen jüdischen Mitbürger versteckte. Das bedeutete für die ganze Familie Lebensgefahr. Der Mann überlebte die Verfolgung und wanderte nach dem Krieg aus. Einige Jahre später nahm er Kontakt mit seinem Retter auf, beide trafen sich und die Frau des Lebensretters, die Mutter von Brigitte Weisbrod, bekam zum Dank ein Armband geschenkt. Sehr bewegt konnte sie dieses den Gästen der Stolpersteinverlegung zeigen. Das hinterließ Spuren bei den Besuchern, besonders bei den Jüngeren. Susanne Raulf, Lehrerin an der Realschule plus in Vallendar, nutzte die Möglichkeit des Geschichtsunterrichts vor Ort. Sie kam mit ihrer 6a zur Stolpersteinverlegung. Alle Steine wurde von Vallendarer Bürgern oder Vereinen gespendet. Die Gedenksteine wurden vor diesen Häusern verlegt und tragen in großen Buchstaben folgende Inschriften:

Löhrstraße 13:

Hier wohnte

Nikolaus Thielen

Jg.1901

Im Widerstand/ KPD

Verhaftet 1944

Mauthausen

Ermordet 6.1.1944

Heerstr. 57:

Hier wohnte

Ernst Löb

Jg. 1889

„Schutzhaft“ 1938

Dachau

Deportiert 1942

Izbica

Ermordet

Hier wohnte

Max Löb

Jg. 1872

Deportiert 1942

Theresienstadt

Ermordet in

Treblinka

Hier wohnte

Hedwig Löb geb. Loeb

Jg. 1882

Deportiert 1942

Theresienstadt

Ermordet in

Treblinka

Wilhelm-Ross-Str. gegenüber Wilhelm-Ross-Str. 1:

Hier wohnte

Felix Loeb

Jg. 1886

Unfreiwillig verzogen

1938 Mainz

Deportiert 1942

Piaski

Ermordet

Hier wohnte

Flora Loeb geb. Kahn

Jg.1898

Unfreiwillig verzogen

1938 Mainz

Deportiert 1942

Piaski

Ermordet

Hier wohnte

Anna Helene Loeb

Jg. 1923

FLucht

Belgien/USA

Hier wohnte

Martha-Irma Loeb

Jg. 1927

Unfreiwillig verzogen

1938 Mainz

Deportiert 1942

Piaski

Ermordet

Hellenstraße 15:

Hier wohnte

Ferdinand Löb

Jg. 1876

Deportiert 1942

Izbica

Ermordet

Hier wohnte

Sophie Löb geb. Ermann

Jg. 1880

Deportiert 1942

Izbica

Ermordet

Der Künstler Gunter Demnig hat schon Stolpersteine in mehr als 500 Orten verlegt.

Der Künstler Gunter Demnig hat schon Stolpersteine in mehr als 500 Orten verlegt.

Brigitte Weisbrod geborene Monreal zeigte den Anwesenden das Armband, das ihre Mutter für das Verstecken eines jüdischen Mitbürgers in Vallendar erhalten hat.

Brigitte Weisbrod geborene Monreal zeigte den Anwesenden das Armband, das ihre Mutter für das Verstecken eines jüdischen Mitbürgers in Vallendar erhalten hat.

Lebendiger Geschichtsunterricht: Schülerinnen und Schüler der Klasse 6a der Realschule Plus. Fotos: AND

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