Kraftakt ohnegleichen an allen Ecken und Enden
Welle der Hilfsbereitschaft rollte gleich nach der Flut
THW brachte mit perfekter Logistik den Verkehr wieder ins Rollen
Wachtberg. Fritzdorf, Arzdorf, Niederbachem, Pech und Villip waren die Orte, in denen das Unwetter mit seinen bisher ungekannten Wassermassen die größten Schäden anrichtete.
Dem Schrecken und der Zerstörung folgte aber nicht nur Betroffenheit, sondern eine Welle unglaublicher Hilfsbereitschaft. Nachbarn, deren Wohnung und Eigentum nicht betroffen waren, zogen die Gummistiefel an und standen den Menschen, deren Hab und Gut zerstört war, mit Tat und Kraft zur Seite.
Bei der Gemeinde und in den Orten boten Hauseigentümer kurzerhand Einliegerwohnungen und Zimmer für die Menschen an, die durch die Wassermassen obdachlos geworden waren. Sogar aus den umliegenden Regionen kamen wildfremde Menschen, die plötzlich mit Eimern, Stiefeln, Handschuhen, Energie und Tatkraft mit anpackten, wo sie konnten. So waren die Schäden, die allein durch Muskelkraft zu beseitigen waren, schnell behoben.
Bauern haben teilweise einen großen Teil der Ernte verloren
Trotzdem blieb für viele Bewohner und Bauern der Region ein bitterer Nachgeschmack. Teilweise wurden wichtige Teile der Ernte vernichtet. Mancher Landwirt musste sich fragen, womit er im Winter seine Tiere füttern soll. Fünf Brücken in Wachtberg hatten der Wucht des Wassers nicht standgehalten.
In Pech, Arzdorf und Villip waren Durchgangsstraßen unpassierbar geworden. Den ersten Nachrichten von offizieller Seite nach sollte es wegen der Ausschreibungsvorschriften Monate dauern, bis die Brücken wiederhergestellt werden könnten. Das aber wusste die Gemeinde abzuwenden.
THW baute zwei Hilfsbrücken
Ebenso wie die Flut historisch beispiellos über Wachtberg hinweggerollt war, stemmte die Gemeinde in einem historisch beispiellosen Kraftakt die vorrangigen Aufgaben. Nur wenige Tage nach den Überflutungen hatte sie das Technische Hilfswerk mit seinem Brückenbauteam an der Seite. Dieses Team wird aus nachvollziehbaren Gründen in Deutschland eher selten eingesetzt. Nichtsdestotrotz griffen alle Rädchen vom Hilfeersuchen über die Organisation bis zur Ausführung so perfekt ineinander, dass die beiden Brücken in Pech innerhalb von acht Tagen nach dem Unwetter durch zwei Hilfsbrücken ersetzt werden konnten.
Weil die Ersatzkonstruktionen deutlich über dem Straßenniveau liegen, mussten Rampen her, die den Höhenunterschied überbrücken. Die Gemeinde Wachtberg stellte alle notwendigen Mittel zur Verfügung, um wenige Stunden nach dem Aufbau der ersten Brücke für eine Asphaltrampe zu sorgen. Kurze Zeit später konnte bereits der Schulbus wieder über diese Strecke rollen und die Kinder zu ihrem Ziel bringen. Auch für die Landwirte wurden mittlerweile Hilfen durch das Umweltministerium angekündigt. Informationen dazu erhalten die Betroffenen beim Bauernverband.
Ungünstiger sah es eine Zeit lang für die Brücke aus, für die das Land Nordrhein-Westfalen zuständig ist, weil Landstraßen betroffen sind. Für die Brücke in Arzdorf, die die Bevölkerung von Arzdorf, Fritzdorf, Klein Villip und teilweise Adendorf mit dem Einkaufszentrum in Berkum verbindet , war einige Tage nach dem Unwetter offiziell noch keine Lösung in Aussicht. Wegen der dort umständlich gestalteten Umleitungen mussten Ortskundige auf teilweise recht fantasievolle Weise ihre Wege zum Einkaufen finden.
Ortsunkundige waren von Berkum kommend beinahe aufgeschmissen, weil die Navigationssysteme sie entweder zwanzig Minuten quer durch Wachtberg und Meckenheim lotsten oder einfach nur noch sinnlose Wegevorschläge lieferten, die wegen der vielen Sperrungen nicht praktikabel waren. Entsprechend erleichtert waren die Bürger, als das THW auch hier tatkräftig anpackte und innerhalb kürzester Zeit eine einspurige Brücke mit 16 Tonnen Tragkraft aufbaute. Die auch hier notwendigen Rampen realisierte die Gemeinde gleich im Anschluss, sodass die Eröffnung der Strecke – wegen der Einspurigkeit mit einer Ampelanlage – für Mittwoch, den 15. Juni eingeplant werden konnte.
Fazit
Die akuten Schäden wurden durch die beispielhaften Einsätze der Feuerwehren, des DRK und vielen anderen freiwilligen Helfern bestmöglich in Grenzen gehalten. Auch eine frühere Unwetterwarnung hätte den Ablauf nicht maßgeblich verändert, weil die Wassermassen zu groß waren. Dennoch hat die Gemeinde Wachtberg mit Unterstützung der ersten Helfer vor Ort und vor allem vom THW eine beachtliche Leistung vorgelegt, um die Infrastruktur für ihre Bürger so schnell wie möglich wiederherzustellen. Ein besonderer Dank gilt dem THW, das mit vorbildlicher Logistik in perfekter Zusammenarbeit Unterstützung leistete, die in dieser Geschwindigkeit die meisten nicht für möglich gehalten hätten.
Das Wasser suchte sich trotz unversiegelter Flächen unaufhaltsam seinen Weg.
Von der Brücke am Grünen Weg war nicht viel übrig geblieben.
Von der Brücke in Arzdorf ist nur noch die Fahrbahndecke übrig geblieben.
