Kein Atommüllend- noch ein Zwischenlager „Am guten Mann“
AKW-Gelände wird Industriegebiet
Eigentümer RWE Power will die Fläche nach Abriss des Kernkraftwerks vermarkten
Weißenthurm/Mülheim-Kärlich. Wenig Interesse zeigten Bürger an der Bauplanung für das Kernkraftwerkgelände. Damit steht fest, dass es „Am guten Mann“ weder ein Atommüllend- noch ein Zwischenlager geben wird. Denn wenn Kühlturm, Reaktorblock und weitere Gebäude rückgebaut, also abgerissen sind, und das Atomrecht aufgehoben ist, will die RWE Power als Grundstückseigentümer die Fläche als Industriegebiet vermarkten. Doch so einfach geht das nicht, denn die Kommunen, die Städte Mülheim-Kärlich und Weißenthurm, auf denen das 38 Hektar große Kernkraftgelände liegt, haben die Planungshoheit. Da die dem Projektplan zugestimmt hatten, ist jetzt die Verbandsgemeindeverwaltung mit der konkreten Planung gefordert. Das hatte aber schon RWE Power übernommen und ein Planungsbüro beauftragt. Und an diesen Plänen müssen die Bürger frühzeitig beteiligt werden, was jetzt im Ratssaal der Verbandsgemeindeverwaltung Weißenthurm in Anwesenheit der Stadtbürgermeister Uli Klöckner (Mülheim-Kärlich) und Gerd Heim (Weißenthurm) geschah. VG-Bürgermeister Georg Hollmann wies darauf hin, dass es sich hier um einen Entwurf handelt, der noch einige Gremien und Offenlagen durchlaufen muss. In einem Industriegebiet ist jegliche Art von Industrie erlaubt. „Am guten Mann“ gibt es jedoch Einschränkungen wegen Lärms, denn das Industriegebiet reicht fast an die Bebauungsgrenze von Weißenthurm sowie Urmitz und Urmitz/Bahnhof. Die Gebäude dürfen bis 25 Meter hoch sein, was gegenüber dem fast 150 Meter hohen Kühlturm ein Klacks ist. Apropos Kühlturm: Jedes neue Industriegebiet bedeutet ein negativer Eingriff in die Landschaft und deshalb muss eine entsprechende Natur-Ausgleichsfläche geschaffen werden. Da aber durch den Abriss des Kühlturms das Landschaftsbild verbessert wird, muss für das Industriegebiet lediglich eine nur sechs Hektar große Ausgleichsfläche entstehen. Dann geht es noch um die so genannten verkehrlichen Anschlüsse. Gerechnet wird mit 1400 Autos, die täglich ins Industriegebiet fahren, also insgesamt 2800 Bewegungen. Da reicht die Straße zum Weißenthurmer Hafen wohl nicht aus, deshalb werden noch andere Möglichkeiten geprüft. Im Herbst wird wohl der Plan zu jedermanns Einsicht im Weißenthurmer VG-Rathaus offengelegt. Dann können die Bürger ihre Anregungen und Bedenken vorbringen, über die dann letztlich die Ratsmitglieder entscheiden. Welche Industrie später dort angesiedelt wird, ist dann Sache von RWE Power und der Kreisverwaltung, die den Industriebetrieb noch genehmigen muss.
