Gedenksteine in Vallendar gespendet und verlegt
Sich erinnern heißt nicht zu vergessen
Vallendar. Wer stolpert, stößt an ein Hindernis an, wird möglicherweise aufgehalten, in seinem Gehen unterbrochen, er wird gestoppt und verweilt zuweilen länger an diesem Ort. Mit der Verlegung von sogenannten „Stolpersteinen“ vor ehemaligen Wohnhäusern ermordeter oder verschollener Menschen im Nationalsozialismus will der Künstler Gunter Demnig an die Opfer erinnern und zum Nachdenken über das Geschehene anregen.
Auf Initiative der Stadt Vallendar wurden zehn Messingplatten auf Steinen in Vallendarer Straßen in einer Feierstunde verlegt. Viele Vallendarer Bürger nahmen an der Aktion teil. Stadtbürgermeister Gerd Jung dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. Nur durch sie konnte das Vorhaben gelingen. Heimatforscher Adolf T. Schneider recherchierte gründlich und suchte aus den Dokumenten der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, den Protokolllisten der Gestapo und seinen gesammelten alten Adressbüchern nach den Namen, ihren Wohnorten und den Schicksalen der Deportierten. Die christlich-jüdische Gesellschaft in Koblenz unterstützte das Projekt.
Bewegende Lebensgeschichten
Gisela Rademacher forschte nach den Lebensgeschichten der Ermordeten und erzählte bei der Verlegung von deren Leben und Schicksalen. Die Familiengeschichten waren bewegend. So erzählte zum Beispiel Brigitte Weisbrod geborene Monreal, dass ihr Vater in Vallendar einen jüdischen Mitbürger versteckte. Das bedeutete für die ganze Familie Lebensgefahr. Der Mann überlebte die Verfolgung und wanderte nach dem Krieg aus. Einige Jahre später nahm er Kontakt mit seinem Retter auf, beide trafen sich und die Frau des Lebensretters, die Mutter von Brigitte Weisbrod, bekam zum Dank ein Armband geschenkt. Sehr bewegt konnte sie dieses den Gästen der Stolpersteinverlegung zeigen. Das hinterließ Spuren bei den Besuchern, besonders bei den Jüngeren. Susanne Raulf, Lehrerin an der Realschule plus in Vallendar, nutzte die Möglichkeit des Geschichtsunterrichts vor Ort. Sie kam mit ihrer 6a zur Stolpersteinverlegung. Alle Steine wurde von Vallendarer Bürgern oder Vereinen gespendet. Die Gedenksteine wurden vor diesen Häusern verlegt und tragen in großen Buchstaben folgende Inschriften:
Löhrstraße 13:
Hier wohnte
Nikolaus Thielen
Jg.1901
Im Widerstand/ KPD
Verhaftet 1944
Mauthausen
Ermordet 6.1.1944
Heerstr. 57:
Hier wohnte
Ernst Löb
Jg. 1889
„Schutzhaft“ 1938
Dachau
Deportiert 1942
Izbica
Ermordet
Hier wohnte
Max Löb
Jg. 1872
Deportiert 1942
Theresienstadt
Ermordet in
Treblinka
Hier wohnte
Hedwig Löb geb. Loeb
Jg. 1882
Deportiert 1942
Theresienstadt
Ermordet in
Treblinka
Wilhelm-Ross-Str. gegenüber Wilhelm-Ross-Str. 1:
Hier wohnte
Felix Loeb
Jg. 1886
Unfreiwillig verzogen
1938 Mainz
Deportiert 1942
Piaski
Ermordet
Hier wohnte
Flora Loeb geb. Kahn
Jg.1898
Unfreiwillig verzogen
1938 Mainz
Deportiert 1942
Piaski
Ermordet
Hier wohnte
Anna Helene Loeb
Jg. 1923
FLucht
Belgien/USA
Hier wohnte
Martha-Irma Loeb
Jg. 1927
Unfreiwillig verzogen
1938 Mainz
Deportiert 1942
Piaski
Ermordet
Hellenstraße 15:
Hier wohnte
Ferdinand Löb
Jg. 1876
Deportiert 1942
Izbica
Ermordet
Hier wohnte
Sophie Löb geb. Ermann
Jg. 1880
Deportiert 1942
Izbica
Ermordet
Der Künstler Gunter Demnig hat schon Stolpersteine in mehr als 500 Orten verlegt.
Brigitte Weisbrod geborene Monreal zeigte den Anwesenden das Armband, das ihre Mutter für das Verstecken eines jüdischen Mitbürgers in Vallendar erhalten hat.
